Die DMZ, die Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea, ist ein Ort voller Kontraste: militärisch bewacht und zugleich beinahe unberührt.
Der Tag beginnt früh. Bereits 7:15 Uhr stehen wir an der Station Myeongdong, bereit für einen Ausflug zu einer der symbolträchtigsten Grenzen der Welt: der DMZ. Gebucht haben wir über Seoul Tickets, die bieten vieles mit guten Rabatten an. Doch was genau ist die DMZ eigentlich? 🤔
Die Demilitarisierte Zone, kurz DMZ, ist ein 248 Kilometer langer und 4 Kilometer breiter Grenzstreifen, der Nord- und Südkorea seit dem Waffenstillstand von 1953 trennt. In ihrer Mitte verläuft die sogenannte Militärische Demarkationslinie, kurz MDL, die politische Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Sie ist eine der am stärksten gesicherten Grenzen der Welt mit Wachtürmen, Stacheldraht, Minenfeldern und bewaffneten Soldaten auf beiden Seiten 😱
Zugleich ist sie unbeabsichtigt zu einem Naturschutzgebiet geworden. Da sie jahrzehntelang unzugänglich war, haben sich hier seltene Tiere wie Leoparden, Schwarzbären und Kraniche angesiedelt.
Die Tour beginnt im Imjingak Peace Park, kurz vor der zivilen Sperrzone. Zwischen Gedenktafeln, einer Dampflokomotive, die einst die Grenze überquerte, und der Freiheitsbrücke, über die 1953 Kriegsgefangene in ihre Heimat zurückkehrten, mischen sich mittlerweile Cafés und ein kleiner Freizeitpark.





Diese Mischung wirkt zunächst befremdlich, doch der Park ist mehr als nur ein touristischer Einstieg. Er zeigt, dass die Grenze im Alltag der Koreaner allgegenwärtig ist, gedenkt der Opfer, insbesondere der Familien, die nach dem Krieg getrennt wurden und steht für den Wunsch vieler nach Frieden und einem Ende der Teilung. Überall flattern bunte Stoffbänder, die Botschaften, Bitten und Hoffnungen tragen 🙏




Danach geht es über die Grenze in die DMZ. 2 junge Soldaten kontrollieren unsere Pässe. Aufgrund der ungelösten Konflikte mit Nordkorea gibt es auf beiden Seiten eine Wehrpflicht.
In Südkorea müssen alle männlichen Staatsbürger zwischen 18 und 28 Jahren für 18 bis 22 Monate je nach Einsatzgebiet den Dienst an der Waffe antreten. Ein kulturelles und gesellschaftlich schwieriges Thema, insbesondere für die jungen Südkoreaner.
Frauen dürfen freiwillig dienen, sind aber nicht verpflichtet. Seit 2019 gibt es eine Alternative: 3 Jahre Ersatzdienst in Gefängnissen oder Hafteinrichtungen 🇰🇷
Im Gegensatz dazu ist die Wehrpflicht in Nordkorea deutlich länger und strenger. Schon mit 17 Jahren müssen Männer in der Regel 10 Jahre und Frauen 3 bis 7 Jahre dienen. Nach dem aktiven Dienst ist es üblich bis zum Alter von 60 Jahren Reservist zu bleiben.
Die Wehrpflicht ist Teil eines umfassenden Militärsystems, das fast 5 Prozent der Bevölkerung in den Dienst zieht. Kein Wunder, dass Nordkoreas Militär mit etwa 1,3 Millionen Soldaten als eines der größten weltweit zählt im Verhältnis zur Anzahl der Bevölkerung 🇰🇵
Unser nächster Stopp ist das Dora Observatorium. Es liegt im südlichen Teil der DMZ. Durch Ferngläser werfen wir einen direkten Blick über die DMZ bis nach Nordkorea und sehen die Propagandastadt Kijong-dong, die Stadt Kaesong, die Statue von Kim Il-sung und landwirtschaftliche Kooperationshöfe. Fotografieren ist verboten, schließlich liegt zwischen den Ferngläsern und Nordkorea ein riesiges Militärgebiet 🪖




Die Stadt Kaesong ist nicht nur historisch bedeutsam, sondern spielte bis 2016 auch eine große wirtschaftliche Rolle für beide Länder. Sie liegt etwa 8 Kilometer nördlich der DMZ und war von 918 bis 1392 die Hauptstadt des mittelalterlichen Königreichs Goryeo, von dem der Name „Korea“ abgeleitet ist.
Sie verfügt über zahlreiche bedeutende historische Monumente und Stätten aus dieser Zeit, darunter dem ehemalige Königspalast, archäologischen Ruinen, ein gut erhaltene Stadtmauer mit Stadttoren, Schulen, ein Observatorium sowie königliche Gräber.
Diese Monumente sind als UNESCO Weltkulturerbe gelistet und spiegeln wichtige politische, kulturelle und spirituelle Werte der Goryeo Dynastie wider. Und das alles ist für die Südkoreaner unerreichbar 😬
Anfang der 2000er Jahren erhielt die Stadt eine neue wirtschaftliche Bedeutung. In Kaesong arbeiteten etwa 800 Südkoreaner mit rund 53.000 nordkoreanischen Arbeitern für mehr als 120 südkoreanische Unternehmen, die vor allem arbeitsintensive Produkte wie Textilien, Kleidung, Haushaltsgeräte und Autoteile herstellten. Sie war quasi die Brücke für die Zusammenarbeit zwischen Nord- und Südkorea.
2016, nachdem Nordkorea Atomwaffen testete, war Schluss. Die Südkoreaner kappten die Wasser- und Stromzufuhr. Nordkorea verlor eine wichtige Einnahmequelle. Etwa 100 Millionen US-Dollar spülten die kleinen und mittelständischen Unternehmen an Devisen aus Löhnen, Steuern und Lizenzgebühren ins Land.
Doch auch für Südkorea bedeutete das Ende der Zusammenarbeit schlechte Stimmung in der Wirtschaft. Zudem stellte es das bislang letzte gemeinsame Projekt beider Länder infrage 😠
Das wirkt alles total surreal und wie immer geht es letztendlich nur um Gier, Macht und Prinzipien, die keiner von uns versteht 😓
Als Nächstes geht es unter die Erde: Der Third Infiltration Tunnel wurde 1978 entdeckt. Er wurde von Nordkorea gegraben, um heimlich Truppen bis nach Seoul zu schicken. Der Tunnel ist rund 1,7 Kilometer lang, zwei Meter hoch und zwei Meter breit. Wir erhalten Schutzhelme, denn die Decke ist niedrig und der Weg steil 😳
Es ist ein bedrückender Ort. Feucht, eng, kalt. Fotografieren ist hier verboten, vielleicht ist das auch besser so, denn jeder Schritt erinnert daran, wie greifbar nah ein neuer Konflikt noch immer ist.
Auf dem Außengelände ist das Fotografieren erlaubt, so dass wir wenigstens ein paar Fotos mit nach Hause nehmen.




Anschließend besuchen wir noch die DMZ Exhibition Hall. Ein Film erklärt die Geschichte der Teilung, des Koreakriegs und der politischen Spannungen. Es geht um die 4 Tunnel, die Nordkorea baute, tausende Familien, die getrennt wurden, und natürlich um den Wunsch der Wiedervereinigung. Der Ton ist sachlich, die Wirkung jedoch tiefgreifend 😕
Bevor es zurück nach Seoul geht, halten wir noch im Unification Village, auch Daeseong-dong genannt. Das Dorf liegt auf der südkoreanischen Seite innerhalb der Demilitarisierten Zone. Die meisten der 138 Bewohner sind ältere Landwirte, die schon vor dem Koreakrieg hier lebten oder deren Nachfahren, die und nur die in das Dorf ziehen dürfen.
Die Bewohner haben einige Privilegien: Sie zahlen zum Beispiel keine Steuern und sind vom Wehrdienst befreit. Dafür gelten strikte Sicherheitsauflagen, zum Beispiel eine nächtliche Ausgangssperre. Bis vor einigen Jahren mussten sie auch alle eine Waffe im Haus haben und lernen damit umzugehen 😲


Nach dem Desaster mit den Bussen gestern, nutzt Mark das gute WLAN im Bus und kauft eine eSim von Saily. 10 GB für 30 Tage haben in Australien locker zum Navigieren und Streamen gereicht. Er lädt die Naver App runter. Schauen wir mal, ob es damit besser funktioniert ☺️
Gegen 14 Uhr sind wir zurück voller neuer Eindrücke, die nun mal zur Geschichte Koreas dazugehören. Wir werden an der U-Bahn-Station City Hall rausgeschmissen, wo sich in unmittelbarer Nähe eine Kirche, das Haupttor des Deoksugung Palastes und eben das neue, 70 Meter hohe Rathaus von Seoul mit gläserner Fassade und vertikalem Garten befinden 🙃🙂





Pünktlich zur Wachablösung, aber Pustekuchen … die fällt aufgrund der heißen Temperaturen aus. Schade, aber auch verständlich. Keiner von uns möchte bei dem Wetter den ganzen Tag in den engen traditionellen Gewändern herumstehen 😥
In Seoul ist irgendwie immer was los. Vor der City Hall bauen junge Südkoreaner gerade eine Outdoor Bibliothek auf. Sitzsäcke laden zum Verweilen ein, später scheint es an verschiedenen Stationen Bücher zu geben. Ein paar Verkaufsstände sind natürlich auch schon da. Ja, wir könnten mindestens noch eine Woche länger bleiben 😉





Wir machen uns auf zur Hongdae Street. Sie befindet sich im Viertel rund um die Hongik University, nach der es benannt ist. Hier steppt der Bär. Doch bevor wir uns ins Getümmel stürzen, gibt es erstmal eine Portion Tteokbokkie an einem der Straßenstände.





Ihr fragt Euch, was das ist? Was aussieht wie längliche Zylinder sind Tteok, Reisnudeln, die Streifen sind Eomuk, Fischkuchen, beides schwimmt in einer würzigen Sauce auf Basis von Gochujang, einer koreanischen Chilipaste 🌶️ Super gut für die Verdauung, wie das ganze Essen hier 🤭
Im Gegensatz dazu gibt zur Erfrischung hippe Teekreationen wie Mango-Coconut und Surpreme Triple Match in einer trendigen Location namens „Hey Tea“. Bestellt wird via App. Da alles frisch zubereitet wird, dauert es seine Zeit - für unsere Begriffe etwas zu lang, aber das Warten hat sich gelohnt 😋






Wir schlendern durch das trendige Viertel mit seiner vielseitigen Mischung aus Straßenmusik, lebendigen Kunstmärkten, Galerien, trendigen Cafés, Modestores und vor allen jungen Menschen. Es herrscht eine dynamische, kreative und künstlerische Atmosphäre, die sich auch in den Street Arts widerspiegelt.






Besonders fasziniert uns der CU Convenience Store, der in Hongdae als „Ramyun Library“, bekannt ist. Er gehört zu den absoluten Must-Do’s egal ob Fan von Instantnudeln oder nicht. Die riesige Wand mit über 200 verschiedene Sorten koreanischer und internationaler Instantnudeln ist grandios ☺️
Das Besondere an diesem Laden ist, dass Ihr die Nudeln dort nicht nur kaufen, sondern gleich auf speziellen, sogenannten Ramyun Herden zubereiten und an den lustigen Tische in Form von Ramyun Bechern genießen könnt. Da wir leider satt waren, haben wir nur eine Packung mitgenommen, natürlich eine die bei den K-Pop Stars beliebt ist, und freuen uns darauf, die authentische koreanische Ramyun Kultur irgendwann zu probieren 🤣


Wow, das müssen unsere Augen erstmal alles verarbeiten. Wie gut, dass wir als nächstes zum National Assembly fahren. Das imposante Gebäude, des koreanischen Parlaments ist klar und symmetrisch. Es wurde 1975 eröffnet und ist vor allem durch seine gigantische grüne Kuppel sofort erkennbar.
Der Spaziergang entlang der weiteren Gebäude des Regierungsviertels lohnt sich nicht nur architektonisch, sondern auch wegen des Parks drumherum. Eine grüne Oase mitten in Seoul.





Wir laufen vorbei an der Yoido Full Gospel Church, der mit etwa 480.000 Mitgliedern größten pfingstlichen Megakirche der Welt. Ich musste erstmal nachschauen, was das pfingstliche Christentum ist 🙄 Es betont wohl den Glauben an die Kraft des Heiligen Geistes stärker als andere Konfessionen.
Von hier aus spazieren wir etwa 15 Minuten zum Yeouido Hangang Park, der grünen Lunge der gleichnamigen Insel am Han Fluss. Zwischen Radwegen, Picknickwiesen und kleinen Streetfood Ständen genießen viele Familien hier ihren freien Tag - entspannt, lokal und wunderbar unaufgeregt 😌





Tatsächlich gibt es mehrere Stände, die alles fürs Picknick anbieten. Wir holen uns eine Portion frisch zubereitete Takoyaki, Teigkugeln gefüllt mit Oktopus, und schlendern weiter durch den knapp 150 Hektar großen Park.
Am Ende steht das goldfarbene Building 63. Mit seinen 249 Metern Höhe und 60 Stockwerken ist es eines der bekanntesten Wahrzeichen Seouls. Schon seit seiner Eröffnung im Jahr 1985 war es das höchste Gebäude Koreas und ist bis heute wegen seiner Aussicht beliebt.



Ganz oben befindet sich Sky Art, eine Kombination aus Aussichtsplattform und Kunstgalerie, in der moderne Installationen mit dem Panorama über Seoul verschmelzen. Wären wir mal vor Ort auf die Idee gekommen, einfach mal hochzufahren 🫣
Egal, wir haben so viel recherchiert im Vorfeld, da passiert es, dass das eine oder andere Detail verloren geht. Wer weiß, was wir noch alles verpasst haben. Und dennoch erleben wir genug.
Der Weg zum Noryangjin Fischmarkt gestaltet sich schwieriger als gedacht, zumindest zu Fuß. Auf allen Zufahrtsstraßen sind Fußgänger verboten 🚷 Irgendwann steigen wir etwas gefrustet in einen Bus, der dann natürlich auch erstmal weiter als nötig fährt.
Manchmal ist alles nicht so einfach. Doch der Fischmarkt entschädigt den Stress - frischer geht’s nicht! Wer Seoul wirklich erleben will, sollte den Noryangjin Fisheries Wholesale Market unbedingt besuchen.
Er wurde 1927 gegründet und ist einer der bedeutendsten in ganz Asien. Hier ist alles frisch und lebendig. Die meisten Fische und Meeresfrüchte stammen aus dem Gelben Meer, dem Ostmeer oder auch Japanisches Meer genannt, und natürlich aus den Gewässern um Jeju 🐟
Die Händler preisen ihre Krabben 🦀 an, die in verschiedenen Größen erhältlich sind. In weiteren Becken tummeln sich die beliebte Makrele, riesige Garnelen 🦐 und Hummer 🦞, diverse Muscheln und sogar lebender Oktopus 🐙






Wir fühlen uns wie im Aquarium, so eine Vielfalt an lebendigen Fischen in allen Größen und Farben haben wir noch nie gesehen. Besonders faszinierend finden wir die Plattfische wie die Flunder oder den Heilbutt. Letzterer wird besonders geschätzt und meisten als „Saengseonhoe“ Sashimi serviert. Und genau das gönnen wir uns 🥰




Wie der Zufall es will, kaufen wir direkt beim Verantwortlichen für die rund 700 Einzelhandelsgeschäfte ein. Neben einer guten Beratung und diversen Saucen bekommen wir auf die 50.000 WON noch 10 Prozent Rabatt. Jetzt aber ab nach Hause, sonst wird es kalt - ach ne, geht ja gar nicht 😂



Wer möchte, kann sich auch einen Fisch direkt am Stand aussuchen und ihn in einem der kleinen Restaurants im Obergeschoss zubereiten lassen. Aber Achtung: Es wird noch etwas für Teller, Besteck und den Service berechnet ✌️
Zurück geht es ganz schnell. Wir springen an der Station Noryangjin in die U-Bahn, steigen an der Seoul Station um und schauen noch schnell im Lotte Mart vorbei. Schließlich wollen wir das Sashimi nicht nur mit Wasser genießen 😜


Was für ein erlebnisreicher Tag an dem vor allem eins hängen bleibt: Wie nah Krieg und Frieden, Vergangenheit und Zukunft sowie Realität und Wunschdenken beieinanderliegen.