Frische Greenshell Mussels, eine historische Telegrafenkabelstation und die Stadt mit den meisten Sonnenstunden erwarten uns.

Wir sind auf dem Weg nach Nelson, allerdings nicht über den berühmten Queen Charlotte Drive. Die landschaftlich sehr schöne Strecke mit türkisfarbenen Buchten und Wasserfällen ist einfach zu kurvig und eng für einen Camper wie unseren. Bis vor Kurzem war sie sogar aufgrund von Erdrutschen gesperrt. 

Den kleinen Umweg von 26 Kilometer nehmen wir für unsere eigene Sicherheit und ein entspannteres Fahren gerne in Kauf, zumal er vermutlich sogar schneller ist.

Da es bis dato nur ein Eis gab, okay und einen Cappuccino, stoppen wir bei Mills Bay Mussels in Havelock. Die frischen Greenshell Mussels direkt aus den Marlborough Sounds auf den Teller sind ein Muss - zumindest für mich. Mark nimmt Fish & Chips 😉

Die Muscheln mit ihrer grünen Schale sehen toll aus und schmecken gratiniert mit einer Kruste aus Zitrone, Knoblauch und Panko super lecker. Warum habe ich nur 6 Stück bestellt? 🤔 

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So frisch wie in Havellock, der „Mussel Capital of the World“, gibt es sie selten. Die Region beliefert dank einer modernen Muschelzucht über 40 Märkte weltweit. Klar,die Marlborough Sounds, das verzweigte Netz aus geschützten Buchten, sorgen für ruhiges Wasser, das ideal für die Aufzucht ist. Dazu kommen nährstoffreiche Strömungen, kaum industrielle Belastung und stabile Wassertemperaturen als ideale Wachstumsbedingungen für die Miesmuscheln. 

Nach diesem kulinarischen Genuss geht’s weiter Richtung Pelorus Bridge. Der Wanderweg ist leicht, allerdings nach dem Regen an manchen Stellen noch recht nass. Die 2,5 Kilometer führen durch einen beeindruckenden Wald mit Farnen und Pinien sowie entlang von klarem Wasser und kleinen Wasserfällen 🚐 

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Die Gegend ist vor allem bei Filmfans  bekannt: Teile von „Der Hobbit“ wurden hier gedreht. Wir machen einen Abstecher zum Fluss, wo Mark natürlich baden geht. Mir ist das Wasser schlichtweg zu kalt 🥶

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Der Cable Bay Holiday Park liegt etwas abgelegen, gut 20 Kilometer außerhalb der Stadt. Dafür mitten in der unberührten Natur der Cable Bay mit Zugang zu Pepin Island. Wirklich ein schönes Plätzchen, was Bert und Matt besitzen, klein, aber fein.

Bevor wir die Bucht erkunden, gibt es erstmal einen Chai Milchshake, einen Iced Dirty Chai Latte und ein Stück Schokokuchen im Cable Bay Café. Wir haben Glück, das Annette geöffnet hat. Bis auf Freitags schließt sie nämlich schon um 14:30 Uhr - wie fast alle Cafés.

Sie kommt aus der Schweiz🇨🇭Haben die Schweizer bessere Möglichkeiten in Neuseeland Fuß zu fassen oder hat sie einfach einen Kiwi geheiratet? Ihr seht, wir suchen immer noch nach Möglichkeiten. Bezahlbare Immobilien gäbe es genug, wenn es nicht gerade Auckland, Wellington, Christchurch oder Queenstown sein muss.

Während wir Kaffee und Kuchen in der Sonne genießen, leistet uns ein sehr hübsches, aber, wie wir später erfahren, schon recht altes Huhn Gesellschaft. Es fühlt sich sichtlich wohl in unserer Nähe und macht erst mal ein Nickerchen 🐓

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Anschließend spazieren wir zur Bucht. Der Anblick ist kurios. Da Ebbe ist, liegen die Boote auf der einen Seite auf Grund, während auf der anderen Seite Menschen im klaren Wasser baden oder sich an dem Kiesstrand sonnen. Die Straße dazwischen wirkt wie ein natürlicher Wellenbrecher.

Der Name „Cable Bay“ stammt übrigens von der historischen Telegrafenkabelstation, die mit dem ersten Unterwasserkabel die Kommunikation zwischen Australien und Neuseeland ermöglichte. Wer hätte das gedacht, wir stehen auf einem Meilenstein der Geschichte 🙃🙂

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Wir laufen entlang des Cable Bay Walkways zum Aussichtspunkt. Von oben haben wir eine  überwältigende Sicht über die geteilte Bucht, Pepin Island und die Hügelketten im Landesinneren. Würde die Sonne im Meer versinken anstatt sich hinterm Sentinel Hill davon zu schleichen, wäre das der perfekte Ort für den Sonnenuntergang ☀️

Wir halten kurz inne und genießen diesen Rundblick von 360 Grad. Manchmal fragen wir uns, wie muss es hier wohl vor 600 Jahren ausgesehen haben, als es am Ende der Bucht bei Pepin Island noch das Dorf der Moa Jäger, einem Stamm der Mãori, gab, die in einem roten See bei Ebbe Krabben und Seesterne gesammelt haben 🧐

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Heute gehört Pepin Island ebenso wie das Land um uns herum zu einer privaten Schaffarm mit über 2.000 Tieren. Wir sehen nur eine Handvoll, die gerade auf dem Hügel grasen. Sie sind noch ungeschoren, aber nicht mehr lange, dann kommt die Wolle ab und wird zu Merino verarbeitet 🧶

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Zurück auf dem Campingplatz gibt es kalte Küche. In Havellock haben mich nämlich nicht nur die Muscheln angelacht, sondern auch ein Stück geräucherter Lachs mit Manukahonig und Kräutern 😜

Ja, wir lassen es uns gut gehen. Der Riesling von Mount Riley ist erstaunlich gut. Mark hat ihn einfach mal so mitgenommen und damit ein gutes Händchen bewiesen. So langsam haben wir unsere Weine gefunden: Grauburgunder von Wairu River, Savingnon Blanc von Oysterbay, Riesling und The Bonnie von Mount Riley sowie einen Rosé von Pā Road - eine gute Auswahl aus Marlborough 🍇

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Ich hoffe meine gefühlt 20.000 Stiche lassen mich schlafen. Sie jucken nämlich wie die Pest. Einige habe ich schon länger. Keine Ahnung, was es genau ist. Vermutlich Sandflies, winzige schwarze Mücken 🦟 

Die Nacht war besser. Mark’s Salbe aus Bali scheint zu helfen - ist vermutlich Cortison drin. Wie so oft kredenzt mir mein Mann einen Dirty Chai, bevor er sich rasieren geht. Er hat ein bisschen Bedenken, dass er diesen Service dann Zuhause weiterführen muss. Schauen wir mal 😅

Da Samstag ist, statten wir natürlich dem Nelson Market einen Besuch ab. Parken ist mal wieder eine Herausforderung. Denn je nach Größe brauchen wir schon 2 bis 4 reguläre Parkplätze. Wie gut, dass es in der Nähe einen großen Supermarkt gibt 🙏

Der Markt ist gut besucht und alles andere als touristisch. Die Auswahl reicht von Handwerk über Streetfood bis hin zu Obst, Gemüse, Kunst und Musik. Wir kaufen ein wenig ein, als uns plötzlich Monique und Stephan von @erst.mal.reisen ansprechen. Wie witzig, ich hatte ihnen vor ein paar Tagen geschrieben, wo wir wann in etwa sind 😃 

Die beiden sind auch seit Juli 2025 unterwegs. Allerdings machen sie 12, nicht nur 6 Monate. Ihr Motto beim Reisen „Erstmal haben“. Was es damit auf sich hat und wie es dazu kam, erfahrt Ihr auf ihrem Blog https://www.erstmalreisen.de/ 

Wir quatschen kurz. Die beiden kommen gerade aus Südamerika. Das steht auch noch auf unserer Bucket List, ist aber sprachlich und finanziell eine ganz andere Hausnummer, insbesondere Argentinien 🇦🇷 und Chile 🇨🇱

Für sie geht’s jetzt Richtung Auckland. Sie überführen einen Camper. Auch ne coole und vor allem günstige Sache. Nachteil: Sie haben nur 5 Tage Zeit auf der Nordinsel. Danach fliegen sie auf die Fidschi Inseln 🇫🇯 Wir werden ihnen definitiv weiter folgen.

Nachdem wir unsere Einkäufe erledigt haben, stärken wir uns noch. Mark entdeckt einen Stand mit Bratwürsten und Leberkäse. Das muss jetzt einfach mal sein. Wir nehmen auch noch ein Stück frische, grobe Leberwurst mit. Irgendwie fügt sich immer alles, vor ein paar Tagen hat er geäußert, dass er darauf mal wieder Lust hätte 🙃

Mich zieht es zum Stand mit Fisch und Meeresfrüchten. Ich entscheide mich für ein Omelette aus Miesmuscheln und Pāua, die neuseeländische Abalone. Die Meeresschnecke gilt als Delikatesse und ist eine echte Rarität. Sie darf derzeit nur sehr begrenzt gesammelt werden: 5 Stück pro Person und Tag mit einer Mindestgröße von 12,5 Zentimetern.

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Die restlichen Vorräte stocken wir im Supermarkt auf und nehmen gleich noch einen kleinen Weihnachtsbaum, passende Kugeln und eine Lichterkette mit, schließlich verbringen wir noch viele Abende im Camper 🎄 

Amsonsten bleibt nicht viel Zeit für Nelson, der sonnigsten Stadt Neuseelands, die bekannt ist für Kunst und Handwerk. Sogar der Ring für „Der Herr der Ringe“ wurde hier gefertigt 🔨 

Da die Sonne gerade so schön scheint, machen wir noch einen Abstecher zum Tahunanui Beach, wo wir erstmal ein Eis essen - Real Fruit Eiscreme, eine Mischung aus Vanille- oder Joghurteis mit gefrorenen Früchten nach Wahl. Himbeere, Boysenbeere, Erdbeere oder Blaubeere stehen zu Auswahl 🍓 Na, was wäre Eure Wahl?

Der breite, helle Sandstrand lädt erstmal zu einem Spaziergang ein. Anhand der Besucher ist klar, der Sommer lässt nicht länger auf sich warten, die Temperaturen klettern über 20 Grad. Zudem ist die Tasman Bay für ihre stabilen Wetterverhältnisse bekannt, was Strände wie den Tahunanui zu den beliebtesten der Südinsel macht 🏖️ 

Auch Mark nutzt natürlich die Gelegenheit und springt ins Meer. Es ist wesentlich wärmer als zum Beispiel der Pelorus River.

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Diese Landschaft ist und bleibt einfach unbeschreiblich schön. Die Strecke Richtung Abel Tasman führt entlang von Obstplantagen, durch Weinberge wie die vom Seifried Estate und kleine Dörfer - dazu links grün-braune Hügel und rechts die Tasman Bay mit direktem Zugang zum offenen Meer. Außerdem ist die Region eines der wichtigsten Anbaugebiete für Hopfen, was erklärt, warum Craft Beer und Cider an fast jeder Ecke auftauchen 🍻

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Der Tag endet auf der Old MacDonalds Holiday Park. Warum habe ich nur einen Ohrwurm und summe die ganze Zeit: „Old MacDonald had a farm ee, I, ee, I o …“ 🎶 Wir teilen uns einen Cheesescone und stoßen mit einem Gin Tonic aufs Wochenende an.

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Anschließend erkunden wir das Gelände und spazieren durch den Bambuswald, der in einen Urwald mit tollen Farnen und einem 400 Jahre alten Baum übergeht. Für Glühwürmchen ist es noch zu früh. Vielleicht kommen wir später noch einmal wieder 😊

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Der Campingplatz ist echt riesig. Wir schauen noch am Fluss vorbei. Doch da ist es uns zu trubbelig. Außerdem wollen wir die 3 Pärchen nicht stören, die sich von Papa oder Mama das Auto ausgeliehen haben, um am Wochenende zu zelten ⛺️

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So bald die Sonne weg ist, wird es frisch. Wir nehmen zum ersten Mal unseren Backofen in Betrieb mit dem Resultat, dass die Pies oben schwarz und unten noch kalt sind. Gar nicht so einfach, nur mit Gas und Oberhitze zu backen 🫣

Gut, dann eben doch Mikrowelle. Glücklicherweise lässt sich die verkohlte Schicht Blätterteig einfach abheben. Das gegrillte Gemüse ist jedenfalls 1A und passt super dazu. Zum Nachtisch gibt es Schokolade, die leckere dunkle mit Salted Caramel 🍫

Mark sortiert noch Fotos aus und favorisiert die Bilder für den Blog. Ich schreibe derweil fleißig. Gibt ja einiges nachzuholen. Irgendwann heißt es dann ab ins Bett. Morgen früh klingelt sicherheitshalber der Wecker. Es geht in den Abel Tasman 17 Kilometer wandern 🥾