Wir sind nun mittendrin im „wahren Norden“ oder „The North“, wie die Neuseeländer die Gegend nennen.

Ein kurzer Abstecher führt uns nach Mangonui. Das historische Fischerdorf liegt an der Doubtless Bay, war einst Walfanghafen und später Umschlagplatz für Kauri-Holz. Die alten viktorianischen Häuser sind gut erhalten und liebevoll gepflegt 🏠 

Uns zieht es zum Mangonui Fish Shop & Takeaways, der direkt auf Stelzen am Meer steht. Hier gibt es fangfrischen Fisch, direkt vom Boot. Wir nehmen etwas Räucherfisch mit.

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Danach fahren wir weiter Richtung Karikari, eine Halbinsel im Nordosten. Unser Ziel ist der Maitai Beach. Der hat weder was mit Rum noch mit Orange oder Ananas zu tun 😂 Der abgelegene Strand aus feinem, hellem Sand ist einfach nur schön.

Er liegt direkt an einem sogenannten Unpowered Site Campingplatz, das heißt einem Campingplatz wo es keinen Strom gibt, dafür ganz viel Natur. Wir werden sogar von ein paar Schweinen begrüßen, die gemütlich wie Schafe grasen 🐖

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Ein wirklich schöner Platz mit direktem Zugang zur Bucht in Form eines Halbmonds und eingerahmt von Pohutukawa Bäumen, die im Sommer leuchtend rot blühen. Mark wollte eigentlich ins Wasser, aber der frische Wind macht ihm einen Strich durch die Rechnung 💨

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Wir probieren es stattdessen am Merita Beach, aber nicht ohne die Aussicht vom Hügel zwischen den beiden Buchten zu genießen. Wir erfreuen uns immer wieder an den Manuka Sträuchern - ja genau, aus dessen weißen oder rosa Blüten der bekannte Honig entsteht - und dem Neuseeländischen Flachs, der meterhoch in den Himmel ragt.

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In der Waikato Bay fließt ein kleiner Bach zum Strand, den die Einheimischen auch „Cola Creek“ nennen. Sein Wasser ist tiefbraun gefärbt, nicht etwa durch Schmutz, sondern durch Huminstoffe aus den umliegenden Kauri- und Manukawäldern 🌳

Es überrascht Euch vielleicht zu hören, aber tatsächlich gibt es die sogenannte Südseemyrte, die botanische Bezeichnung für Manuka, als Sträucher sowie Bäume. Das wirklich Interessante ist aber, dass der MGO, also das Methylglyoxal, der essenzielle Bestandteil des Honigs mit positiver Wirkung gar nicht in der Manuka Pflanze selbst vorkommt. 

MGO entsteht erst in der Bienenwabe, die mit dem Manuka Nektar und Blütenstaub gefüllt. Das heißt, die Bienen selbst produzieren das Wundermittel, dessen Gehalt auch den Preis des Honigs bestimmt - je mehr MGO, desto teurer 💰

Beide Buchten sind menschenleer. Das Wasser ist klar und türkis und sieht verführerisch aus. Doch Mark bleibt vernünftig und springt nicht bei diesem auffrischenden Wind rein. Schließlich wollen wir nicht auf den letzten Metern noch eine Erkältung riskieren 🤧

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Stattdessen werfen wir vom Ufer aus einen Blick auf den Berg Paraawanui, der sich grün über dem Wasser erhebt. Das ist es, was uns an Neuseeland so fasziniert, diese grünen Hügel auf Farm-, Weide- oder Buschland oder eben dem Mix aus allem 😊

Schlussendlich geht Mark doch noch Baden. Denn keine 2 Kilometer entfernt liegt die Karikari Bay. Vom Parkplatz verläuft ein Pfad durch die unberührte Dünenlandschaft direkt bis zum gleichnamigen Strand 🏖️

Hier ist es fast windstill, demnach perfekt zum Baden. Hätten wir die Zeit und kein Auto dabei, könnten wir die 10 Kilometer bis zu unserer Unterkunft, dem WanderInn, mehr oder weniger laufen. Zumindest wenn der Weg am Strand entlang um den 132 Meter hohen Berg Pūwheke herumführt.

Mark ist voll in seinem Element. Plötzlich überkommt es ihn, inspiriert von den kleinen Kindern der letzten Tage, legt er sich nass, wie er ist in den feinen Sand und macht einen Schnee … äh Sandengel 🤣 

Das sind sie, diese einfachen Momente, die uns zum Lachen bringen und die wir noch lange in Erinnerung behalten werden - einfach schön 🥰

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Am Abend gibt es Fisch mit Gnocchi und Salat. Dazu einen der Weine, den Grauburger. Gut, aber tatsächlich nicht so ausgewogen wie der Sauvignon Blanc oder Sav, wie die Einheimischen ihn auf den Cookinseln schon genannt haben.

Es ist mal wieder Zeit für unseren Blog - oh ha, wir sind ganz schön im Rückstand 🫣

Der Tag beginnt früh. Unser Ziel ist Cape Reinga, der nördlichste Punkt Neuseelands, circa 135 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt. In Awanui tanken wir erstmal und ich hole mir noch einen Cappuccino- ohne Schokolade on Top.

Dabei stellen wir fest, dass scheinbar Bikertreffen ist. Überall sehen wir Männer und Frauen in Motorradklamotten, die gemütlich mit einem Kaffee an ihrer Harley lehnen. Wir sind gespannt, ob die auch alle zum Kap wollen 🏍️

Einige ja, andere nein, zumindest ist die Straße erstaunlich ruhig und fast leer. Sie windet sich durch sanfte Hügel, vorbei an subtropischen Wälder, so wie es sich fürs Northland gehört.

Nach fast 2 Stunden sind wir ganz im Norden vom Norden angekommen. Am Ende des gut begehbaren Weges taucht der weiße Leuchtturm auf: klein, schlicht und 1941 erbaut💡

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Für die Māori ist dieser Ort heilig. Sie nennen ihn Te Rerenga Wairua: „Ort, an dem die Seelen in die Unterwelt hinabsteigen“. Denn ihr Glaube besagt, dass die Geister der Verstorbenen hier das Land über die Wurzeln eines uralten Pohutukawa Baums verlassen, der vom Wind gepeitscht an der Klippe steht und über 800 Jahre alt ist 🪾 

Was für ein Anblick: Zwei Meere, der Pazifik und die Tasmansee, deren Strömungen gegeneinanderlaufen. In der Mitte brechen sich die Wellen, als würde das Wasser tief Luft holen. Dazu dieser typische Geruch von Salz, die Sonne wärmt uns - und da ist es, dieses Gefühl von Freiheit 🙂🙃

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Die Gegend um die Doubtless Bay und Cape Reinga gilt als Wiege vieler Legenden rund um die Māori. Sie kamen einst als erste polynesische Siedler an Land und das lange bevor James Cook 1769 die Küste kartierte und die Bucht nach seinem berühmten Logbucheintrag „Doubtless a Bay“ benannte.

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Weil es so schön ist und sich auch die Sonne gerade zeigt, laufen wir noch ein Stück den Ara Hīkoi Walking Track entlang, der in knapp 2 Kilometer zum Te Werahi Beach führt. Nur bis zum ersten Aussichtspunkt mit Blick auf den von oben endlos wirkenden Strand. Bis hinunter wären es gute 200 Höhenmeter, die ersparen wir uns lieber ☀️ 

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Stattdessen macht sich ein kleines Hüngerchen bemerkbar. Da wir die heilige Stätte der Māori, wo Essen und Trinken verboten ist, respektieren, fahren wir weiter zur Tapotupotu Bay und picknicken in der halbmondförmige Bucht mit feinem Sand und klarem Wasser.

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Das Wetter macht uns ganz irre. Schon den ganzen Tag spielt der Mix aus Sonne und Wolken etwas verrückt. In einem Moment brennt die Sonne, im nächsten kübelt es aus Eimern. Bisher hatten wir Glück und sind trockenen Fußes von A nach B gekommen, zumindest wenn wir uns nicht im Auto aufgehalten haben 🙏 

Aber das Sandboarden in den Te Paki Sanddünen muss wohl ausfallen, dass macht wenig Sinn, oder 🤔 Wir fahren dennoch hin. Der Anblick ist spektakulär: Hügel bis zu 150 Meter hoch, geformt aus Millionen Tonnen feinem Quarzsand, der vom Wind über Jahrtausende vom Meer hierher verweht wurde - was für ein Wunder der Natur.

Unter dem Einfluss von Wind und Wetter wandern die Te Paki Sanddünen jedes Jahr ein Stück weiter nach Osten. Lediglich Spinifex Gras ist überlebensfähig und schafft es, sich mit seinen langen Wurzeln festzuhalten und feine Muster in den endlosen heißen Sand zu zeichnen ⏳

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Früher nutzten die Māori diese Gegend als Durchgangsroute zum Fischen und Jagen. Wir sehen einige, die sich Bretter ausgeliehen haben. Ja, sie rutschen die Hänge hinunter, aber bei weitem nicht so schnell, wie Mark es aus Namibia im Kopf hat. Dafür ist der Sand zu nass.

Deswegen verzichten wir auf den Spaß und beschließen, dass wir nochmals zusammen nach Afrika müssen 😉 Auch ohne Sandboarden sind die Dünen einen Besuch wert. Wir könnten stundenlang eine nach der anderen erklimmen und wie kleine Kinder im Sand herumtollen.

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Doch so langsam neigt sich der Tage dem Ende zu und wir wollen noch am 90 Mile Beach halten, der sich über 90 Kilometer von Te Neke bis zum Ahipara entlang der Küste im Westen des Nordens zieht.

Der Strand war in den 1930er Jahren Landebahn für Postflugzeuge. Kein Wunder, so breit wie er insbesondere bei Ebbe ist. Er gleicht locker einer 8-spurigen Autobahn - zum Glück ohne viel Verkehr 👌

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Wir laufen barfuß am Wasser entlang, das Licht wird weicher, und für einen Augenblick scheint die Welt stillzustehen. Mark lässt es sich es sich natürlich nicht nehmen, die Klamotten abzulegen und ins Wasser zu gehen. Mir ist das immer noch zu frisch 🥶

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Ich schaue derweil einer Möwe zu, wie sie sich an einem toten Fisch zu schaffen macht. Das Witzige, ihr Hunger ist größer als die Angst vor mir. Immer wenn ich mich nähere, hüpft sie zwar ein paar Meter weg und dreht mir den Rücken zu. So bald ich mich aber ruhig verhalte, kommt sie wieder zurück zu ihrer Beute 😅

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Wahnsinn, wie sich die Wolken im seichten Wasser spiegeln. Wunderschön, insbesondere mit Wolken am blauem Himmel und Sonnenschein. Der beste Voraussetzungen, um Springefotos zu machen. 1, 2, 3 … nochmal … 1, 2, 3 … perfekt 👌

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Kurz vor der Unterkunft werden wir von der Polizei gestoppt. Für einen kurzen Moment rutscht uns das Herz in die Hose. Tatsächlich ist es eine Alkoholkontrolle, keine klassische Verkehrskontrolle. Führerschein oder Papiere interessieren die Polizisten nicht. Mark muss nur „pusten“ beziehungsweise bis 5 zählen. Dem folgt ein freundliches Nicken, alles gut - herzlich willkommen in Neuseeland 🇳🇿 

Zurück im WanderInn grillt Mark. Es gibt Lamm mit Süßkartoffeln und Spargel. Dazu gesalzene Butter und den restlichen Wein - sehr, sehr gut 👍

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Es war eine so gute Idee von Mark, den Norden des Nordens zu erkunden, der komplett abseits von der klassischen Tourismusroute liegt, aber eben wunderschön ist.