In Jeonju bilden über 800 Hanok-Häuser das größte traditionelle Wohnviertel des Landes. Entstanden sind sie aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts.

Nach Gyeongju und Andong begeben wir uns wieder auf den eher klassischen Touristenpfad durch Südkorea. Nach Seoul und Busan folgt direkt Jeonju in den Top 5 - sowohl bei den europäischen als auch bei den internationalen Touristen.

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Wie so oft in den letzten Tagen haben wir keine Eile. Aufgrund des etwas unstabilen Wetters haben wir uns entschieden, den Abstecher zum Haeinsa Tempel nicht zu machen. Auch wenn er landschaftlich mitten im Gayasan Nationalpark bestimmt wunderschön liegt und berühmt ist für die Aufbewahrung der Tripitaka Koreana, eine der vollständigsten Sammlungen von buddhistischen Schriften in Holztafeln weltweit 📖

Wie begeben uns lieber direkt ins kulturelle Herz von Korea, um die Stadt Jeonju bei Sonne zu erkunden ☀️ Für die knapp 220 Kilometer brauchen wir gute 3,5 Stunden inklusive einer kleine Pause - Bodymanagement, Ihr wisst schon. 

Wir parken in unmittelbarer Nähe unserer nächsten Unterkunft, dem Sarangroo Hanok Guesthouse. Ob wir wirklich richtig stehen …

Das mit dem Parken hat sich uns noch nicht so ganz erschlossen. Gefühlt parken die Südkoreaner überall, gerne auch mal in 2. Reihe und prinzipiell da, wo gelbe Linien sind, die eigentlich absolutes Halteverbot bedeuten 🚫

Auch der Hinweis unseres Gastgebers erschließt sich uns nicht. Laut ihm sollen wir rund um die konfuzianische Schule entlang der Mauer parken. Wenn wir das tun, kommt kaum noch ein Auto durch, schließlich haben wir keinen Tivoli oder Hyundai Casper 😂

Drücken wir die Daumen, dass wir einen legalen Stellplatz gefunden haben. Sollte er was kosten, dann ist es so. Nur ein Knöllchen wäre doof, allein des Aufwands wegen 🙏

Wir erkunden die konfuzianische Schule Jeonju Hyanggyo. Gegründet 1392 diente sie jahrhundertelang der Ausbildung der Yangban Elite, den Gelehrten und Beamten, die Koreas Gesellschaft und Verwaltung mitgeprägt haben. Im Grunde genommen hat der Konfuzianismus in Jeonju genauso tiefe Spuren wie in Andong hinterlassen und Einfluss von B wieBildungsideale bis S wie Stadtarchitektur genommen 🏛️

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Ja, auch die Geschichte von Jeonju ist ganz spannend, denn die Wurzeln reichen über 10.000 Jahre zurück. Die Stadt gehört zu einer der ersten Siedlungen des Landes und war Hauptstadt des Hubaekje Königreichs. Während der Joseon Dynastie entwickelte sich Jeonju zum spirituellen Zentrum von Korea und gilt auch heute noch als Wiege dieser Epoche 🧧

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Wer jetzt denkt, dass auch die über 800 traditionellen Hanok-Häuser so alt sind, irrt sich. Das größte Hanok Village Koreas, weswegen jährlich Millionen an Besuchern nach Jeonju kommen, entstand in der Form erst um 1910 auf den Fundamenten der alten Viertel Pungnam‑dong und Gyo‑dong 😲

Der Weg steigt leicht an. Die Viertel Omokdae und Imokdae liegen erhöht auf einem Hügel über der Altstadt. Hier feierte General Yi Seong-gye 1380 seinen Sieg über japanische Piraten und dichtete das berühmte „Lied des großen Windes“. Wenig später wurde er König Taejo und gründete die Joseon Dynastie - so einfach geht’s 😉

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Wir frühstücken gemütlich im Café Jeonmang und genießen den Blick über das Viertel. Mark ist mittlerweile ein totaler Matcha Fan, insbesondere in Form von Smoothies. Er fragt mich, ob wir das nicht mal selber machen können. Klar, hätte ich den Urban Max sofort 🤣 

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Anschließend schlendern wir durch die engen Gassen mit weiteren gemütlichen Teehäusern, Galerien, traditionellen Handwerksläden und kleinen Museen, die die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart greifbar machen.

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Unser Ziel ist das Pungnammon Bibimbap, um das gleichnamige farbenfrohe Reisgericht hier in seiner Heimat, der UNESCO City of Gastronomy, zu probieren. Viele Restaurants servieren die Spezialität mit 9 Zutaten auf warmem Reis, darunter fermentierte Sojapaste, eingelegtes Gemüse, Pilze, Algen, ein Ei und scharfe Chilipaste angeblich nach alten Rezepten der Joseon Dynastie 🍽️

Leider kommen wir nicht in den Genuss. Das Pungnammun Bibimbap hat ausgerechnet jetzt 2 Tage Urlaub und der Namu Market, wo es Alternativen gäben könnte, wirkt wie ausgestorben. Liegt es an der Uhrzeit? 

Scheinbar, denn auch beim Restaurant schräg gegenüber der Kirche steht „Ausverkauft“. Nun gut, so haben wir wenigstens das letzte erhaltene Stadttor am südlichen Rand der Altstadt gesehen. Das Pungnammun wurde 1768 erbaut und war früher Teil der alten Stadtmauer 🧱

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Auch sehr beeindruckend ist die Jeongdong Catholic Church, die 1914 im romanischen Stil erbaut wurde. Sie erinnert uns ein wenig an die Kathedrale in Seoul im Myeongdong Viertel. Vermutlich haben sie denselben Architekten 🙃🙂

Wieder so ein Ausdruck von Toleranz, oder was empfändet Ihr, wenn Ihr eine Kirche entdeckt, die mitten im traditionellen Hanok Viertel, in einer von Konfuzianismus geprägten Stadt, gegenüber des Gyeonggijeon Schreins und der Hall steht?

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An der Polizeistation bestaunen wir das riesige Street Art der Stadt. Direkt gegenüber befindet sich der Jeolla Gamyoung Komplex. Er wirkt irgendwie verloren, dabei diente er während der Joseon Dynastie als Verwaltungszentrum für die südwestliche Region Koreas und erinnert noch heute an wichtige historische Ereignisse wie die Donghak Bauernrevolte 😬

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Wir haben Hunger. Das Stück Käsekuchen ist nach dem langen Spaziergang längst verdaut. Da es kein Bibimbap gibt, genießen wir „Koreas Pizza“ in Form von Gimbap mit frischem Rindertatar 😋

Bestellen tun wir ganz einfach am Platz per Tablet - das ist Standard in Südkorea. Und das Beste: Wir bezahlen auch direkt am Gerät mit der Kreditkarte 💳 

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Etwas weiter westlich im urbanen künstlerischen Seohokdong Art Village gibt es moderne Street Art, kleine Galerien und Ateliers. So gut wie kein Tourist verläuft sich hierher - außer wir 😂

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Dann ist es an der Zeit, in unserer Unterkunft einzuchecken. Diesmal übernachten wir in einem traditionellen Hanok. Es besteht wie alle Häuser aus Holz, Lehm und Hanji, einem traditionellem Papier, für Fenster und Türen, was für ein natürliches Raumklima sorgt 🪟

Dazu kommt eine beheizte Fußbodenanlage, die sogenannte Ondol, auf der geschlafen und gewohnt wird. Wir sind gespannt, wie wir auf dieser Jahrhunderte alten, praktischen koreanischen Erfindung schlafen werden 🤭

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Jeonju fühlt sich wesentlich entspannter an als Seoul oder auch Gyeongju oder liegt es an uns? Sind wir mittlerweile entspannter unterwegs und lassen mehr und mehr auch mal Fünfe gerade sein? Scheinbar, denn das Jamal Mural Village, ein Künstlerviertel mit steilen Gassen, bunten Fassaden und viel kreativer Energie, rutscht uns einfach so durch 🫣 Schade, aber nicht zu ändern.

Wir kümmern uns noch etwas um den Blog, bevor wir um die Ecke Abendessen gehen. Anstatt Bibimbap gibt es 1x Curry mit Garnelen 🦐 und 1x mit Rindfleisch 🥩 Dazu einen Pflaumensaft, der wie viele Säfte aus Pulpe und Mineralwasser gemischt wird. Die sogenannten Ades sind super erfrischend.

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Als Betthupferl gibt es einen Whisky aus den Wichteln, denn wir haben nur schmales Gepäck dabei 😊 Dann mal gute Nacht, wir hören uns in Mokpo wieder - hoffentlich ausgeschlafen.