Die kargen Landschaften des Tongariro Nationalparks sind sowohl für Wanderungen als auch als Mordor aus „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ bekannt.
Wir verlassen New Plymouth und fahren erneut Richtung Whanganui. Dort frühstücken wir diesmal im Honest Kitchen beziehungsweise im Park gegenüber, da das Café seine reichliche Auswahl nur zum Mitnehmen anbietet.
Je näher wir dem Tongariro Nationalpark kommen, desto alpiner wird die Landschaft. Die berühmten grünen Hügel von Neuseeland prägen das Bild. Wir nutzen ein, zwei Aussichtspunkte, um sie festzuhalten 🙂




Lange hat es gedauert, heute ist es soweit. Im Radio läuft das erste Weihnachtslied … natürlich „Last Christmas“, wieso sollte das am anderen Ende der Welt anders sein 🎄
Der Tongariro Nationalpark ist Neuseelands ältester Nationalpark, ein Geschenk von Häuptling Te Heuheu Tukino IV. 1887. Seit 1993 gehört er zum UNESCO Weltkulturerbe, weil die Vulkane und Seen für die Māori heilige Orte und lebende Ahnen sind, sogenannte „Tapu“.
Der Park umfasst knapp 800 Quadratkilometer. Für seine Geologie sind die 3 aktiven Vulkane Ruapehu, Tongariro und Ngauruhoe sowie ihre Schlammströme, sogenannte Lahar-Fluten, Lavafelder und Ascheebenen verantwortlich 🌋
Irgendwann zeigt sich die weiße Spitze des fast 2.800 Meter hohen Ruapehu, dem höchsten Berg im Tongariro Nationalpark. Hoffnung flammt auch. Ist die Wettervorhersage doch besser als gedacht?
Auf jeden Fall ist es jetzt gut genug, um noch zu dem Waitonga Falls zu wandern. Raus aus den Flipflops, rein in die Wanderschuhe und los geht’s: 4 Kilometer und 200 Höhenmeter sind doch ein Klacks, oder? 😜





Wir laufen durch subalpine Wälder mit faszinierenden Kāmahi Bäumen und natürlich Moosen und Farnen. Nach etwa der Hälfte kommen wir auf eine offene Lichtung und können noch einmal den Ruapehu bestaunen. Die Szene wirkt wie ein Déjà-vu zum Taranaki, zumindest aus der Ferne.






Ein Boardwalk führt durch das Feuchtgebiet Rotokawa. Leider ist es zu windig, so dass sich der Berg nicht in den Wasserflächen spiegelt. Trotzdem ist die ganze Szenerie wunderschön ☺️


Der Wasserfall, der von Schmelzwasser gespeist wird, stürzt knapp 40 Meter in die Tiefe. Der Wasserstand ist im Frühling noch sehr verhalten, die große Schmelze kommt erst später im Jahr. Das hatten wir uns etwas spektakulärer vorgestellt.



Da es sich nicht um einen Rundweg handelt, kehren wir um, werfen einen letzten Blick auf den Ruapehu und checken in unserer Unterkunft in Rangataua ein. Wir haben uns für das Haven in Tau entschieden, um bei gegebenenfalls schlechtem Wetter wenigstens eine schöne Unterkunft zu haben. Sie ist sogar weihnachtlich dekoriert.
Zum Abendessen gibt es Stulle mit Brot und Salat. Danach schicke ich mal wieder eine Bewerbung weg, wir telefonieren mit Marks Eltern und gratulieren meiner Lieblings-Ex-Schwiegermama in Spe und Oma unseres Patenkindes zum Geburtstag 🎈



Wir stellen den Wecker auf 7:30 Uhr, denn wenn nicht alle Stricke reißen, steht eine Wanderung auf dem Programm. Gute Nacht 😴
Wir hatten es ganz fest vor, endlich den Tongariro Alpine Crossing zu machen. 2009 hat es überraschenderweise angefangen zu schneien. Das Problem ist, es gibt nur eine Richtung für die 21 Kilometer mit 800 Metern Aufstieg und 1.100 Metern Abstieg. Wer los läuft, kann nicht umkehren, da am Ende jemand wartet, der einen zum Auto zurückbringt 😬
Die letzten Tage haben wir immer wieder das Wetter gecheckt und es zeichnete sich schon ab, dass das eine ziemlich nasse Angelegenheit werden könnte. Da das überhaupt nicht unser Ding ist, wir wandern nur bei schönen oder zumindest trockenem Wetter, hatten wir uns schon eine gute Alternative überlegt.
Wir stehen mit dem Wecker auf, schmieren Brote für die Tour und starten in Richtung Taranaki Falls und den Tama Lake, die auf dem Tongariro Northern Circuit liegen. Die Sonne lacht, wir sehen den Ruapehu, wie er seine weiße Spitze gen Himmel streckt. Haben wir uns so geirrt? 🤔


Nein! Unsere Unterkunft liegt im Südosten des Parks. Die Taranaki Falls und der Einstieg zum Tongariro Alpine Crossing liegen im Nordosten, fast 60 Kilometer von uns entfernt. Je näher wir dem Startpunkt kommen, desto dunkler werden die Wolken. Das ist kein klassischer Wetterumschwung. Wir fahren schlicht direkt in die Wolken hinein, die sich hartnäckig an Tongariro und Ngauruhoe festsetzen 😶🌫️

So macht das alles kein Sinn. 7 Kilometer hin und zurück zu den Wasserfällen oder sogar 18 Kilometer bis zum Upper und Lower Tama Lakes - und das alles bei Grau, Grau, Grau und Regen, ohne direkte Sicht auf die Vulkane ☔️ Wozu, nur um zu sagen, wir waren da? Nein Danke!
Wir wenden und steuern den Dry Lake und den Lake Rotokura an. Beide liegen wunderschön eingebettet in das dichte Buschland nahe Ohakune. Die Māori nutzen den See traditionell für Zeremonien und zum Meditieren.





Für uns sind die 2 Kilometer Weg das Ziel. Diese Landschaft ist einfach faszinierend, insbesondere im Frühling. Wann habt Ihr zum letzen Mal so leuchtend gelbe und gelb-rote Ginsterbüsche blühen sehen? 🙃




Dazu das Grün der Kiefern, die dicht an dicht hinter einem Hain aus Laubbäumen stehen. Hinter dem Lake Rotokura thront der Ruapehu, der sich, wäre das Wasser spiegelglatt und klar, im See spiegeln würde.





Wir brauchen anstatt gut 1 mal wieder 2 Stunden und das obwohl wir den See nicht mal umrunden. Es liegt auch nicht daran, dass wir auf dem Weg unsere Brote mümmeln. Nein, die Kleinigkeiten entlang des Weges sind Schuld: hier ein Zapfen, dort eine Libelle und dazu die vielen kleinen Farne, die ihre frischen Blätter ausrollen 🥰





Am Eingang zum Lake Rotokura Ecological Reserve stand wieder eines der Schilder, dass Hunde an der Leine zu führen sind, um die Kiwis nicht zu stören.
Wieder stellt sich mir die Frage: Was machen Kiwis eigentlich tagsüber? Die Antwort ist ganz einfach, sie schlafen in Höhlen oder im dichtem Unterholz und erholen sich von ihren langen nächtlichen Spaziergängen. Zum Glück sind die Schafe wach, wenn auch ganz schöne Schisser 😃


Der Tag ist noch jung, also fahren wir weiter zum Lake Rangatauanui. Er ist gut doppelt so groß, dennoch unterscheiden sich die Wälder. Dieser ist wesentlich dichter. Hier dominieren Rimu und Kahikatea Bäume, dazwischen große Silberfarne, die den Bodendecker Schatten spenden 🌳
Genau 2 Menschen mit Hunden kommen uns entgegen. Ansonsten sind wir allein. Die Ruhe ist bemerkenswert, nur Vogelstimmen, das leise Plätschern des Wassers und gelegentlich ein Windhauch.





Das Problem in Neuseeland ist, dass auch die meisten Orte nur aus Cafés und Restaurants, mindestens einer Tankstelle und einem Supermarkt bestehen. Das heißt, Ohakune lädt auch nicht zum Bummeln oder so ein. Ich hole mir einen Dirty Chai Latte bei Nook. Wir schauen nochmal im Supermarkt vorbei und nehmen ein Eis von Duck Island mit 🍨


Wie gut, dass wir wenigstens eine Unterkunft haben, wo wir das schöne Wetter genießen können. Es klingt echt verrückt, aber über uns strahlt schon den ganzen Tag die Sonne ☀️
Dennoch war es die richtige Entscheidung nicht wandern zu gehen, die Webcams entlang der Strecke zeigen das wahre Bild: rund um den Tongariro und Ngauruhoe nur dichte Wolken und Grau, Grau, Grau ☁️
Zum Abendessen gibt es Pasta mit cremigem Pesto, Tomaten und Schafskäse sowie geräucherten Fisch 🐟 Wir machen den sehr leckeren Gin leer und lassen den Abend bei einem Film ausklingen.

Noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben. Neue Chance, der Wecker klingelt um 7 Uhr. Wir checken als erstes die Webcams. Keine Chance, wir sehen nichts 😢
Auch der Ruapehu versteckt sich hinter Wolken. Dann schreiben wir eben Blog und sortieren Fotos aus. Dazu sind wir in den letzten Tagen ja nicht wirklich gekommen.
Irgendwann beschließen wir, dass es gut wäre, wenigstens ein wenig frische Luft zu schnappen. Der Mangawhero Forest in der Nähe des Bahnhofs Ohakune ist dafür genau das Richtige 👍
1,5 Kilometer sollten in 45 Minuten machbar sein. Schließlich handelt es sich um einen kurzen Rundweg mit nur minimalen Höhenunterschieden.


Sobald wir im Wald sind, hat Mark nur noch Augen für Farne und Moose - natürlich durch den Sucher seiner Kamera. Kaum drehe ich mich um, grinst er wie ein Honigkuchenpferd und fotografiert die nächste perfekte Spirale, die sich langsam beginnt auszurollen. Da müsst Ihr jetzt genauso durch wie ich 😅






Es ist so cool, wie begeistert er ist. Diese verschiedenen Grüntöne sind aber auch bezaubernd. Jede Moos- und Farnfläche wirkt wie eine eigene Mikrolandschaft. Dazu noch die beeindruckenden Rimu Bäume und der Bachlauf - ein wunderschöner Spaziergang 😊



Wir schaffen gerade mal die Hälfte, bevor ich Mark an die Hand nehme, um zu verhindern, dass er noch mehr Farne fotografiert. Alles zu seinem Schutz, schließlich sind die Speicherkarten endlich - und ich habe Hunger.




Schneller als gedacht sind wir am Parkplatz. Bis zum Frank’s sind es keine 5 Minuten. Kulinarisch kann sich dieses Kaff wirklich sehen lassen. Wir nehmen die Kartoffelrösti mit Lachs und den Halloumi Burger mit Pesto 😋

Den Rest des Tages verbringen wir in unserer Unterkunft und machen dort weiter, wo wir am Vormittag aufgehört haben. Das Resultat: Wir holen auf. Jetzt fehlen nur noch die Blogbeiträge zu New Plymouth und die Tage hier und wir schließen die Nordinsel mit dem Flug auf die Südinsel ab. Wow, ich bin gerade echt stolz.
Andererseits hätten wir wirklich gerne mehr gemacht: den Tongariro Alpine Crossing, die Tama Lakes oder wenigstens die Taranaki Falls. Es ist schon ein wenig zum Mäuse melken, wenn die Sonne konstant scheint, nur eben nicht da, wo wir sie eigentlich gebraucht hätten 🥴
Schon verrückt, dass wir fast die ganze Zeit die Spitze des Ruapehus sehen und nur ein paar Kilometer weiter zwei perfekte Vulkanriesen komplett in den Wolken verschwinden. So ist das. Du kannst noch so viel planen, das Wetter macht sein eigenes Ding. Und wenn es erst einmal festhängt, tut sich gegebenenfalls den ganzen Tag nichts 🏔️
Den Abend verbringen wir im The Cyprus Tree Restaurant & Bar in Ohakune. Wie gesagt, kulinarisch haben die Kiwis echt was drauf. Die Medaillons vom Wild mit Gratin und Rotkohl sind vorzüglich und die geräucherte Rinderbrust auf dem Risotto mit Pilzen ist super zart 👌


Zu guter letzt verabschiedet sich der Tongariro Nationalpark sogar noch mit einem Sonnenuntergang von uns. Das ist wirklich kurios. Wir werden die Tage in guter Erinnerung behalten und hoffentlich nochmal wiederkommen 🙏

Wir packen unsere Rucksäcke und verstauen auch alles, was die letzten Wochen einfach im Auto mitgefahren ist: Schuhe, Jacken … Es geht zurück nach Auckland und dann weiter mit Air New Zealand nach Christchurch. Dort beginnt dann unser letztes Abenteuer. 4 Wochen mit dem Camper durch den Süden Neuseelands, wir sind schon ganz gespannt 🥰