Die Hauptstadt von Neuseeland ist gleichzeitig die windigste Stadt der Welt - und die mit den meisten Cafés und Buchläden.

Bereits in Napier wurden wir vorgewarnt, das uns Wellington sicherlich mit noch viel mehr Wind begrüßen wird. Und so ist es auch, „Windy Welly“ macht seinem Spitznamen alle Ehre 🫨  

Mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von rund 26 Kilometern pro Stunde pfeift der Wind durch die Stadt. Teilweise werden sogar Böen über 60 Kilometern pro Stunde gemessen. Da hilft nur Augen zu und durch 💨 

Grund ist die geografischen Lage. Wellington liegt genau in der Engstelle der Cook Strait, die wie eine natürliche Düse wirkt und die Luftströmungen zwischen Nord- und Südinsel beschleunigt. 

Da wir etwas außerhalb wohnen und die Parkgebühren nicht ohne sind, fahren wir mit dem Bus in die Stadt. Wir steigen an der Wellington Station aus und laufen direkt ins Regierungsviertel 🇳🇿

Wo ist denn die Sonne nur schon wieder hin? Gerade Städte wirken doch mit blauem Himmel viel viel ansehnlicher oder hättet Ihr Euch das Ensemble aus The Beehive, Sitz des Premierministers sowie architektonisches Wahrzeichen der Stadt und bekanntestes Gebäude Neuseelands, das klassische Parlament und die viktorianische Bibliothek so vorgestellt? 🤔

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Oder passt der graue Himmel zu Wellington als politisches Zentrum des Landes und die südlichste Hauptstadt eines souveränen Staates? Wir drücken einfach mal die Daumen, dass es noch besser wird und begeben uns mitten ins Getümmel von The Terrace, dem Zentrum von Wirtschaft und Bildung.

Die Straße ist über 1,5 Kilometer lang und gehört zu den ältesten der Stadt. Scheinbar ist gerade Mittagspause, überall stehen Menschen in der Schlage und warten. Zum Glück reiht sich ein Café ans Nächste. Kein Wunder, Kaffee gehört in Wellington zur DNA. Der Flat White wurde hier quasi erfunden 🤭

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Wir frühstücken im Robbiez und ja, auch ich verstehe, warum Wellington mehr Cafés pro Kopf hat als New York, der Kaffee ist wirklich gut, auch wenn der Flat White nicht zu meinen Favoriten gehört 🤫

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Wir nehmen den Fahrstuhl runter zum Lambton Quay, wo die berühmte Cable Car startet. Seit 1902 verbindet sie die Innenstadt mit dem etwa 120 Meter höher gelegenen Wohngebiet Kelburn und dem Botanischen Garten. Anfänglich wurde der Hybrid aus einer klassischen Kabel- und einer Standseilbahn mit Dampf angetrieben. Gute 30 Jahre später erfolgte die Umstellung auf elektrisch ⚡️

Die Fahrt dauert keine 5 Minuten ist aber dennoch sehr beliebt aufgrund der steilen Steigung, mehrerer Tunnel und Viadukten entlang der 610 Meter langen Strecke. Oben angekommen, reißt die Wolkendecke auf und wir blicken auf die Stadt im Sonnenlicht ☀️

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Das kleine Cable Car Museum ist überschaubar, aber charmant. Wir bewundern den alten Wagen und die Fotos von damals. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel technisches Detail und Know how in solch einer Konstruktion steckt - Nostalgie pur.

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Durch den Botanischen Garten schlendern wir zurück in Richtung Stadt. Der Park ist riesig und überraschend ruhig mit seinen verschlungenen Wegen entlang alter Bäume, Gewächshäuser und einer der größten Ansammlung an Dahlien in der südlichen Hemisphäre.

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Er wurde bereits 1868 gegründet, was das Alter der Bäume erklärt. Natürlich darf auch ein Ententeich nicht fehlen. Besonders süß sind die kleinen Küken, die erst vor kurzem das Licht der Welt entdeckt haben und noch etwas unsicher auf den Beinen sind 🐥

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Es die Mischung, die uns fasziniert. Neben der sogenannten Norfolk- oder Zimmertanne , die ursprünglich von der Norfolkinsel im Südpazifik stammt und weit verbreitet ist, wachsen im Botanischen Garten auch Eukalyptusbäume, die erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in eingeführt und etabliert wurden 🙃🙂

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Der Park ist super schön angelegt, mal etwas wilder, mal total strukturiert, so wie auch der Rosengarten. Die mehrfarbigen und in sich gefüllten Rosen sind ein echter Hingucker. Wir können uns an diesem Blütenmeer kaum satt sehen 🥰

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Kurz dahinter erstreckt sich der Bolton Street Friedhof, der älteste Friedhof der Stadt. Die Grabsteine zeigen, dass er im 19. Jahrhundert angelegt wurde. Ursprünglich war er in getrennte Bereiche für Anglikaner, Juden und Katholiken unterteilt und beherbergt viele Pioniere und prominente Persönlichkeiten der frühen Kolonialzeit, darunter auch William Wakefield, den Gründer von Wellington 🪦

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Keine Ahnung, wer das beschlossen hat, aber seit den 1960er Jahren führt die Stadtautobahn mitten durch. Für den Bau mussten mehr als 3.700 Gräber umgesetzt und dokumentiert werden, ein jahrelanges archäologisches Großprojekt verbunden mit vielen Protesten 🪧

Plötzlich stehen wir wieder im Lambton Quay, der Haupteinkaufsstraße in der dichten Innenstadt. Hier reihen sich historische Fassaden an moderne Gebäude. Alles wirkt deutlich urbaner, wovon rund um die Cable Car Station und den Botanischen Garten kein Spur zu sehen war 🫆

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Von dort geht’s weiter zur die Waterfront, ein gelungenes Beispiel wie Wellington die Nähe zum Wasser nutzt. Im Foxglove gönnen wir uns einen Spritz mit Kokos und Ananas, der sich wie Sommer anfühlt. Um uns herum wieder zahlreiche Menschen, die sich auf ein Glass nach der Arbeit treffen und das Wochenende einläuten - richtig so 😎

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Da die Sonne gerade scheint, darf ein Eis an der Uferpromenade nicht fehlen. Wie immer 3 Kugel, alles andere macht keinen Sinn. Die Uferpromenade säumen Skulpturen und Kunstwerken wie zum Beispiel die Fruits of the Garden: vier bronzene Figuren, die fast so wirken, als würden sie gerade erst aus dem Meer steigen.

Kurz dahinter werfen wir einen Blick auf das Star Boating Club Building, eines der ältesten Gebäude am Hafen. Es ist komplett aus Holz und ein toller Kontrast zu den modernen Glasfassaden, die hinter der Skulptur anlässlich des Rugby World Cups thronen 🏉

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Vorbei am Te Aho a Māui, einer abstrakten Stahlform, die an die mythische Leine erinnern soll, mit der Māui die Nordinsel „aus dem Meer gezogen“ hat, zieht es uns fast wie von Geisterhand zum Solace in the Wind. Der nackte Mann lehnt sich in die Böe, als würde er dem Wind einfach vertrauen, anders geht’s wohl nicht in Wellington 👌

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Zu den offensichtlichen Kunstwerken gesellen sich noch über 20 Zitate berühmter neuseeländischer Autoren mit Bezug zu Wellington eingelassen in Bodenplatten oder Holzbohlen auf dem sogenannten Writers Walk. Schön gemacht, aber leicht zu übersehen.

Direkt am Yachthafen liegt auch das Nationalmuseum Te Papa, eines der modernsten und interaktivsten Museen des Landes. Für Einheimische ist der Eintritt kostenlos. Wir genießen lieber das schöne Wetter, machen noch ein Foto vom Te Aro Park, bevor wir in die Leads Street abbiegen und dann zur Cuba Street laufen 😃

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Das Viertel ist das kreative und pulsierende Herz der Stadt mit ihrer Street Art, den Secondhand Läden, den Bars und Cafés sowie der Bucket Fountain, die planlos Wasser verspritzt und Kultstatus hat. Die Straße hat nichts mit der Insel Cuba zu tun, sondern ist nach jenem Schiff benannt, das 1840 die ersten Siedler nach Wellington brachte.

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So langsam neigt sich der Tag dem Ende zu und wir nehmen den Bus zurück zu unserer Unterkunft. Von der Haltestelle sind es noch gute 15 Minuten steil bergauf. So manches Haus in der Straße täte uns gefallen 🙃

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Oben angekommen wartet das restliche Brot und der leckere Käse auf uns. Eine Flasche Wein ist auch noch da, perfekt, um den Abend auf der Terrasse mit Blick aufs Meer ausklingen zu lassen 😊