Das Schönste nach einer Wanderung ist Entspannung in heißen Quellen und die beste Art Pause zu machen ein kleines schnuckliges Städtchen.

Die Nächte im Camper sind erstaunlich ruhig. So langsam haben wir uns auch an den beschränkten Platz mit lauter Besucherritzen gewöhnt. Eine durchgehende Matratze hätten wir nur über dem Fahrerhaus, aber da ist es noch enger, insbesondere die Höhe ist mit 50 Zentimetern sehr begrenzt 😬

Wir schlafen ohne Wecker so bis 8 Uhr. Perfekt, um in den Tag zu starten - oder nicht, Papa 😅 Wir verstauen alle unsere 7 Sachen, stöpseln uns ab und lassen den Abel Tasman sowie Küste und Meer hinter uns. Vor uns liegen rund 320 Kilometer, gute 4,5 Stunden ohne Pause, in denen sich die Landschaft Schritt für Schritt verändert.

In Murchison frühstücken wir im Rivers Café. Es ist gut besucht, dementsprechend dauert es etwas länger. Just in dem Moment, wo wir nachfragen wollen, kommen der Pie und die Quiche mit Lachs an Salat.

Kurz Zeit später biegen wir zu den Maruia Falls ab. Der Wasserfall ist rund 10 Meter hoch und wirkt für seine Größe erstaunlich kraftvoll. Entstanden ist er 1929 nach einem Erdbeben, das den Lauf des Maruia River veränderte. Ein Stopp, der sich definitiv lohnt, vor allem nach Regen 😉

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Weiter geht’s Richtung Lewis Pass. Diese Route ist eine der drei Hauptverbindungen zwischen der Ost- und Westküste. Hier auf knapp 900 Metern Höhe ist es zum einen kühler, zum anderen wirkt alles weiter und klarer.

Den Parkplatz zum Alpine Nature Walk haben wir schlicht weg übersehen. Mark, weil er aufgrund der kurvigen Strecke sehr konzentriert fahren muss und ich, weil der Blog ruft. Diese Fahrtage nutze ich meisten, da wir sonst nie auf einen grünen Zweig kommen 😓

Als es uns auffällt, ist es leider auch zu spät umzudrehen. Wir halten bei nächster Gelegenheit dennoch am Straßenrand, um wenigstens einen Blick auf die tolle Landschaft mit Tussockflächen und subalpinen Wälder zu werfen, und kurz die klare Sicht auf die umliegenden Gipfel zu genießen 😌 Schade, dass wir die 20-minütige Wanderung verpasst haben, die wäre sicher noch beeindruckender gewesen.

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Am Nachmittag erreichen wir Hanmer Springs. Der Ort liegt eingebettet am Fuß der Southern Alps und strahlt mit seinen breiten Straßen und viel Grün sofort diese typische Ruhe von Kurorten aus. Da das Wetter noch mitspielt, nutzen wir den Mix aus Sonne und Wolken für einen ersten Spaziergang 🥾

Warum sind eigentlich die interessanten Wege so oft gesperrt? Das hatten wir auf der Nordinsel doch nun wirklich ausreichend, oder? Diesmal ist es der Hanmer Forest Amble Walk. Den Weg durch den Wald, der wegen seiner Skulpturen aus Holz ein Highlight sein soll, dürfen wir aufgrund umgestürzter Bäume nicht betreten 😢

Gut, dann weichen wir eben auf den Woodland Track aus. Der ist mit 2 Kilometern ähnlich lang und genau das Richtige, um sich nach der langen Fahrt die Füße zu vertreten 👣 

Der Weg führt zunächst durch einen Park, vorbei an Teichen, Bachläufen und einzelnen, ungewöhnlichen Bäumen. Na, hättet Ihr die Kirschpflaume, die Blaue Atlaszeder, die Schwarze Walnuss oder die Edeltanne anhand ihrer Blätter oder Nadeln erkannt? Wir jedenfalls nicht, kleine Schildchen verraten die Namen 😂 

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Gepflanzt wurden sie zwischen 1901 und 1913 von Gefängnisinsassen. Gleiches gilt übrigens für den angrenzenden Wald mit seinen Riesenmammutbäumen, Douglasien, Kiefern und Eukalypten. Das damalige Gefängniscamp sollte das karge Grasland bewalden, Holz gewinnen und die Erosion eindämmen 🙃🙂

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Das dichte Blätterdach vermittelt uns sofort dieses Gefühl von Ruhe und Größe, das den Wald so besonders macht. So langsam dämmert uns, warum der andere Track gesperrt ist. Auch in diesem Abschnitt müssen wir über Bäume klettern oder drunter durch krabbeln 😱

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Anschließend checken wir im Alpine Adventure Holiday Park ein. Der Campingplatz ist ruhig gelegen inmitten der Berge und sehr gut ausgestattet. Dazu bei Sonne morgen mehr 👍

Leider schwirren hier auch super viele Sandflies herum. Die kleinen Biester lieben feuchte, bewaldete Regionen. Sie sind winzig und super hartnäckig. Ihre Stiche jucken wie Hölle. Ich habe mindestens 20 Stück und die seit Tagen 🦟

Zumindest am Abend wechseln wir auf lange Kleidung und wenn ich daran denke, sprühe ich meine Füße auch mit Nobite ein. Doch irgendwie nützt das alles nichts. Die nerven uns so sehr, dass wir tatsächlich zum ersten Mal im Camper kochen. Es gibt Butter Chicken auf Reis und Salat 👌 

Wie Ihr seht, haben wir auch die Lichterkette angebracht und erfreuen uns jeden Tag an unserem kleinen, aber süßen Weihnachtsbaum 🎄

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Die nächsten Tage sind unsere Pläne überschaubar. Wir lassen uns ein wenig vom Wetter leiten. Scheint die Sonne, klingelt der Wecker, regnet es, schlafen wir aus.

Hanmer Springs zeigt sich mit dem typischen Mix aus Sonne und Wolken von seiner besten Seite. Eilig haben wir es dennoch nicht. Ich genieße meinen Kaffee in der Sonne, Mark springt in den Pool und anschließend frühstücken wir gemütlich. Der Campingplatz lädt echt dazu ein 🌤️

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Gegen Mittag schnüren wir unsere Wanderschuhe für den Conical Hill Track. Der Aufstieg ist moderat, 3,2 Kilometer hin und zurück, mit rund 120 Höhenmetern. Der Weg führt durch schattigen Wald, vorbei an hohen Westlichen Hemlocktannen, Riesen-Tannen und anderen Nadelbäumen, deren Wipfel sich über uns wölben 🌲

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Oben angekommen, lassen wir den Blick über die umliegenden Hügel und Wälder schweifen. Die Stadt wirkt klein so eingerahmt von Bergen. Auf jeden Fall ist die Aussicht jeden Schritt des Aufstiegs wert.

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Zurück im Ort gibt es erstmal ein Eis. Wieder einmal treffen wir auf einen Deutschen, genauer gesagt einen Berliner. Er ist ganz überrascht, als wir ihm erzählen, dass es für uns gar nicht so einfach ist, nach Neuseeland auszuwandern.

Er versteht die Welt nicht mehr, denn seit 2024 wirbt die Regierung offiziell für Zuwanderung allerdings nur in China und Indien. Grund dafür ist, dass vor allem die Kiwis nach Australien auswandern, weil sich viele den Traum vom eigenen Haus schlichtweg nicht mehr von ihrem Gehalt leisten können 😳

Um 15 Uhr haben wir Tickets für die Hanmer Springs Thermal Pools & Spa gebucht. Die heißen Quellen wurden 1859 zufällig von Schafhirten entdeckt. Die Anlage ist echt groß und seit über 125 Jahren das Herz des Ortes.

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Neben verschiedenen Becken mit Temperaturen von 36 bis 42  Grad gibt es zusätzlich Rutschen, Saunen und Massagen. Wir probieren erstmal die Rutschen aus, bevor wir in den heißen Quellen entspannen und unsere Körper mit Mineralien wie Hydrogencarbonat, Bor und Calcium sowie weitere Spurenelemente verwöhnen.

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Abends kochen wir wieder. Diesmal gibt es Fisch aus dem Airfryer an Kartoffelbrei und Zucchini. Wir können sogar draußen essen. Die Sandflies machen scheinbar noch einen Ausflug 🤣

Bei einem Gin Tonic lassen wir den Abend ausklingen, der mit einem wunderschönen Sonnenuntergang endet.

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Neuer Tag, neues Glück und weitere 300 Kilometer weiter Richtung Süden. Die Strecke Richtung Lake Opuha gehört zu den abwechslungsreichsten auf der Südinsel. Zuerst rollen wir über die flachen Canterbury Plains, vorbei an breiten Flüssen und grünen Wiesen 🐑

Unser erster Halt ist in Rolleston. Im Woolworths decken wir uns mit Vorräten für die kommenden 4 Tage ein: frisches Obst und Gemüse, Brot, Aufstriche, Lachs und Lamm, dazu Saft, Cola und Tonic sowie Kekse und Schokolade.

Rund um den Lake Tekapo und den Mount Cook sieht es nämlich echt mau aus mit größeren Supermärkten, und wir haben keine Lust, unterwegs auf teure Spontankäufe zurückgreifen zu müssen 😎

Mit der Zeit wird die Landschaft hügeliger, die Ausläufer der Südalpen begleiten uns nun über weite Strecken. Zwischendurch ist es zudem so windig, dass mal wieder unser ESP ausfällt. Nicht schön, aber wir wissen uns mittlerweile zu helfen. Einfach anhalten, Motor aus, kurz warten, weiter geht’s 🥳

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Am frühen Nachmittag erreichen wir Geraldine, gerade noch rechtzeitig, um im Verde Café zu frühstücken. Das Café hat einen wunderschönen Garten, sodass wir den Butterfisch und die Rösti aus Muscheln draußen in der Sonne genießen ☀️ 

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Danach schlendern wir eine Runde durch dieses kleine, kulinarische Örtchen. Es ist wirklich ein Juwel mit seinen rund 3.500 Einwohnern und den gut erhaltenen Häusern aus dem 19. Jahrhundert.

Im Barker’s Foodstore & Eatery, einem Laden der neuseeländischen Marke Barker’s, die für hochwertige Zutaten, handwerkliche Rezepte und kreative Gerichte steht, können wir uns nicht zurückhalten. Wir probieren uns durchs Sortiment und nehmen glatt ein weiteres Dressing und zwei Dessertsaucen mit 🫣

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Ein absolutes Highlight ist der Käseladen. Vom cremigen Brie über würzigen Blue Cheese bis hin zum klassischen Cheddar stammen alle Käsesorten von Milch lokaler Farmen, werden in kleinen Chargen traditionell von Hand hergestellt und reifen teilweise mehrere Monate. Das ist ein echtes Muss für Käseliebhaber wie uns 😊

Was auch nicht fehlen darf, ist ein Besuch bei Humdinger Gin, einer kleinen Craft-Destillerie. Wir probieren die Gins mit regionalen Botanicals und kaufen eine Flasche als Erinnerung. Mark beschließt noch vor Ort, die wird nicht geteilt 😂

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Geraldine entpuppt sich als absolute Überraschung: kulinarische Vielfalt, regionale Produkte und kleine Manufakturen – was wollen wir mehr?

Eine Tankstelle … Auch die gibt es hier, sogar die bislang günstigste auf der ganzen Südinsel. Für 1,78 NZ-Dollar den Liter Diesel tanken wir direkt voll⛽️

Nach knapp vier Stunden Fahrt erreichen wir den Lake Opuha. Der Campingplatz liegt direkt am See. Hoffentlich klappt es diesmal besser mit dem Freedom Camping. Auf jeden Fall haben wir schon mal Strom 👍

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Wir genießen den Ausblick aufs Wasser und lassen den Tag bei einem einfachen Abendessen ausklingen.