Wir widmen uns der traditionellen Seite von Seoul und besuchen zwei Paläste sowie das Bukchon Hanok Village.

Was für ein schönes Gefühl, endlich mal wieder so richtig ausschlafen. Vermutlich liegt es an der Ruhe. Das mag jetzt ein wenig merkwürdig klingen, aber tatsächlich ist es in Seoul ruhiger als an allen Orten, wo wir bisher waren 😂

Gegen 10 Uhr verlassen wir unser Apartment und nehmen direkt die U-Bahn-Linie 3 zum Palast der strahlenden Glückseligkeit, Gyeongbokgung. Schon die gleichnamige Haltestelle ist sehenswert. Wir haben das Gefühl in eine ganz andere Welt einzutauchen 😌

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Der Palast gehört zu den bedeutendsten historischen Orten Koreas. Schon der Name klingt wie eine Verheißung. Er wurde 1394 als Hauptpalast der Joseon Dynastie erbaut und war einst das Herz des alten Königreichs. Heute ist er ein Rückzugsort mitten in der Hauptstadt, eingerahmt von Bergen und Hochhäusern.

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Wir erreichen das Haupttor rechtzeitig zur Gate Guard Duty Performance um 11 Uhr. Trommeln hallen über den Hof, Wächter in bunten Gewändern schreiten synchron über das Kopfsteinpflaster. Alles wirkt würdevoll und fast feierlich. Dargestellt wird das traditionelle Ritual der „Sumungun“, der Torwächter, aus der Joseon Dynastie 🙃🙂

Diese Wächter waren zuständig für das Öffnen und Schließen der Palasttore sowie die Sicherheit des Königs und der Hauptstadt. Während der Performance führen die Torwächter das ritualisierte Übernehmen ihrer Posten durch, inklusive der gegenseitigen Identifikation per militärischem Code und dem Einnehmen der Wache am Gwanghwamun Tor.

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Hinter dem Tor eröffnet sich eine riesige Anlage mit über 300 Gebäuden, Pavillons auf Pfählen, filigranen Dächern und Lotusteichen. Wir schlendern über das riesige Areal, biegen mal rechts und mal links ab 👣 Die Gebäude folgen einer gewissen Symmetrie. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen.

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Besonders eindrucksvoll ist der Gyeonghoeru Pavillon, den 48 Granitsäulen tragen, die auf einem großen, künstlich angelegten Teich stehen. Der Pavillon diente als königlicher Festsaal und Ort für Bankette, besonders bei offiziellen Empfängen für ausländische Gesandte. 

Die Kombination aus Wasserbecken und der erhöhten Holzarchitektur schafft eine ästhetisch ansprechende und zugleich symbolträchtige Erscheinung, die Harmonie mit der Natur sowie Ruhe und Erhabenheit ausdrückt 😲

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In der Ferne leuchtet das Dach des National Folk Museums, das sich außerhalb des Palastgeländes befindet und ein Fenster in die Alltagsgeschichte Koreas ist. 

Vor dem Museum stehen traditionelle Nachbildungen von Kultstätten wie Geistpfählen, Steinhaufen für religiöse Rituale, Mahlsteine, Vorratshütten für Reis und Behälter für Kimchi Töpfe. Diese veranschaulichen das traditionelle Leben und die spirituellen Praktiken koreanischer Dorfgesellschaften. 

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Besonders interessant, das National Folk Museum of Korea wurde ursprünglich am 8. November 1945 von der US-Regierung gegründet und öffnete am 25. April 1946 seine Türen 😮

Eigentlich wollte Mark auch noch zum Cheongwadae, dem Blauen Haus, welches 1939 als japanischer Gouverneurssitz erbaut und 1948 zum Symbol des südkoreanischen Staates wurde. Es wurde erst 2022 für Besucher geöffnet, bis dahin war es lange Zeit Sitz des Präsidenten. Leider ist es geschlossen, da gerade irgendwelche Regierungsstellen umziehen 🥲

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Ich bin ehrlich gesagt, gar nicht so traurig, denn ich habe Hunger. Mark lädt mich ins Café Cordialement ein. Wir genießen ein Croissant mit Eis und eine Art Früchtebrot. Dazu gibt es einen Matcha Latte und eine Zitronenlimonade. Ja, wir geben zu, wir lieben Matcha 🍵

Deswegen müssen wir unmittelbar nach dem Frühstück, dem Weg zum Bukchon Hanok Village, zwischen Galerien und den ersten traditionellen Häusern, in einer kleinen Patisserie noch ein Matcha Croissant essen 🤣

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Das Bukchon Hanok Village ist eines der faszinierensten und beeindruckendsten Vierteln von Seoul. In den engen Gassen zwischen modernen Gebäuden ducken sich über 900 traditionelle Häuser, sogenannte Hanok 🏡

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Das Viertel wirkt wie ein bewohntes Museum. Kein Wunder, denn manche dieser Häuser sind über 600 Jahre alt, also auch Teil der Joseon Dynastie. Ursprünglich wurden sie als Wohnhäuser für hohe Beamte und den Adel gebaut, was sich in der großartigen Architektur und im sozialen Aufbau des Viertels widerspiegelt. 

Charakteristisch sind die harmonische Einbindung in die natürliche Umgebung, die sanft geschwungenen Ziegeldächer, Holzrahmenkonstruktionen mit sorgfältig gestalteten Innenhöfen sowie die Nutzung von Materialien wie Holz, Ton, Papier, Stein und Metall 🪵

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Die Architektur folgt traditionellen Prinzipien, die auf den fünf Elementen des Universums basieren Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, mit dem Ziel, eine harmonische Verbindung von Mensch und Natur zu schaffen. Zudem schafft sie eine Balance von Tradition und Funktionalität und fördert durch Merkmale wie den warmen Ondol-Boden und die Innenhöfe eine ruhige sowie gemeinschaftliche Wohnatmosphäre 🙃🙂 

Im Verlauf der Jahrhunderte wurde Bukchon zwar weiterentwickelt, der historische und kulturelle Charakter konnte aber durch das Engagement der Besitzer bewahrt werden. Schließlich leben viele der Bewohner hier seit Generationen.

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Auch die Regierung unterstützt das Viertel mit Vorschriften zur Begrenzung des Tourismus, Verhaltensregeln für Besucher - natürlich in Form von höflichen Schilder - und Förderprogrammen. Das ist echt lobenswert. Denn auch wenn heute viele Häuser als Kulturzentren, Galerien oder Unterkünfteunterkünfzuser dienen, gilt es das traditionelle Viertel zu erhalten.

Von vielen Punkten aus haben wir einen weiten Blick über die Stadt: Alte Dächer sind im Vordergrund zu sehen, dahinter ragen Glastürme empor. An manchen Ecken posieren Besucher in geliehenen Hanboks. Die leuchtenden Stoffe erinnern teilweise an Blüten. Die Fotospots sind beliebt, doch es gibt immer noch Ecken, wo ausreichend Platz für stilles Staunen bleibt.

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Kleiner Tipp: Wer die traditionelle koreanische Kleidung trägt, hat freien Eintritt in die Paläste. Typischerweise besteht der Hanbok aus einem Jeogori, dem Oberteil, und einem Chima für Frauen und einem Baji für Männer. Der Rock beziehungsweise die Hose sind weit geschnitten um die Körperlinien zu kaschieren und freie Bewegung zu ermöglichen. Die harmonische Mischung aus geraden und geschwungenen Linien sowie prächtigen Farben wird eigentlich nur zu besonderen Anlässen wie Feiertage, Hochzeiten oder Zeremonien getragen 😇

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Nach einem halben Tag auf den Beinen zieht es uns in die Gegend Insadong. Die zehn Minuten schaffen wir auch noch zu Fuß. Im Osulloc Tea House schlagen wir für eine Weile Wurzeln. Das Interieur ist minimalistisch und modern. Die Spezialität ist Matcha in jeglichen Varianten. Die Waffeln sind schon fast banal im Gegensatz zum Bingsu, dem koreanischen  Dessert aus fein geraspeltem Eis, das mit Matcha übergossen und mit süßen roten Bohnen sowie Matcha Mochis serviert wird. Diese erfrischende, leicht süße Köstlichkeit ist im ersten Moment ungewohnt, aber dann unsagbar lecker und perfekt für heiße Tage 😋

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Wir atmen mal wieder kurz durch und genießen die klimatisierten Räumlichkeiten. Draußen sind über 30 Grad und wir schwitzen aus allen Poren. Ein Vorteil hat’s, wir müssen nicht so oft zur Toilette. Wobei das in Seoul nun wirklich kein Problem ist. An jeder U-Bahn-Haltestelle ist mindestens eine mit Toilettenpapier 😉

Wer mag, kann sich im Osulloc noch mit koreanischem Tee für zu Hause eindecken, stilvoll verpackt und mit Beratung. Eigentlich wollen wir ja nichts kaufen, aber an dem Aufstrich mit Matcha kann Mark einfach nicht vorbeigehen 😅

Nur ein paar Schritte weiter wartet das Baek In-Je's House, eine elegante Hanok-Villa aus dem Jahr 1913 auf uns. Die Räume sind frei zugänglich sind. Holz, Papier, Licht, alles ist reduziert, durchdacht und ruhig 😌

So hat also die Oberschicht der frühen Moderne gelebt, mit westlichen Einflüssen, aber tief verwurzelt in koreanischer Architektur. Wir streifen durch Innenhöfe, vorbei an kleinen Gärten und gepflegten Wegen. Die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen.

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Wenn Ihr glaubt, das war es, irrt Ihr Euch gewaltig. Tatsächlich schauen wir uns noch den Changdeokgung, einen weiteren der der fünf großen Paläste der Joseon Dynastie an.

Er wurde 1405 erbaut und war besonders bei den Königen beliebt, da er sich harmonisch in die Natur einfügt. Heute gehört das 78 Hektar große, weitläufige Areal zum UNESCO Weltkulturerbe 🇺🇳

Das Donhwamun Tor, der Haupteingang des Palastes, ist das größte der Palasttore Seouls und besticht durch seine zweistöckige, pavillonartige Holzkonstruktion. Es wurde 1412 erstmals erbaut, im Zuge der japanischen Invasion 1592 zerstört und später originalgetreu wieder aufgebaut, was seine historische Bedeutung unterstreicht.

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Zudem ist der Changdeokgung berühmt für seine Architektur. Er wurde nach dem Prinzip des „Pungsu“, dem koreanisches Feng Shui, gestaltet. Im Gegensatz zu den anderen Palästen wie zum Beispiel dem Gyeongbokgung folgen die Gebäude der natürlichen Topografie des Geländes und heben so die Verbindung zur Umgebung hervor. Das widerum betont die harmonische Einheit von Mensch und Natur 🌱 

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Höhepunkt ist der Huwon. Gerade so schlüpfen wir noch hinein. Jahrhundertelang war der 32 Hektar große Geheime Garten ausschließlich der königlichen Familie vorbehalten. Versteckt unter uralten Bäumen liegen ruhige Teiche und Pavillons, darunter der Juhamnu, eine ehemalige königliche Bibliothek 📚

Das ganze Areal strahlt eine meditative Ruhe aus, die es zum perfekten Rückzugsort für die Herrscher machte. Zudem dienten die Anlagen als Austragungsort von Festlichkeiten, Bogenschießwettbewerben und sogar königlichen Staatsprüfungen, was die besondere Bedeutung dieses Gartens unterstreicht.

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Sehr cool, das wir das noch geschafft haben. Leider ist der Changgyeonggung, der gleich nebenan liegt, schon geschlossen. Er ist insofern etwas Besonderes, dass die weitläufige Anlage nicht nur traditionelle Empfangshallen, sondern auch einen botanischen Garten und historische Glashäuser, die während der japanischen Besatzung angelegt wurden, umfasst 😳

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Wer Seoul komplett erkunden möchte, braucht definitiv mehr als 6 Tage. Das ist uns schon jetzt bewusst und für uns neigt sich gerade mal Tag 2 dem Ende zu. 

Wir erkunden dafür noch eine sehr inspirierende Ausstellung auf dem Gelände des Changdeokgung, bevor wir uns auf zum Cheonggyecheon machen 😊

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Mitten durch Seoul fließt der Cheonggyecheon. Stellt Euch vor, dieser fast 11 Kilometer lange Fluss lag über 7 Jahrzehnte unter einer Autobahn verborgen. 2003 wurde er aufwändig renaturiert und ist seither eine der grünen Lungen Seouls. Im Sommer senkt er die Umgebungstemperatur um bis zu 3,6 Grad 🌡️ 

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Direkt um die Ecke befindet sich das Restaurant „Woo Lae Ok“. Hier soll es die berühmten Buchweizennudeln auf Sterne Niveau geben. Leider nicht für uns. Es sieht aus als hätte das Restaurant einen Wasserschaden gehabt, auf jeden Fall sind sie am ausräumen. Wirklich schade, das traditionelle Gericht, dessen Rezept sich seit 1946 in Familienbesitz befindet, hätten wir gerne probiert 😢 

Was nicht ist, ist nicht. Zum Glück ist auch der Gwangjang Market in der Nähe, einer der ältesten und lebendigsten Märkte Seouls. Viele läden schließen schon zwischen 17 und 18 Uhr, ähnlich wie beim Namdaemun Markt.

Etwas zu Essen und zu Trinken gibt es dennoch am östlichen Ende des Marktes. Wir schlendern durch die Stände und lassen uns inspirieren. Bekannt ist der Markt vor allem für Bindaetteok, knusprig gebratene Pfannkuchen aus Mungobohnen.

Doch wir probieren zuerst einen frisch gepressten Saft aus diversen Früchten und können auch den Dumplings mit Garnelen gefüllt nicht widerstehen ☺️

Schlussendlich genießen wir an einem der belebteren Stände die Spezialität des Marktes zusammen mit einer echten Delikatesse: Yukhoe, feinstes Beef Tartare mit einem Eigelb serviert - grandios. Wieder bekommen wir ungefragt Beilagen dazu. Diesmal Kimchi, sautierte Gosari, junge Farntriebe und einen Dip namens Cho Ganjang, der aus Essig und Sojasauce hergestellt wird 🥰

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Ganz ehrlich, nie hätte ich gedacht, rohes Rindfleisch in Asien zu essen, aber Korea hat sehr hohe Lebensmittelstandards und insbesondere auf beliebten Street Food Märkten wird auf Frische und sichere Zubereitung geachtet 🙏

Wow …. Wir sind jetzt schon 2 Monate unterwegs. Ihr fragt Euch vielleicht, ob wir Heimweg haben. Nein! Und vermissen tun wir auch nichts. Schließlich stehen wir ja mit den wichtigsten Menschen stets in Kontakt 🥰