Zurück in die Natur und zwar in den ältesten Nationalpark Sarawaks, den Bako Nationalpark, wo wir hoffentlich Nasenaffen sehen.
Es tut so gut, in einem richtigen Hotel zu schlafen und vor allem zu duschen. Einfach Wasserhahn an, ein wenig nach links gedreht und schon ist heißes Wasser da - wie wunderbar ☺️
Wir haben zwar keinen Stress, dennoch dauert die Anreise zum Bako Nationalpark etwas, so dass ich Mark gegen 7:30 Uhr vorsichtig wecke. Das Frühstück entpuppt sich als anständig, so dass wir uns noch mit einer Smoothie Bowl und einem Bananen Porrige stärken. Beides verfeinern wir noch mit etwas Ananas und ein wenig Granola 😋
Wir haben unsere kleinen Rucksäcke gepackt, denn für einen Tag brauchen wir nicht viel. Einen frischen Schlüpi und ein neues T-Shirt oder Hemd, das war es. Klar, noch Deo und so … Den Rest lassen wir im Hotel. Wir kommen nämlich wieder 😃
Theoretisch gibt es einen Bus, der wie alle gegenüber vom Riverside Majestic Hotel abfährt. Aber ganz ehrlich, der braucht über eine Stunde, da sind wir mit einem Grab für 6-7 Euro wesentlich schneller 🚗 Zumal wir gleich noch einen Zwischenstopp bei der Wäscherei einlegen. Einige T-Shirts, Hosen und Hemden brauchen dringend ein Upgrade.
Wir lassen irgendwann das Einzugsgebiet Kuchings hinter uns und fahren vorbei an kleinen Dörfern, Werkstätten, Palmenhainen und Straßenküchen bis zum Bako Boats Terminal.
Die Übernachtung haben wir vorgebucht. Spontan geht in der Hauptsaison nämlich nicht viel. Das Bootsticket und den Eintritt zahlen wir direkt am Steg: 200 Ringit für die Überfahrt hin und zurück sowie 40 Ringit für den Park selbst 💰
Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten. Der Fluss ist trüb. An beiden Ufern stehen Mangroven. Die Gezeiten bestimmen den Fahrplan. Bei Ebbe legen die Boote direkt am Hauptstrand an, bei Flut am Jetty. Lasst Euch von den Beschreibungen im Internet nicht beirren, Ihr kommt immer hin. Letztendlich ist es nur eine Frage der Länge des Weges zum Hauptquartier 👍
Wow 😮 Diese Sandsteinfelsen sind echt beeindruckend, fehlt nur noch der blaue Himmel. Doch auch mit leicht bewölkt sind wir zufrieden, Hauptsache es regnet nicht. Regenjacke oder Poncho bei über 30 Grad wäre echt Mist.
Wir checken ein - nicht in unsere sogenannte Forest Lodge, die ist erst ab 14 Uhr frei, sondern für die Trails 1 und 2. Unser Gepäck können wir im Raum hinter der Rezeption lagern. Also nichts wie rein in die Wanderschuhe und los 🥾
Die Trails sind farbig markiert und viele beginnen direkt beim Hauptquartier. Zuerst wollen wir uns mal einen Überblick verschaffen. Der Tanjung Sapi Trail ist kurz, aber steil: 700 Meter hoch führt der Pfad über Wurzelwerke und Holztreppen vorbei an Felsen, niedrigen Büsche und Bäumen. Es ist anstrengender als erwartet, aber gut machbar. Nach wenigen Minuten sind wir halt wieder durchgeschwitzt 🥵
Der Bako Nationalpark ist der älteste Naturpark in Sarawak. Er wurde 1957 gegründet, ist rund 27 Quadratkilometer groß und liegt auf einer Halbinsel. Das Besondere, auf engem Raum treffen verschiedene Vegetationen und Landschaften wie Mangroven, Regenwald, Sumpfwald, Sandsteinfelsen, kleine Buchten, steile Klippen und dichte Baumkronen aufeinander 🙃🙂
Der Telok Delima Trail schließt direkt an. Auch er ist nur etwa einen Kilometer lang, nimmt dennoch seine Zeit in Anspruch. Zu Beginn ist es ein Boardwalk. Vorsicht, dass ist nur Tarnung. Der Teil mit den Wurzeln und Felsen folgt asap 😉 Wir gehen langsam, wir haben Zeit.
Am Ende des Trails liegt eine kleine, stille Bucht mit Mangroven. Noch ist Ebbe, so dass wir durch sie durch gehen und die Felsformationen in all ihren Farben und Schattierungen bewundern können. Wahnsinn, was die Natur hier geschaffen hat 😊
Das Einzige, was wir nicht sehen, sind Nasenaffen. Vermutlich sind wir zu spät, denn auch sie sind eher morgens und nachmittags aktiv. Macht nichts, genau deshalb bleiben wir ja über Nacht. In der Hoffnung, dass sie sich mehr zeigen, wenn die ganzen Tagestouristen um 15 Uhr wieder weg sind.
Wir genießen einen Moment die Stille und schauen den Krebsen beim Buddeln zu. Wenn uns nicht alles täuscht, sind das die gleichen Krabben wie in Australien. Auch sie filtern den Sand und lassen den Überschuss als runde Pellets fallen. Witzig ist, sie haben nur eine Schere, mit der sie sich verteidigen 😳
Wo ist nur die Zeit geblieben, schon 14 Uhr. Zurück am Headquarter läuft uns erstmal ein Bartschwein über den Weg. Sie sehen aus wie Wildschweine, sind aber viel schmaler und gelassener. Wir holen den Schlüssel und unsere Sachen und schauen mal, was die Lodge so zu bieten hat.
Die Hütte ist sehr spartanisch, wirkt aber zumindest sauber, das ist die Hauptsache. Bettdecke ist bei den Temperaturen nicht notwendig und Moskitonetze gehören auf Borneo im Dschungel einfach nicht zum Inventar. Seife haben wir zum Glück dabei und duschen fällt bei der Farbe des Wassers eh aus. Es ist nämlich braun 😜
Ob das Essen besser ist? Nein, nicht wirklich. Es ist sehr einfach. Wir bestellen sicherheitshalber Spaghetti Meaty Bolognese und Kartoffelsalat. Was sagt Ihr, hättet Ihr das erwartet? Egal, es ist essbar und stillt den Hunger 😂
Trail 4 fehlt uns noch, also versuchen wir unser Glück. Es ist die längste Strecke vom Headquarter gerechnet. Wir laufen erstmal bis zum Jetty, wo gerade die letzten Tagestouristen den Park verlassen. Das Wasser steigt langsam und stetig. Einige Mangroven bekommen schon nasse Füße, andere liegen noch komplett auf dem Trockenen 😎
Auch der Telok Paku Trail führt über Wurzeln und Holztreppen vorbei an Felsformationen durch den dichten Dschungel des Bako Nationalparks. Die Vegetation ist üppig und sattgrün. Es raschelt in den Baumkronen, doch von Affen ist weit und breit nichts zu sehen. Unsere einzigen Begleiter sind Geckos 🦎 und Vögel.
So ist eben der Weg das Ziel. Und dieser endet in einer kleinen Bucht namens Paku Bay. Wir würden am liebsten ins Wasser springen, doch Baden ist verboten. Es gibt Krokodile 🐊 Der Strand, eingerahmt von tollen Sandsteinfelsen, lädt zum Verweilen ein. Wir halten einen Moment inne, lauschen dem Meer und dem Dschungel.
Wenn nur die Luftfeuchtigkeit nicht wäre. Der Weg ist auf eine Stunde angesetzt. Wir brauchen 2 Stunden. Klar ist da auch der ein oder andere Fotostopp dabei, aber seien wir ehrlich, das Wetter schlaucht uns ganz schön. Und jeden Weg müssen wir ja auch wieder zurück 🫣
Zum Glück, denn wir entdecken den ersten Affen, einen kleinen, silbernen Languren, der in aller Seelen Ruhe die jungen Blätter der Farne ist. Ihr kennt bestimmt noch das Spiel: Er liebt mich, er liebt mich nicht, wo ihr ein Blatt nach dem nächsten abreißt, bis keins mehr übrig ist. Genau so gewissenhaft konzentriert sich das Jungtier auf den Farn 🐒
Wir scheinen gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ein Makake kreuzt auch noch unseren Weg. Der findet uns aber total uninteressant und läuft einfach vorbei.
Es folgt das Highlight, der Jackpot, das große Los: In einem der Mangrovenbäume sitzt ein Nasenaffe. So nah, dass ich ihn sogar mit dem iPhone fotografieren kann. Ganz genüsslich greift er nach einem Blatt oder einer Blüte und frisst diese. Es ist ganz unverkennbar ein erwachsenes Männchen. Nicht nur die große, birnenförmige Nase verrät uns das, nein, auch das kleine Teil zwischen seinen Beinen, was er uns präsentiert. Der Spruch: „An der Nase eines Mannes …“ trifft hier definitiv nicht zu 🤣
Tatsächlich ist die Größe der charakteristischen bis zu 20 Zentimeter langen, gurkenförmige Nase vom Geschlecht und vom Alter abhängig. Sie dient der sexuellen Attraktivität und der Verstärkung der Rufe, weswegen nur männliche Nasenaffen sie im Laufe des Erwachsenseins entwickeln. Weibliche Nasenaffen und junge Tiere haben im Vergleich eine deutlich kleinere, eher stupsförmige Nase - so wie der im Permai Forest Resort.
Warum der Nasenaffe allein unterwegs ist, erschließt sich uns nicht. Normalerweise leben sie in Gruppen bestehend aus einem dominanten Männchen, mehreren Weibchen und Jungtieren 🥰
Etliche Fotos und Videos später, genau genommen hat allein Mark über 120 Bilder nur von dem einen Nasenaffen gemacht, ist es Zeit für den Sonnenuntergang. Er beginnt ganz harmlos und ich will eigentlich schon gehen, als der Mount Santubong plötzlich explodiert.
So einen Sonnenuntergang haben wir lange nicht mehr gesehen. Von Minute zu Minute verfärben sich der Himmel und das Meer in Gelb, Orange und Rot. Die Farben werden immer intensiver. Wow 😲 Wow 😲 Wow 😲 Wir genießen das Naturschauspiel fast eine halbe Stunde - einmalig schön.
Das Essen lasen wir mal unter den Tisch fallen, da lohnt es sich nicht weiter drüber zu sprechen … Widmen wir uns lieber dem Nightwalk. Zusammen mit ein paar Guides machen wir uns nochmal auf den Weg rund ums Headquarter. Jedesmal, so auch jetzt, fragen wir uns, wie sie das sehen, was sie sehen. Von einer Schlage und Fröschen, über Stabheuschrecken und einer Krabbe bis hinzu einem Nasenaffen hoch oben Baum ist alles dabei.
Das Highlight ist aber definitiv das Colugo, auch fliegender Lemur genannt. Das kleine Säugetier ist in den Regenwäldern Sarawaks zu Hause, schummelt aber, was seinen Namen betrifft. Es kann nämlich gar nicht fliegen. Dafür aber mit seiner großen Hautfalte zwischen den Gliedmaßen beeindruckende Gleitflüge von bis zu 70 Metern hinlegen 😜
Das Colugo ist Vegetarier und frisst Blätter, Früchte und Knospen. Wir sind froh diesem seltenen Exemplar begegnet zu sein. Zum einen sind sie sehr scheu und verstecken sich meist hoch oben in den Bäumen. Zum anderen sind sie aufgrund der Abholzung des Regenwaldes in Malaysia stark gefährdet.
Glücklich über den Tag und vor allem über den Nasenaffen vergessen wir sogar unseren täglichen Schnaps zu trinken und schlafen recht schnell ein 😴 Allerdings nicht all zu lange, dann ist es zu warm, zu unbequem und zu laut. Die Ohropax dämpfen die Geräusche des Waldes ein wenig, aber dennoch bekommen wir alles in allen zu wenig Schlaf.
Entsprechend früh sind wir munter und natürlich habe ich es schon geahnt, wenn die Sonne scheint, laufen wir zumindest den Trail 2 zu den Mangroven nochmal 😉 Der Dschungel ist zwar derselbe, dennoch verändert das morgendliche Licht ihn total.
Auch die Mangroven wirken bei Ebbe ganz anders, viel grüner, leuchtender. Dabei ist es einfach nur eine andere Perspektive 👌
Wir ärgern ein paar Schlammspringer, die sich am Ufer tummeln. Es ist wirklich lustig zu beobachten, wie sie blitzschnell ins Wasser springen, um uns zu entkommen, aber genauso schnell wieder an Land kommen 😃
Dabei stoßen sich mit ihrem kräftigen Schwanz vom Boden ab und nutzen ihre muskulösen, armähnlichen Brustflossen wie Beine zum Hüpfen. Zudem speichern sie Wasser in ihren Kiemen und nehmen über ihre Haut und ihre Schleimhäute Sauerstoff auf. Das ermöglicht ihnen auch längere Zeit an Land zu verbringen - eine wichtige Überlebensstrategie in einem so dynamischen Lebensraum wie den Mangroven 😎
Das Beste ist, zu der Zeit, es ist gerade mal 7 Uhr, ist wirklich noch niemand unterwegs. Auch die Affen scheinen noch zu schlafen. Diese Stille ist unbeschreiblich schön 🤫
Als wir zurückkommen, erwacht der Park zum Leben. Die Bartschweine streifen durchs Gebüsch und die Makaken betreiben Fellpflege, sehr löblich so früh am Morgen. Wir haben lediglich ein Deo benutzt 🤭
Wir bestellen unser Boot und sind 45 Minuten später am Bootsterminal. Mit dem Grab geht’s zurück nach Kuching, wo eine heiße Dusche und ein gutes Frühstück auf uns wartet.