Die Milford Road gilt als eine der schönsten Straßen der Südinsel. Zwischen Seen, Bergen und Tälern beginnt unser Abenteuer: Fiordland.
Wie heißt es so schön? Auf Regen folgt oft Sonnenschein. Genau so ist es. Wir wachen bei strahlend blauem Himmel auf, als wäre am Vortag nichts gewesen. Die Berge rund um uns sind leicht mit Schnee bepudert, die Luft ist klar und kühl.

Wie so oft in den letzten Tagen lassen wir es ruhig angehen. Fürs Frühstück irgendwann und irgendwo unterwegs holen wir uns beim Bäcker noch einen Bagel und ein Brötchen. Nebenan ist ein Kaffeestand.
Da es auf der Südinsel den Hanakoa Spiced Chai Sirup nur sehr selten gibt, bevorzuge ich derzeit einen Cappuccino und ja, meine Abhängigkeit ist zurück: Im Moment brauche ich morgens wieder einen 🫣
Wir verabschieden uns vom Lake Wakatipu und machen uns auf in Richtung Te Anau, das Tor zum Fiordland Nationalpark. Gut 2,5 Stunden liegen vor uns. Mit dem Camper brauchen wir etwas länger als mit dem Auto, da wir auf der kurvigen Strecke meist keine 80 Kilometer pro Stunde fahren können 🚐
Frühstück gibt’s dann tatsächlich erst am Lake Te Anau. Das ist das Schöne am Camper: Wir sind total selbstbestimmt, weil wir alles dabei haben. Im Notfall sogar eine Toilette, denn nicht alle Cafés haben eine 😓


Frisch aufgetankt, nicht nur unsere Mägen, sondern auch das Auto, führt unsere Strecke mitten hinein ins Eglinton Valley, eines der großen, offenen Täler entlang der Milford Road. Die Straße verläuft hier über viele Kilometer durch ein breites, von Gletschern geformtes Tal.
Links und rechts ragen steile Berghänge auf, teils bis über 1.800 Meter hoch. Dazwischen fließt der Eglinton River, begleitet von Moorflächen, Wiesen und dichten Südbuchenwäldern. Alles wirkt weit, ruhig und überraschend sanft für eine Region, die für extreme Wetterwechsel bekannt ist.






Unser erster Stopp sind die Mirror Lakes, kleine, unscheinbare Tümpel direkt an der Straße. Über einen kurzen Holzsteg erreichen wir die verschiedenen Aussichtspunkte in nur wenigen Minuten.
Bei Windstille spiegeln sie die umliegenden Berge so perfekt, dass auch ihr sicherlich zweimal hinschauen müsst, um zu erkennen, wo oben und unten ist.



Die Stimmung ändert sich je nach Licht und Tageszeit, mal mystisch dunkel, mal glasklar. Kein Wunder, dass sie zu den meistfotografierten Motiven entlang der Milford Road gehören. Wir weichen jetzt mal ausnahmsweise von der Chronologie ab und zeigen euch auch schon die Bilder vom Morgen danach 🤭




Am Nachmittag erreichen wir den Cascade Creek Campsite, einen großen, einfachen Campingplatz mit rund 120 Stellplätzen und freiem Blick auf die umliegenden Berge, den gleichnamigen Bach und einen total verwunschenen Wald. Jetzt im Sommer blühen hier überall Lupinen und färben die Wiesen in Rosa- und Lilatönen.




Trotz Standgebühren ist die Ausstattung überschaubar: Es gibt keine Duschen und nur einfache Toiletten. Ja, sie funktionieren, und Toilettenpapier gibt es auch. Dennoch: einmal und nie wieder, ich gehe nur noch im Camper.
Bevor es wieder anfängt zu regnen, laufen wir den Lake Gunn Nature Walk, einen etwa 45-minütigen Rundweg durch einen alten Buchenwald. Der Boden ist weich, stellenweise federnd und sehr matschig. Ausnahmsweise haben wir keine Wanderschuhe an. Schuld ist natürlich Mark. In seiner Funktion als Reiseleiter hat er mir keine „What to bring“-Liste geschrieben, wie es bei den Touren üblich ist 🤣




Dass das Fiordland zu den regenreichsten Gegenden von Neuseeland gehört, erkennen selbst wir sofort an der Landschaft. Moos hängt dick an den Baumstämmen, Farne wachsen meterhoch, und selbst bei Sonnenschein bleibt der Wald dunkel und kühl.




Wir erhaschen immer mal wieder einen Blick auf den Lake Gunn. Der See ist rund 6 Quadratkilometer groß und liegt eingebettet zwischen bewaldeten Hängen. Es ist fast still, nur Fantails huschen durch die Äste und Tuis lassen ihren metallischen Ruf erklingen.






Einige Bäume sind über mehrere Jahrhunderte alt. Nein, wir haben nicht die einzelnen Ringe gezählt. Auch am Durchmesser lässt sich das Alter grob abschätzen: Bei Silberbuchen können Bäume mit rund 30 Zentimetern Durchmesser etwa 150 bis 200 Jahre alt sein, bei 60 bis 80 Zentimetern sind es oft 300 Jahre und mehr, je nach Standort und Wachstum.
Manche Bäume haben auch Beulen. Sie sehen aus wie überdimensionierte Warzen, sind aber harmlose Wucherungen im Holz, sogenannte Baumkrebse oder Burls, die durch Verletzungen oder Pilzbefall entstehen und den Baum meist nicht töten.




Wahnsinn, der Fiordland Nationalpark ist mit über 12.500 Quadratkilometern der größte des Landes und gehört als Teil von Te Wāhipounamu zum UNESCO Weltnaturerbe. 🌎 Wir sind echt gespannt, was uns erwartet. Der Milford Sound soll um einiges beeindruckender sein als die Marlborough Sounds.
Zurück am Campingplatz können wir gerade ein, zwei Lupinen fotografieren, dann regnet es wieder. Egal, wir sind gut ausgestattet. Das ist auch wichtig, denn wir sind fernab von allem, was nach Infrastruktur aussieht. Der nächste Ort mit Restaurants ist Te Anau und über 60 Kilometer entfernt.




Wir machen es uns im Camper mit einer heißen Golden Milk von Hanakoa und Aprikosen Crumble gemütlich. Ganz ehrlich, so langsam ist auch das Kochen mit Gas und das Aufwärmen im Backofen anstatt in der Mikrowelle kein Problem mehr.


Zum Abendessen gibt es die vorgekochte Bolognese mit Nudeln. Einfach, aber immer gut, zumal das Gehackte aus Lamm ist, was dem Ganzen eine besondere Note gibt. Noch Käse drüber, fertig ist das perfekte Soulfood.
Zum Schlafen kramen wir eine zweite Bettdecke hervor. Die letzte Nacht war schon kalt. 🥶 Wir stellen den Wecker und begeben uns schnurstracks ins Lummerland.