Wer Zeit hat, sollte einen Abstecher nach Mokpo machen und unbedingt die Purple Islands besuchen.

Die Nacht war erstaunlich ruhig und das Futon angenehmer als gedacht. Dennoch tut es gut, sich aufzurichten und zu strecken 🙃

Bevor wir starten, schreibe ich noch ein paar Bewerbungen. Scheinbar ist die Sommerpause vorbei, die Unternehmen inserieren wieder - was für ein Glück 🍀 

Auf der Fahrt regnet es das erste Mal und zwar so richtig. Innerhalb weniger Minuten reichen die Wassermengen für eine gründliche Unterbodenwäsche. Unsere Scheibenwischer kämpfen ☔️ es herrscht Weltuntergang. Doch so spontan, wie er begonnen hat, ist der Schauer auch wieder vorbei. 

Gegen Mittag erreichen wir Mokpo. Die Stadt an der Südwestküste Südkoreas verbindet maritime Geschichte mit moderner Kunst und spektakulärer Natur. Zudem ist Mokpo das Tor zu den Inseln des Dadohaehaesang Nationalparks 🌳

Während der japanischen Kolonialzeit entwickelte sie sich zu einer bedeutenden Handels- und Fährstadt, der Fischmarkt soll legendär sein. Wir sind gespannt 🙃🙂

Auf dem Dongbu Market hoffen wir, etwas zu Essen zu finden. Doch so richtig von den Socken haut uns das Angebot nicht. Es gibt eigentlich nur Schweinefüße, Frittiertes und irgendwas, was an Sashimi erinnert, aber keine Ahnung, was es genau ist. Wir hatten uns auf gegrillten Fisch, Sushi mit Aal, Oktopusbällchen 🐙 oder wenigstens Donkatsu 🐖 gefreut.

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Schlussendlich nehmen wir doch Sashimi mit und kaufen auch eine kleine Portion von dem undefinierbaren Zeugs. Google wird uns schon verraten, was es ist und so viel, wie es davon gibt, muss es definitiv eine Spezialität sein 😅 

Wir checken im Fontana Beach Hotel ein. Aus unserem Zimmer blicken wir direkt aufs Meer und die Dancing Sea Fountain, den größten schwimmenden Springbrunnen Asiens. Jetzt ist noch alles ruhig, aber die Show am Abend soll grandios sein. Wir sind gespannt 😊

Das Sashimi ist gut, aber wenn wir ehrlich sind, hatten wir schon besseres. Tatsächlich verrät uns Google auch, was in der kleinen Schale ist und aussieht wie Schlange … Ihr werdet es kaum glauben, es ist Hongeo‑hoe, fermentierter Rochen, Mokpos bekannteste Delikatesse 🫣 

Ich bin so mutig und probiere es. Das erste Stück ist super zäh, beim zweiten habe ich den Dreh raus. Schmeckt gar nicht mal so schlecht, aber dieser intensive Geruch nach Ammoniak hält auch mich davon ab, alles aufzuessen. Der brennt richtig in der Nase 🥴

Wir hätten unserem Instinkt folgen sollen und nicht auf den Verkäufer hören sollen. Er hat uns die Variante mit Geruch als angeblich die bessere empfohlen 😜

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Den Nachmittag verbringen wir im Hotel. Ja, Ihr ahnt es, wir kümmern uns um den Blog. Später drehen wir noch eine kleine Runde und checken den Lotte Max, einen der wenigen großen Supermärkte.

Und der ist wie seine Name verrät nicht nur groß, sondern hat sich scheinbar auch auf Familienpackungen spezialisiert. Die Buletten, Frikadellen, Meatballs - you name it - sind einfach zu viel. Selbst an 2 Tagen schaffen wir keine 9 Stück, sehr zum Leidwesen von Mark 😭

Damit fallen sie wohl zusammen mit den No Chicken Eis, den Pudeln im Kinderwagen, dem Eis als Gesichter, dem Männchen zur Ankündigung einer Baustelle und dem Sprühzeugs gegen Zecken und Mücken in die Kategorie Kurioses und Besonderes 😃

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Wir entscheiden uns für Italienisch zum Abendessen. Wir kaufen echten Buratta mit schwarzem Trüffel, süße Tomaten, grünes Pesto und ein frisches Baguette 🥖

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Pünktlich um 20 Uhr beginnt die Show der Dancing Sea Fountain. Sie gleicht einem Feuerwerk, nur dass anstatt bunten Raketen Wasserfontänen passend zur Musik auf dem Meer tanzen. Die Choreografie ist überraschend und die um 20:30 Uhr sogar eine andere. Was für ein tolles Schauspiel 🌈 

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Der Grund, warum wir eigentlich in Mokpo sind, ist über eine Stunde entfernt. Wir starten mal wieder etwas früher und besuchen die Purple Islands: Banwol-do und Bakji-do. 

Seit 2015 sind beide Inseln fast komplett in Lila gestrichen. Ob Hauswände, Dächer, Zäune, Straßenschilder oder Blumenkübel, die auffällige Farbe soll den Rückgang der Bevölkerung und den wirtschaftlichen Stillstand der Inseln stoppen, in dem mehr Touristen angezogen werden 💜

Eine schöne Idee, aber ob das klappt? Am Parkplatz gibt es ein Café, auch das ist Lila, genauso wie der Süßkartoffel Latte 🍠 und der Smoothie aus Blaubeeren 🫐, den wir bestellen.

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Schon witzig, wenn alles so Ton in Ton ist. Mein T-Shirt ist für den Tag natürlich auch bewusst gewählt. Was ich nicht wusste, dass ich deswegen freien Eintritt habe 😂

Über eine schwimmende Brücke laufen wir auf die erste der beiden Inseln und drehen eine Runde durch das kleine Dorf. Das Lila zieht sich wirklich mehr oder minder konsequent durch, wenn Blumen in den Gärten wachsen, sind es Malven 🌸 Sogar die meisten Boote sind Lila.

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Dennoch wirkt alles irgendwie verlassen. Wir sehen lediglich einen älteren Mann, der seine Felder wässert und eine Frau, die Bohnen erntet, in dem sie sie durch Schütteln von der Schale befreit. Sonst treffen wir niemanden 😥

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Da nun endlich auch die Sonne alles gibt, beschließen wir die komplette Runde zu drehen. Auf dem Weg zu der berühmten 1,4 Kilometer langen Brücke, die beide Inseln miteinander verbindet, sind noch ein paar Fotospots.

Wir treffen auf eine Gruppe Koreanerinnen und plötzlich sitzen wir mit ihnen vor dem riesigen Schriftzug „I Purple You“. Wie schon erwähnt, die sind echt verrückt. Aber natürlich, lassen wir uns von ihrer Begeisterung anstecken 😊

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Wie kaufen noch kleine lila Basiers mit Brezeln und spazieren dann in aller Ruhe über die Brücke. Es ist super entspannt. Schlussendlich brauchen wir für insgesamt die gut 3,5 Kilometer mit kleinen Abstechern über 2 Stunden.

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Auf den Weg zurück nach Mokpo, der auch über beeindruckende Brücken und vorbei an riesigen Kirchen führt, entdecken wir unzählige Stände, die frische Feigen verkaufen - die beste Gelegenheit an Nachschub zu kommen. Ich liebe Feigen ☺️ 

Und jetzt lacht bitte nicht! Erst in dem Moment, wo wir anhalten, registrieren wir, dass um uns herum Feigenbäume in Reih und Glied stehen. Solche endlosen Plantagen haben wir noch nie gesehen 🫣 

Sie profitieren vom milden Klima und der Feuchtigkeit an der Küste. Es gibt sowohl grüne als auch lila Feigen. Hautfarbe, Größe und Aroma variieren je nach Sorte. Die lila Feigen sind saftiger und süßer 🥰 

Eine kurze Recherche ergibt, dass die Bauern rund um Mokpo größtenteils auf chemischen Pflanzenschutz beim Anbau verzichten und stattdessen auf Blütenvielfalt und humusreiche Böden setzen. Die Ernte ist gerade auf ihrem Höhepunkt, das erklärt die vielen Verkaufsstände 👌 

Gute Feigen erkennt Ihr übrigens daran, dass sie außen leicht nachgeben und ihr Aroma beim Aufschneiden voll entfalten. Ein perfekter Snack, am liebsten würde ich sofort reinbeißen 🤣

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Zum Mittagessen geht’s in die Golombang Bakery. Die kultige Bäckerei ist bekannt für ihre kreativen Backwaren. Die Auswahl fällt echt schwer. Nehmen wir ein Baguette mit Garnelenpaste, ein Laugenbrötchen mit Butter und Roter Bohnen Paste oder doch was Süßes? 

Wir entscheiden uns für den Mix: eine Tortilia mit Bulgogi gefüllt, ein schwarzes Croissant mit Gorgonzola und ein Croissant mit Matcha. Hinterher gibt es noch eine Feige im Biskuitteig - auch sehr lecker 😋

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Ein weiteres Highlight ist die Seilbahn. Unsere Fahrt mit der Mokpo Maritime Cable Car beginnt direkt am Fuß des Berges Yudalsan. Mit einer Länge von über 3 Kilometern ist sie damit die längste Seilbahn Koreas, die über das Meer führt 🚡

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Besonders spannend ist, dass sie auch noch gleich zwei Weltrekorde hält: Zum einen die rund 990 Meter lange Spannweite zwischen zwei Stützpfeilern und zum anderen der mit etwa 150 Metern höchste Zementschachturm. Das gesamte Bauwerk wurde so konstruiert, dass es den Hafenbetrieb nicht behindert und ohne Eingriffe ins Meer auskommt 🙃🙂

Während der kompletten Strecke bis auf die Insel Gohado genießen wir den Blick auf Mokpo. Erst in diesem Moment wird uns bewusst, wie groß die Stadt mit ihren rund 220.000 Einwohnern eigentlich ist - Wahnsinn.

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Von der Station führt ein schmaler Pfad durch den Wald bis zum Observatorium, welches durch eine außergewöhnliche Architektur besticht. 13 Nachbauten der legendären Panokseon Kriegsschiffe, jene mit denen Admiral Yi Sun-sin während der Joseon Dynastie entscheidende Seeschlachten gegen die Japaner gewann, wurden übereinander gestapelt 🙄

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Von oben haben wir einen grandiosen Blick auf die Küstenlandschaft von Mokpo, das offene Meer und die umliegenden Inseln. Besonders beeindruckend ist die Mokpo Brücke, die Gohado mit dem Festland verbindet. Sie ist etwa 3 Kilometer lang und hat eine maximale Pylonhöhe von rund 170 Metern, womit sie zu den imposanten Kabelbrücken Südkoreas gehört 😲 

Wir laufen den Weg noch bis zum Ende, wo sich die Brücke nochmals in ihrer ganzen Pracht präsentiert und kehren über die Holzbohlen an der Steilküste zurück. 1,5 Kilometer direkt der frischen Meeresluft ausgesetzt, was wollen wir mehr.

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Mit dem Schrägaufzug geht es ganz entspannt zurück zur Station. Auf dem Rückweg legen wir noch einen Zwischenstopp an der Station Yudalsan ein. Der Aussichtspunkt dort ist quasi ein Geheimtipp 🤫 Von hier aus haben wir nochmals einen super Ausblick auf Mokpo mit der Seilbahn im Vordergrund.

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Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Da der Skulpturenpark mittlerweile im Schatten des Berges liegt, verschieben wir ihn einfach. Das ist das Schönste, Zeit zu haben und alles in Ruhe genießen zu können.

Tatsächlich bleiben wir bei Italienisch zum Abendessen und gönnen uns zu der leckeren Pasta mit Garnelen und Bulgogi aus Pilzen und Rindfleisch die erste Flasche Wein seit Wochen. Der Chardonnay aus Chile passt einfach gut dazu 😜

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Dennoch merken wir, wir sind nicht mehr auf den gängigen Tourismuspfaden unterwegs. Die Bewertungen von Restaurants und Cafés auf Google sind spärlich. Da hilft eher Naver … 

Aber irgendwas findet sich immer, so auch das Mango Lu, wo Mark endlich sein Bingsu bekommt. Und es ist das Beste, was wir bisher gegessen haben. Das Café oder besser gesagt das Dessertrestaurant hat sich auf alles rund um Mangos spezialisiert 🥭

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So beginnt unser letzter Tag in Mokpo wieder ganz gemütlich. Anschließend machen wir uns auf den Weg zum Gatbawi Felsen, zwei Granitformationen, die durch Millionen von Jahren durch Wind, Salz und Wasser geformt wurden. Gatbawi bedeutet „Felsen mit Hut”. Mit etwas Fantasie erkennen wir, warum 😉

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Wir versuchen noch mal unser Glück auf dem Fischmarkt, aber auch im Hwae Center gibt es fast ausschließlich Stände, die den Hongeo‑hoe, den fermentierten Rochen verkaufen. Das ist nicht so wirklich unseres. Dann eben ab zum Yudalsan Sculpture Art Park Skulpturen🗿

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Die Skulpturen aus Stein, Holz, Metall sind mal traditionell, mal abstrakt oder auch politisch. Über 100 Werke säumen die Wege rund um den Yudalsan, der sich 228 Meter über die Stadt erhebt. Offiziell gehört er zu „Koreas 100 schönsten Bergen“ 😇

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Zurück im Hotel gibt es als kleinen Snack zwischendurch einen Salat mit frischen Garnelen 🦐 und Mangos 🥭 Dann widme ich mich konzentriert unserem Blog. Ich mag es nicht, so viele Tage im Rückstand zu sein. Das muss wieder besser werden 😌 

Abendessen gibt diesmal direkt um die Ecke vom Hotel. Das Haebim hat sich auf Bibimbap mit traditionellen Meeresfrüchten wie Krabben 🦀 , Oktopus 🐙 und Abalone, Meeresschnecken der Gattung Haliotis, spezialisiert. Mark bevorzugt die Version mit Rindfleisch 😎 Dazu gibt es wieder Kimchi, eingelegtes Gemüse und das erste Mal Tofu, der nach so gar nichts schmeckt 🤨 Der Rest ist sehr zu empfehlen. 

Dennoch bleibt noch etwas Platz für ein Dessert. Wie gut, dass das Mango Lu noch geöffnet hat. Okay, noch ein Bingsu wäre wohl übertrieben. Probieren wir es mit dem Mango Croffle, zwei kleinen Croissants zur Waffel geformt mit frischen Mangostückchen und Sahne - großartig.

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Zum Abschluss der 3 Tage schauen wir uns die Show der Dancing Sea Fountain nochmals aus der Nähe an. Tatsächlich gab es jeden Abend eine andere Performance. Auch diese kann sich sehen lassen 🥳

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Nur ein paar Schritte entfernt ist die Mokpo Love Silhouette. Sie ist wunderschön beleuchtet. Gar nicht so leicht, in Ruhe Fotos zu machen. Die Asiaten gehen an diesen Fotospots wirklich ab wie Schmidts Katze, meist ohne Rücksicht auf Verluste. Dann holen auch wir eben die Ellbogen raus 😅

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Unser Fazit zu Mokpo: Wer Zeit hat, sollte diese Stadt unbedingt besuchen. Wir haben die Purple Islands und die Fahrt mit der Seilbahn sehr genossen. Zudem gibt es diverse Verbindungen zu mehreren Dutzend Inseln des Dadohaehaesang Nationalparks und etwa 30 km nordwestlich liegt noch die Insel Jeungdo, die für ihre weiten, traditionellen Salzfelder bekannt ist. Wir freuen uns jetzt auf unsere weiteren Stopps entlang der Küste: Boseong, Namhae und Tongyeong 🥰