Picton ist das Tor zu den Marlborough Sounds, einem Labyrinth aus Meeresarmen, Inseln und bewaldeten Hügeln, einer der Höhepunkte Neuseelands.
Wir haben viel vor, weswegen der Wecker klingelt. Der vorhergesagte Mix aus Sonne und Wolken entpuppt sich als ideal für eine kleine Wanderung hoch zum Queen Charlotte Aussichtspunkt. Das Schöne, wir können direkt vom Campingplatz aus starten.


Drei Kilometer geht es durch Wald, leicht bergauf, bis zum Queen Charlotte Viewpoint. Von oben blicken wir direkt auf das blaue Wasser des gleichnamigen Sounds, einen der rund 20 verzweigten Meeresarme der Marlborough Sounds - was für ein Naturschauspiel 🧩




Ein toller Anblick und dennoch nur ein kleiner Ausschnitt der Marlborough Sounds, die mit über 1.500 Kilometern Küstenlinie eine der zerklüftetsten Regionen des Landes ist. Begrenzt werden die Fjorde, die nach der letzten Eiszeit entstanden sind, von dunkelgrünen, bewaldeten Hügeln. So starten wir gerne in den Tag 🌳
Zurück am Campingplatz kappen wir das Stromkabel, sagen den Schafen auf Wiedersehen und fahren kurz zur Waikawa Marina, wo ein Boot neben dem anderen liegt. Klar, wir hätten auch eins, würden wir hier leben, das Wasser ist ruhig genug 😉




Anschließend machen wir noch einen Abstecher zum Marina Reserve Track. Wir parken den Camper direkt am Aussichtspunkt und frühstücken erstmal mit Blick auf den Hafen von Picton ⚓️ Um uns herum schwirrt ein Tui, dem wir amüsiert lauschen. Mark muss immer lachen, wenn ich versuche, seine Geräusche nachzuahmen.




Ein kleines Stück weiter haben wir Blick auf die Shakespeare Bay, wo ein Kreuzfahrtschiff liegt. Zudem ist gerade die Fähre aus Wellington angekommen und wendet, um rückwärts an einem der zahlreichen Piers anzulegen. Schon beeindruckend, wie manövrierfähig diese riesigen Schiffe sind 😳


Zeit für uns, uns den Hafen von Picton mal genauer anzuschauen. Das kleine Hafenstädtchen am Kopf des Queen Charlotte Sound wirkt aufgrund der vielen Passagiere des Kreuzfahrtschiffs fast geschäftig 🙃🙂




Gegen 13 Uhr checken wir ein. Für uns geht’s mit dem Postboot von Beachcomber Cruises durch die Sounds. Das Besondere an der Tour: Die Route richtet sich danach, wo Post, Pakete und Lebensmittel benötigt werden, das heißt, es steuert jeden Tag andere der entlegenen Buchten an.


Wir beginnen mit der Shakespeare Bay und werfen ein Blick auf das Kreuzfahrtschiff Anthem of the Seas von Royal Caribbean. Der Koloss, befestigt mit meterlangen Stahlseilen, liegt in der Bucht, als hätte es jemand vergessen. Aber das pure Gegenteil ist der Fall, es hat mal eben bis zu 4.900 Passagiere ausgeschüttet, die gerade Picton und vermutlich die Weingüter rund um Blenheim unsicher machen 🍇




Weiter geht’s in Richtung Ruakākā Bay. Schon nach wenigen Minuten wird uns klar, warum die Sounds so besonders sind. Das Wasser ist fast klar, entlang der dicht bewachsenen Hügel tauchen immer wieder kleine Buchten auf, wovon viele nur mit dem Boot oder Kajak zu erreichen sind 🛶
Zwischendurch tauchen immer wieder einzelne Häuser auf, jedes mit eigenem Steg. Manchmal erwartet schon jemand sehnsüchtig seine Post und nimmt sie direkt entgegen, manchmal wird sie einfach an einem Pfeiler befestigt oder auf dem Steg abgelegt.





Unser Skipper erzählt uns, dass dieser Service seit den 1960er Jahren zum Alltag der Bewohner gehört. Viele der Buchten haben bis heute keine Straßenanbindung, weshalb das Postboot für manche Haushalte die wichtigste Verbindung zur Außenwelt ist. Außerdem ist es erstaunlich günstig. Ein normales Paket kostet nur 5 NZ-Dollar, da lohnt es sich kaum, das eigene Boot zu benutzen, selbst wenn man eines hat 🤫
Für uns ist es die schönste Art, die Sounds wirklich zu erleben, zumal die Zeit keine Rolle zu spielen scheint. Während wir durch die Ruakākā Bay schippern, zeigt uns der Skipper eine Lachsfarm, die größte Neuseelands, und erzählt, dass die Sounds einer der wichtigsten Standorte für Aquakultur sind. Rund 60 Prozent der landesweiten Greenshell Mussels und des King Salmon stammen aus dieser Region 🇳🇿




In der Bay of Many Coves tauchen plötzlich Delfine auf, keine großen Gruppen, sondern einzelne, flinke Schatten im Wasser, die das Boot begleiten. Sie wirken neugierig und freundlich, unter ihnen sind Mütter mit Kälbern – wie süß 🥰
In den Sounds leben bis zu 5 verschiedene Delfinarten, darunter Dusky Dolphins, die besonders akrobatisch sind, und Hector Delfine, eine der seltensten Delfinarten der Welt 🌍





Je weiter wir fahren, desto deutlicher spüren wir, wie unberührt die Region ist. Dank der starken Gezeitenströmungen, die das Wasser ständig erneuern, gehören die Marlborough Sounds trotz Lachs- und Muschelfarmen sowie Schiffsverkehr zu den saubersten Küstengewässern Neuseelands.




Auf der Rückfahrt sammelt das Boot noch Gepäck von Wanderern ein, die den 70 Kilometer langen Queen Charlotte Track laufen. Wir beobachten wie Rucksäcke mit maximal 20 Kilogramm pro Stück und mit Regenhülle sicher verstaut werden. Ein Service, den wir bei einer mehrtägigen Wanderung auch in Anspruch nehmen würden 👌


Was für eine coole Tour. Nach über 3,5 Stunden sind wir zurück im Hafen, wo nichts mehr los ist. Mark fotografiert noch einen wunderschön blühenden Pōhutukawa, Neuseelands Ersatz für Weihnachtssterne. Unfassbar, wie die Zeit vergeht, in 3 Tagen ist schon der 2. Advent.



Den Abend lassen wir gemütlich auf dem Campingplatz vom Parklands Marina Holiday Park ausklingen. Die fertig gekaufte Nudelsauce ist nicht wirklich ein Hit, aber da müssen wir jetzt durch. Wir mischen ein bisschen Aprikosen-Chutney unter … dann passt es.



Schnell noch den Wecker stellen und dann ab ins Bett. Der Wind hat zum Glück nachgelassen, so dass nichts gegen eine ruhige Nacht spricht 🌙
Genauso haben wir uns das vorgestellt. Die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel. Das Wetter ist perfekt für eine 2. Tour mit Beachcomber Cruises. Wir checken ein, holen einen Cappuccino und streifen bis zur Abfahrt noch kurz durchs Städtchen.





Wir haben lange hin und her überlegt, welche Tour die Richtige ist und uns schlussendlich für die Kombination Vogelinsel und Captain Cook’s Monument entschieden. Um 8 Uhr geht’s los 🛥️


Wir fahren weiter hinaus in die Sounds, die durch das „Ertrinken“ alter Flusstäler entstanden sind. In dem Moment, als der Meeresspiegel anstieg, bildete sich dieses wunderschöne Labyrinth aus Meeresarmen, Inseln und bewaldeten Hügeln.
Wir haben uns fest vorgenommen, keine Bilder mehr von der Natur entlang der Küstenlinie zu machen, sondern uns ganz auf die Inseln zu konzentrieren, die wir etwa 60 Minuten später erreichen 🙂
Motuara ist ein Schutzgebiet und Teil eines Programms zur Wiederansiedlung seltener Vogelarten. Seit 1991 ist die Insel frei von Räubern, so dass sich unter anderem der North Island Saddleback und der Kiwi angesiedelt haben 🤫




Während der Saddleback tagsüber in Wäldern und Gebüschen unterwegs ist und nach Nahrung sucht, zumindest hören wir ihn lautstark cheet te-te-te-te rufen, versteckt sich der Kiwi weiterhin. Um ihn nicht zu stören, ist das Betreten der Insel auch in den Abend- und Morgenstunden verboten.
Der Weg zum Aussichtsturm ist gut ausgebaut und führt durch dichtes Grün. Plötzlich hüpft ein South Island Robin so nah an uns heran. Warum tut er das? Er ist hungrig und hofft, dass wir Insekten aufgescheucht haben. Ganz schön clever der kleine Kerl 😊






Da ich von Hause aus neugierig bin, entdecke ich in einer Nistbox ein Nest mit Eiern von Little Blue Penguins, den kleinsten Pinguinen der Welt. Sie sind nur etwa 25–30 Zentimeter groß und wiegen rund 1 Kilogramm 🪺
Während sie tagsüber Fische fangen, lassen sie ihre Eier in Höhlen, unter Felsen oder in Nistboxen unbeaufsichtigt. In der Dämmerung kehren beide Eltern zurück und brüten abwechselnd, bis die Küken in bis zu 40 Tagen schlüpfen 🐣


Was uns besonders fasziniert, trotz ihrer Größe können die Little Blue Penguins bis zu 1,5 Kilometer landeinwärts und sogar 300 Meter hoch klettern, um Nistplätze wie diese Box zu erreichen. Das dauert natürlich seine Zeit, dennoch hätten wir dieses watschelnde Kunststück gerne gesehen ☺️
Oben am Aussichtsturm angekommen, blicken wir über mehrere Sounds gleichzeitig. Dieses Labyrinth aus Wasser und Wald ist einfach faszinierend, keine sichtbaren Straßen, kein Lärm, nur Natur und das Gezwitscher der Vögel. Wir erkennen aufgrund der klaren Sicht sogar die Nordinsel in der Ferne, das ist nur möglich, weil die Luftfeuchtigkeit in den Sounds extrem niedrig ist.


Der Aufenthalt ist mit 60 Minuten definitiv zu kurz. Um vielleicht doch noch einen North Island Saddleback vor die Linse zu bekommen, bräuchten wir mindestens 2 Stunden 😓
Der Landgang am Captain Cook’s Monument fällt mit nur 20 Minuten sogar noch kürzer aus. Echt schade, schließlich ankerte schon James Cook mehrfach auf dieser Insel, um Wasser zu holen und Reparaturen durchzuführen.




Das Wenige, was wir sehen, ist überwältigend. Wir erfreuen uns vor allem an den Wekas, die super neugierig sind. Diese flugunfähigen hühnergroßen Rallen sind bis zu 60 Zentimeter groß und wiegen gute 1,5 Kilogramm. Sie haben kräftige Beine, rote Augen und ein braunes Federkleid. Es klingt super witzig, wenn ein Paar anfängt, ein Duett zu singen 🎶
Sie rufen abwechselnd in einem bestimmten Rhythmus, um zu zeigen, ich bin bereit mich zu binden oder zu sagen, hau ab, das ist mein Territorium. Zudem sind sie gut zu Fuß. Sie wandern bis zu 14 Kilometer und durchwühlen dabei allesfressend das Laub nach Beute wie Früchten, Eiern, kleinen Wirbeltieren, Aas, Brot, Keksen etc.




Wir hätten die Tour doch komplett individuell planen oder mit Eko Tours machen sollen. Die bleiben sowohl auf Motuara als auch in der Ship Cover länger. Was uns abgehalten hat? Ganz ehrlich, sie wollten pro Person das 3-fache haben 💰
Im Nachhinein sind wir schlauer. Das nächste Mal machen wir auf jeden Fall die Wanderung zum Wasserfall und zum Aussichtspunkt oder nehmen sogar einen Teil des Queen Charlotte Tracks in Angriff. Die 12 Kilometer vom Jetty der Furneaux Lodge bis zur Punga Cove wären auf jeden Fall in 4-5 Stunden machbar ✌️
Alles in allem dauert die Tour fast 4,5 Stunden, wobei wir über die Hälfte der Zeit nur Gepäck und Wanderer einsammeln. Das wäre sicherlich auch interessant, hätten wir die entsprechenden Buchten nicht schon abgegrast 😓




Zurück in Picton gönnen wir uns ein Eis von Kapiti und Mark kauft sich noch eine kuschelige Outdoor Jacke für den Süden.


Wir sagen erstmal Tschüss und hören uns in Nelson wieder 🤗