Die Nordinsel empfängt uns mit breiten Stränden und dem Tāwharanui Regional Park, einem Schutzgebiet für Kiwis, Takahe und Pāteke.

Der Wecker klingelt so früh wie schon lange nicht mehr. Bereits um 7:30 Uhr sitzen wir im Bus, um in der Nähe vom Flughafen unseren Mietwagen für die nächsten 3,5 Wochen abzuholen.

Ja, es geht wieder auf Tour - diesmal mit einem Mitsubishi ASX in Orange 🍊 Mark gewöhnt sich schnell ans Links fahren, wie gut, dass Australien noch nicht all zu lange her. Endlich wieder ein Auto und kein unnötiges Geschleppe mehr von Schuhen 👟 und Getränken 🍾 

Was liegt als erstes auf unserer Strecke? Natürlich ein Supermarkt! Beim Woolworths decken wir uns erstmal ein. Wir kaufen Obst und Gemüse, Käse, Dips, Saft, Cola und Wein. Die nächsten Wochen werden wir uns in erster Linie durch die Sauvignons Blancs und Chardonnays der Insel probieren 🤣

Das alles braucht seine Zeit, so dass wir Auckland quasi erst gegen 11 Uhr verlassen. Wie gut, dass es theoretisch nur 120 Kilometer bis zu unserer nächsten Unterkunft in Mangawhai Heads sind.

Kaum haben wir die Stadt verlassen, zeigt sich Neuseeland von der Seite, die wir so sehr lieben: grüne Hügel, verstreute Farmen, Kühe und Schafe auf den Weiden, Wälder - alles in satten Grüntönen und bei bestem Wetter ☀️

Nach etwa 40 Minuten erreichen wir den Orewa Beach an der Hibiscus Coast und frühstücken erstmal an einem der zahlreichen Picknicktische mit Blick auf den Pazifik. Es gibt die Reste von der leckeren Pizza. Neben den 2 Stücken hat der nette Barkeeper uns auch die übergebliebenen Ränder eingepackt, die wir nun dankbar in die so eben gekauften Dips tunken.

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Der Strand ist 3 Kilometer lang und da wir Ebbe haben super breit. Mark hatte eigentlich mal wieder vor zu baden, doch erstmal machen wir einen ausführlichen Spaziergang 🐚

Hier, nördlich von Auckland, beginnt das Neuseeland, das viele Kiwis die „Godzone“, übersetzt „Gottes eigenes Land“, nennen. Und die Kiwis, die Einwohner Neuseelands müssen es schließlich wissen. Sie leben in einem Land, dass mehr Schafe als Menschen hat, dafür keine Schlangen, aber mit Wäldern, die älter sind als jede Stadt. 

Die Mischung aus Māori sowie polynesischer und europäischer Kultur prägt selbst die kleinsten Orte, deren Namen oft eine besondere Bedeutung in der Sprache der Māoris haben. Dazu ein selbstverständliches „Kia ora“, was wir so ähnlich schon aus der Südsee kennen 🤗

Wer hätte gedacht, dass die neuen Flipflops so schnell zum Einsatz kommen 🩴 Um uns herum nur Möwen, die nach Krabben oder Austern picken. Auf der Sandbank hinterlassen wir für einige Sekunden unsere Fußspuren. Diese Stille um uns herum, einfach herrlich.

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Wir könnten stundenlang laufen, doch wir wollen, müssen weiter. Wir nehmen den State Highway 1, die Maut ist netterweise im Mietpreis enthalten, und kommen mit der Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde unserem Ziel ein gutes Stück näher. Zudem wird der Verkehr dünner und die Orte kleiner 😎

Hinter Matakana zweigt die Straße Richtung Tāwharanui Halbinsel ab und führt kurvenreich durch kleine, sattgrüne Täler. Zum Glück gibt es immer mal wieder eine Einfahrt zu einem Hof oder einer Weide, wo wir anhalten und den Blick schweifen lassen können 😊

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Das letzte Stück ist Off Road - Fenster zu und durch. Natürlich langsam, um nicht zu viel Staub aufzuwirbeln und die Kühe, Schafe und Vögel nicht all zu sehr zu erschrecken. Eine letzte Schranke und dann sind wir plötzlich mittendrin im Tāwharanui Regional Park. Mittlerweile ist es nach 14 Uhr.

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Wir parken das Auto und laufen den Hügel hoch. Dahinter erstreckt sich die Anchor Bay. Eingerahmt von den roten Klippen der Tāwharanui Halbinsel schimmert sie türkis in der Sonne. Doch auch die Landschaft ist faszinierend mit den vielen Bäumen, die sich gegen den Wind stemmen und den Vögeln, die lustige Geräusche von sich geben 🪶 

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Statt Badesachen entscheiden wir uns spontan für feste Schuhe 🥾 Denn hinter dem Strand beginnt der renaturierte Bereich des Parks, das Tāwharanui Open Sanctuary, was wir jetzt erstmal erkunden werden. 

Der Tāwharanui Regional Park liegt etwa 90 Minuten nördlich von Auckland und gilt in erster Linie als Vorzeigeprojekt für den Schutz der Vogelwelt in Neuseeland. Zum Beweis stolziert ein Australisches Purpurhuhn erhobenen Hauptes an uns vorbei 🙂

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Wo früher Schafe ausschließlich grasten, leben wieder Kiwis, Takahe und Pāteke, die auf der Nordinsel fast verschwunden waren 🇳🇿 Möglich macht das ein 2,5 Kilometer langer Zaun, der den Park seit 2004 von der übrigen Halbinsel trennt und damit die flugunfähigen Vögel vor Raubtieren schützt. Dahinter beginnt das, was die Neuseeländer ein Mainland Island Sanctuary nennen: ein Stück ursprüngliches Neuseeland, offen für Besucher, aber streng geschützt 🙏

Der Name Tāwharanui stammt aus der Sprache der Māori. Er beschreibt die essbaren Blütenblätter der Kiekie, eine Liane, die überall wächst und Symbol für den Reichtum der Natur an Land und im Meer ist.

Schon im 14. Jahrhundert siedelten sich Māori auf der Halbinsel an, sammelten Beeren, Kiekie und Harakeke, Neuseeländischen Flachs. Später kamen europäische Farmer, Holzfäller und Ziegelbrenner dazu. Erst 1973 wurde das Land zum Regionalpark erklärt 🙃🙂

Von der Anchor Bay führt ein Pfad direkt in das Schutzgebiet hinein, der Ecology Trail. Er ist rund 3,5 Kilometer lang, gehört zu den schönsten und vielseitigsten Rundwegen des Parks, ist leicht begehbar, aber mit stetigem Wechsel zwischen offenen Wiesen, Farnwald und kleinen Steigungen.

Bevor wir den Wald betreten, reinigen wir unsere Schuhe an einer Hygienestation. Das ist Pflicht, um die Kauri Bäume vor der tödlichen Dieback Krankheit zu schützen, die durch einen Pilz verursacht wird 🦠

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Die mächtigen Kauris zählen zu den ältesten Baumarten der Erde. Ihre glatten, grauen Stämme ragen in den Himmel, bevor sich in schwindelnder Höhe die Krone öffnet.

Für die Māori sind die „Väter des Waldes“ ein Symbol für Stärke, Geduld und spirituelle Verbundenheit. Schon etwas verschmutzte Erde an der Schuhsohle kann ihr Wurzelwerk infizieren, deshalb ist der Schutz mehr als eine Formalität, er ist ein Zeichen des Respekts gegenüber der Natur 🌳 

Es riecht es nach Farn und Erde. im Unterholz ruft der Tūī mit seinem metallisch klingenden Gesang nach uns oder lacht er uns aus 🤔 Zudem entdecken wir eine Maorifruchttaube hoch oben in den Bäumen. Die Kiwis, die zwischen den Schatten des dichten Buschs angesiedelt wurden, sind leider sehr scheu und zeigen sich meist nur in der Dämmerung. 

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Im Tāwharanui Regional Park wurden auch Takahe ausgewildert, große, flugunfähige Vögel mit blauschwarzem Gefieder. Sie sind ein Symbol für den Erfolg der Schutzmaßnahmen und zieren das Logo von TOSSI, der Freiwilligenorganisation, die das Sanctuary gemeinsam mit dem Auckland Council betreut. Ohne das Engagement von TOSSI und seinen Partnern gäbe es diese Rückkehr seltener Arten nicht.

2 Stunden später sind wir zurück am Anchor Beach und endlich geht’s ins Wasser. Mark tobt sich in den kräftigen Wellen aus, während ich den Sand zwischen meinen Zehen genieße und ein bisschen Blog schreibe. Die Landschaft während der Autofahrt war einfach zu schön.

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Unfassbar, wie lange Mark es im Wasser aushält. Mir wäre das nach wie vor viel zu kalt. Die Möwen hingegen sind ganz auf Marks Seite. Auch sie vergnügen sich längere Zeit in den Pfützen, die das Meer während der Ebbe gebildet hat, während die Neuseeländischen Austernfischer sie skeptisch beobachten.

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Was für eine beeindruckende Natur. Darauf könnt Ihr Euch die nächsten Wochen freuen, versprochen. Vor uns liegen immer noch 60 Kilometer, weswegen der Stopp an der Mathesons Bay aufgrund der fortgeschrittenen Zeit leider ausfallen muss. Das wird uns noch öfter passieren. Denn wie sagt Mark immer so schön: „Ich war noch nicht hier, keine Ahnung, wo wir wie lange brauchen oder die Wege beschaffen sind.“ ☺️

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Am frühen Abend erreichen wir Mangawhai beziehungsweise Mangawhai Heads. Unsere Gastgeberin empfängt uns mit offenen Armen. Es ist wirklich unglaublich, wie interessiert die Neuseeländer sind. Sie zeigt uns alles und erzählt nebenbei, wie sie und ihr Mann zu diesem Haus gekommen sind. 

Da wir nur eine Nacht bleiben, packen wir gar nicht groß aus, sondern machen es uns gleich auf der Terrasse bequem. Das frisch gebackene Sauerteigbrot riecht lecker. Warum damit bis zum Frühstück warten, wenn wir Dips und gesalzene Butter im Gepäck haben. Dazu einen der Weine und der Abend ist perfekt 👌

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Herzlich willkommen in Northland, wo wir die nächsten 6 Tage bleiben!