Kaikōura ist der Inbegriff für Neuseelands wilde Meeresküste. Nirgendwo sonst lassen sich Wale, Delfine und Fellrobben so zuverlässig beobachten.

Sobald wir Gore Bay und Cheviot hinter uns lassen, führt der Highway direkt am Meer entlang. Der Oura Beach sieht nicht so einladend aus, so dass wir einfach weiterfahren. 

Die Küste mit schwarzen Kiesstränden, kräftigem Wellengang und ein paar Treibholzstämmen ist Teil des „Alpine Pacific Triangle“, einer beliebte Route zwischen Christchurch, Kaikōura und Hanmer Springs. Zum Glück ist noch Nebensaison, so dass es überall noch sehr entspannt ist 😎

Kurze Zeit später halten wir dann doch spontan - irgendwo an der Küste kurz vor Kaikōura. Mark holt Tisch und Stühle raus, ich plündere derweil unseren Kühlschrank und dann frühstücken wir erstmal ganz in Ruhe direkt am Meer. Genau wegen dieser Momente sind wir mit den Camper unterwegs und lieben es 😌

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Irgendwann stellen wir fest, dass wir nicht allein sind. Und damit meine ich nicht die Möwen, die hoffen etwas von unserem Brot abzubekommen. Nein, rund um die Felsen tummeln sich ein paar Fellrobben. Einige planschen im Wasser, andere liegen faul in der Sonne.

Schon jetzt ist klar, Kaikōura ist definitiv ein guter Ort für die nächsten 2 Tage. Das kleine Städtchen liegt eingebettet zwischen dem Pazifik und den Kaikōura Ranges im Norden der Ostküste, etwa 2,5 Stunden von Christchurch entfernt. Die Mãori sagen, Kaikōura ist der Ort, wo die Berge das Meer berühren und genau so ist es.

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Direkt am Stadtrand steht das Fyffe House, das älteste Gebäude weit und breit. So unscheinbar wie es von außen wirkt, desto schräger ist seine Geschichte: Die Gründungspfähle bestehen aus echten Walknochen und ursprünglich wurde es als Walfangstation errichtet 😱

Da der Parkplatz am Point Kean bereits gut gefüllt ist und ich Bedenken wegen der letzten Parklücke hatte, in der jetzt übrigens ein anderer Camper steht, laufen wir die gut 1,5 Kilometer bis zum Start des Peninsula Walkways. Auf dem Weg entdecken wir eine Elsterscharbe, in Neuseeland auch bekannt als Kāruhiruhi. Ich hatte gehofft, es sei ein Pinguin 🥲

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Kaum sind wir angekommen, entdecken wir die ersten Fellrobben, die sich so wenig für uns interessieren, das wir ihnen recht dicht auf die Pelle rücken können. Einige scheinen zu schlafen, zumindest so halb, denn ab und an blinzeln sie mal und schauen, ob wir ausreichend Abstand halten 👀

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10 Meter werden empfohlen. Auch wenn sie aussehen, als würden sie keine 5 Meter schaffen, Fellrobben können an Land überraschend schnell werden, insbesondere wenn sie sich bedroht fühlen oder wie diese Junge in der Nähe haben 😬 

Wir spazieren unterhalb der Steilküste entlang, wo uns direkt vor Augen geführt wird, warum Kaikōura so besonders ist. Die Ausläufer der Bergkette enden fast direkt im Meer. Kein Wunder, dass die Küste so felsig ist. Dazu kommen Erdbeben wie das 2016, die immer wieder Geröll in Richtung Meer spülen.

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Zwischen den Felsen und auf den Klippen rund um Kaikōura nisten Möwen und andere Küstenvögel wie Tölpel, Sturmschwalben und Albatrosse. Besonders bekannt sind hier der Wanderalbatros und der Südliche Königsalbatros, die mit ihrer enormen Flügelspannweite beeindrucken 🪺 

Die Brutzeit beginnt im späten Frühling, also ab November, und erstreckt sich je nach Art bis April. Bis die ersten Küken schlüpfen dauert es etwa 2 bis 3 Monate. Jetzt im Dezember sehen wir nur die ersten Nester und Möwen, die sich paaren 😂

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Der Name „Kaikōura“ bedeutet übrigens „Languste essen“ und verweist auf eine lange Tradition des Fischfangs der Mãori 🦞 Grund dafür ist der Kaikōura Canyon: Das nährstoffreiche Wasser spült große Fischschwärme, aber auch riesige Tintenfische direkt an die Küste - sehr beliebt bei Walen, Delfinen und Robben.

Auch zwischen und hinter den geschützen Nistplätzen tauchen immer wieder Fellrobben auf. Sie leben in großen Kolonien zusammen. Da kann es auch mal laut werden, insbesondere wenn sie um den besten Platz für ein Sonnenbad streiten, die jungen Robben stiften gehen oder sich Nachwuchs ankündigt, dann verteidigen die Männchen ihre Reviere lautstark gegen Rivalen 🦭

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Fasziniert beobachten wir die geselligen Tiere beim Dösen in der Sonne, beim Füttern der Kleinsten oder beim Spielen im Wasser. Fellrobben sind übrigens sehr geschickte Schwimmer. Sie jagen nachts im offenen Meer bis zu 200 Meter tief nach Fischen, Tintenfischen und kleinen Krebstieren, wobei ihre dichtes Fell sie vor der Kälte des Wassers schützt 🦑 

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Auf dem Rückweg zum Camper legen wir noch einen kurzen Stop bei Seafood BBQ ein. Kaikōura ist berühmt für frische Langusten, die wie hier direkt an der Küste serviert werden. Wir nehmen einen Crayfishfritter, eine Art Omelett mit Languste, und eine Portion Jakobsmuscheln - super frisch und lecker. Hinterher gibt es noch 2 Kugeln Sorbet: Pflaume und Feijoa oder auch Ananas-Guave 👌

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Nachmittags checken wir dann im Alpine-Pacific Holiday Park ein. Der Campingplatz ist wie erwartet super gepflegt, die Küche geräumig und es gibt sogar 2 Hot Tubs und einen Pool. Ihr könnt Euch denken, wo Ihr uns findet, oder? Genau, wir entspannen erstmal im warmen Wasser 🙃🙂

Später kochen wir. Zu Marks großer Freude gibt es Meatballs - kleine Hackbällchen, Klopse, Bouletten oder Frikadellen - und bunte Fettuccini, dazu grünen Salat und Weißwein, diesmal einen Grauburger. So langsam haben wir uns durchprobiert und wissen, was uns schmeckt 😅 

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Wir lassen den Abend im Camper gemütlich bei cooler Radiomuke aus den 1980er ausklingen. Irgendwann kuscheln wir uns dann ins Bett, denn wenn die Sonne untergegangen ist, ist es schon noch frisch 🧦

Wieder starten wir recht gemütlich in den Tag. Mark kredenzt mir einen Dirty Chai und gegen 9:30 Uhr fahren wir zum Kaikōura Airport. Nach einer kurzen Einführung, was uns erwartet, und ein paar Worten zur Sicherheit hebt unser Rundflug mit Wings Over Whales ab🪁

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Die GippsAero GA-8 Maschine ist für 8 Personen ausgelegt. Wir sind inklusive Pilotin nur zu 6, aber auch sonst hätte jeder einen Fensterplatz. Schon  nach wenigen Minuten sind wir über dem Pazifik und der Blick von oben ist einfach irre 😲

Die schwarze Küstenlinie und das tiefblaue Meer, was für ein Kontrast. Eigentlich hätten wir erwartet, jetzt erstmal ein wenig zu fliegen, aber tatsächlich taucht fast direkt nach dem Start ein Pottwal an der Oberfläche auf. Selbst die Pilotin kann es kaum fassen. So nah an die Küste kommen sie selten ☺️

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Kaikōura ist einer der wenigen Orte weltweit, wo Ihr Pottwale das ganze Jahr über beobachten könnt. Grund dafür ist, wie schon geschrieben, der bis zu 1.200 Meter tiefe und 60 Kilometer lange Kaikōura Canyon, einer der bedeutendsten Meeresgräben in Neuseeland. 

Pottwale sind die größten Zahnwale der Welt und können bis zu 20 Meter lang werden. Von oben wirkt der Körper fast unnatürlich lang. Viele der Tiere sind quasi Stammgäste, da sie dauerhaft in der Region jagen. Wir passen genau den Moment ab, wie sie 5 bis 15 Minuten an der Oberfläche ruhen, bevor sie wieder bis zu 3.000 Meter abtauchen, um Tintenfische und Fische zu jagen 🐳 

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Jetzt fragt Ihr Euch bestimmt, wie lassen sich Pottwale denn voneinander unterscheiden. Tatsächlich nutzt jeder Wal individuelle Klicklaute zur Echoortung, um ihre Beute in der Dunkelheit der Tiefsee zu erspähen, und um mit ihren Artgenossen zu kommunizieren. Das Geräusch verursacht bis zu 240 Dezibel unter Wasser, womit es das lauteste biologische Geräusch der Welt ist 🎧 

Das Kuriose: In den kühleren und nährstoffreichen Tiefen vor Kaikōura halten sich ausschließlich männliche Pottwale auf. Die Weibchen und Jungtiere bevorzugen wärmere Gewässer.

Wir kreisen in der Luft, erst rechts herum, dann links herum, damit auch jeder in den Genuss dieses beeindruckenden Tieres kommt. Irgendwann streckt er seine Fluke senkrecht nach oben, womit klar ist, die nächsten 60 bis 90 Minuten ist er nicht mehr zu sehen - was für ein Naturschauspiel 🥰

Kurze Zeit später signalisiert Mark mir, er braucht eine Tablette. Erst realisiere ich es nicht, da er ja schon gedopt ist. Dann ist klar, er braucht die gegen akute Übelkeit und Schwindel. Bitte, bitte falle jetzt nicht in Ohnmacht 🙏 

Aber er ist tapfer und kämpft gegen das Gefühl an. Inständig hofft er, dass wir nicht mehr all zu lange um den Buckelwal kreisen, der gerade inmitten von Hunderten Dusky Dolphins gemächlich in Richtung Süden zieht. Der ist echt früh dran, eigentlich kommen Buckelwale, Orcas und Blauwale erst im Sommer an der Küste Kaikōuras vorbei ☀️

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Irgendwann drehen wir nach Osten ab und vor uns erheben sich die Gipfel der Kaikōura Ranges. Der Mount Manakau ist mit rund 2.600 Metern der höchste Punkt dieser Küstenkette. Deutlich sind die Spuren des Erdbebens von 2016 zu erkennen, die Verwerfungen und Erdrutsche ziehen sich wie Narben durch die Landschaft 😳

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Unvorstellbar, welche enorme Kraft diese Region prägt. Unsere Pilotin umfliegt den Mount Fyffe, dessen goldene Wiesen im Sonnenlicht leuchten. Was für ein einzigartiges Panorama: Links dominiert die Inland Kaikōura Range mit ihrem höchsten Gipfel, dem Tapuae-o-Uenuku. Rechts unterstreicht das Zusammenspiel von schroffen Ausläufern der Sealand Kaikōura Range mit dem endlosen Pazifik den einzigartigen Charakter der Halbinsel 🏔️

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Zurück am Boden gibt es für Mark erstmal Cola, das hilft immer. Wir fahren zurück in die Stadt, parken bei Dolphin Encounter und frühstücken erstmal - wieder direkt am Strand mit Blick aufs Meer und kreischenden Möwen um uns herum 🤭

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Um 12:30 Uhr geht’s los. Eingepackt in Neoprenanzüge inklusive Kopfbedeckung und Jacke sowie ausgestattet mit Schnorchel, Maske und Flossen geht’s aufs Boot 🛥️ 

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Unser Ziel, den Dusky Dolphins ganz nahe zu kommen und mit ihnen zu schwimmen. Vom Flugzeug aus haben wir ja schon gesehen, wie viele Dusky Dolphins vor der Küste Kaikōuras unterwegs sind.

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Die sogenannten Schwarzdelfine reisen in Gruppen von bis zu 1.000 Tieren. Sie schießen förmlich durchs Wasser, springen und drehen sich. Ein bisschen fühlt es sich an, als wäre das Ganze ein sportlicher Wettkampf oder als sei eine Horde hyperaktiver Teenager unterwegs 🤣

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Während das Boot langsamer wird, machen wir uns bereit, denn so bald das Signal ertönt, geht’s ab ins Wasser. Boah, ist das kalt. Mein Atmen stockt und ich brauche einen guten Moment, um mich an die 16 Grad Wassertemperatur zu gewöhnen 🥶

In der Zeit sind die Delfine schon weitergezogen. Denn sie bleiben natürlich nur, wenn sie Lust auf uns haben. Macht gar nichts, beim nächsten Versuch, sind mein Körper und ich besser vorbereitet, auf das, was kommt 😃

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Und genauso ist es. Unser Guide hat uns den Tipp gegeben unter Wasser zu singen, denn Dusky Dolphins lieben Geräusche. So springen wir ein 2. Mal ins Wasser und trällern „Alle meine Entchen“, „Last Christmas“ und „Jingle Bells“ 🎶

Es hilft tatsächlich. Neugierig kommen die Delfine im großen Bogen auf uns zu, drehen ab und kehren wieder zurück. Teilweise tauchen sie wie aus dem Nichts direkt vor einem auf, nur um im selben Moment wieder wegzuschießen. Es ist laut, chaotisch, aber absolut beeindruckend 🥰

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Mark hat nach 3 Runden genug. Flugzeuge, die kreisen und Boote, die auf der Stelle stehen, sind einfach nicht sein Ding. Zumal wir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit sehr viel weiter aufs offene Meer hinaus gefahren sind. Die Tour morgens war vor 3 Tagen leider schon ausgebucht 😌

Es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis und so nur an wenigen Orten auf der Welt möglich. Hier ist es der Kaikōura Canyon, der ganzjährig ausreichend Nahrung bietet. Wie Wale und Robben jagen auch die Dusky Dolphins vorwiegend nachts, allerdings näher an der Oberfläche. Anstatt Tintenfisch lieben sie Anchovis 🐬

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Tagsüber tun sie sich manchmal mit Robben zusammen und machen sich einen Spaß daraus, Fischschwärme aufzuscheuchen und vor sich her zu treiben. Uns ist das gar nicht so bewusst, doch während der gesamten Tour begleiten wir 300 bis 500 Delfine - was für ein Glück 🍀

Ganz beseelt von diesen Eindrücken schlendern wir am Nachmittag noch kurz am Kaikoura Beach entlang. Die Luft ist klar, die Berge ragen majestätisch in den Himmel, nur Baden ist aufgrund der Strömung schwierig.

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Aber dafür hat der Campingplatz ja einen Pool. Wir nutzen nochmals alle Annehmlichkeiten, chillen im Hot Tub und lassen den Tag bei Fisch auf Süßkartoffelpüree und Brokkoli Revue passieren. 2 verschiedene Wale, unzählige Delfine und keine Minute Langeweile, kein Wunder, dass da der Blog mal wieder etwas zu kurz kommt 🫣

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Egal, Ihr kennt das ja schon und habt garantiert Verständnis, zumal ich Euch versprechen kann, es kommt auch mal schlechtes Wetter, dann holen wir die paar Tage auf.