Von türkisblauem Wasser über blühende Lupinen bis zum endlosen Sternenhimmel, am Lake Tekapo zeigt sich Neuseeland von seiner schönsten Seite.

Wie erwartet regnet es noch. Das heißt, wir können uns Zeit lassen. Da wir auf einem Freedom Camping stehen, funktionieren zwar der Wasserkocher und die Mikrowelle nicht, dafür aber der Gasherd, sodass ich auf meinen Dirty Chai nicht verzichten muss ☕️ 

Diesen genieße ich im Bett mit Blick auf den See, während Mark fleißig Ausflüge bucht und den nächsten Campingplatz um eine Nacht verlängert. Ja, so ein persönlicher Reiseleiter ist schon echt eine feine Sache und ich liebe ihn ❤️

Zu unserem nächsten Ziel, dem Lake Tekapo, sind es keine 60 Kilometer. Wir starten gegen 11 Uhr. Die Straße führt durch weite, offene Landschaften, sanfte Hügel und trockene Felder. Am Horizont tauchen immer wieder schneebedeckte Gipfel auf, ein Zeichen dafür, dass wir uns so langsam Richtung Hochland bewegen 🙃🙂

Wir halten am Kunstwerk Mahi Toi. Es markiert gewissermaßen den Eingang in die Region Mackenzie und entstand in Zusammenarbeit mit den Ngāi Tahu, den sogenannten Hütern dieser Region.

Die Skulptur erzählt von alten Pfaden, von Vorfahren und der Geschichte dieses Landes. Daneben steht die Inschrift „Nau Mai Tauti Mai“. Das bedeutet Willkommen und erinnert an die tiefe Verbindung der Māori zu diesem Ort 😊

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Kurz darauf erreichen wir den Lake Tekapo. Der türkisfarbene See liegt auf rund 710 Metern Höhe und gehört mit seinen etwa 83 Quadratkilometern zu den größeren Gletscherseen der Mackenzie Region.

Seine außergewöhnliche Farbe verdankt er winzigem Gesteinsmehl, das die Gletscher der Südalpen ins Wasser spülen. Je nach Lichteinfall schimmert er mal in sanftem Türkis, mal in tiefem Blau 🧊 

Jetzt im Dezember blühen rund um den See die berühmten Lupinen. Eine faszinierende Farbenpracht aus Lila, Rosa und Weiß, die wunderbar mit den Blautönen des Wassers harmoniert🪻

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Wir frühstücken kurz im Camper und widmen uns dann der Church of the Good Shepherd, die etwas erhöht direkt am Ufer des Sees steht. Die Kirche wurde 1935 errichtet und war das erste Gotteshaus im Mackenzie District. Sie entstand als Denkmal für die frühen Siedler der Region. 

Der Altar ist so ausgerichtet, dass der Blick durch das große Fenster auf den Lake Tekapo und die Südalpen fällt. Besichtigen können wir sie leider nicht, da gerade eine Hochzeit stattfindet 💍

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Während drinnen geheiratet wird, machen wir uns bereit für die nächste Etappe. Wir schnüren unsere Wanderschuhe für den Mount John Trail und laufen entlang des Sees, vorbei an weiteren zahlreichen Lupinen und anderen hübschen Blümchen 🥾

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Der Aufstieg beginnt beim Thermalbad und führt zunächst durch einen dichten, überraschend stillen Wald. Hohe Bäume spenden Schatten, der Weg ist gut ausgebaut und steigt gleichmäßig an.

Oben am Mount John Observatory öffnet sich der Blick und die Landschaft wird weiter. Zu unserer Überraschung stellen wir fest, dass unsere Kondition gar nicht so schlecht ist, wie wir manchmal denken. Trotz Fotos haben wir für 2,5 Kilometer und 300 Höhenmeter keine Stunde gebraucht 😎 

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Wir genießen die Aussicht auf den Lake Tekapo tief unter uns, den kleineren Lake Alexandrina daneben und die weite Ebene des Mackenzie Basin. Alles ist eingerahmt von den Südalpen, die eine scharf gezeichnete Kulisse bilden und fast greifbar sind. In diesem Moment wird uns klar, warum dieser Ort so besonders ist 🤔

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Tekapo liegt mitten im Aoraki Mackenzie International Dark Sky Reserve, einem der größten Lichtschutzgebiete der Welt mit rund 4.300 Quadratkilometern Fläche. Strenge Regeln für künstliches Licht sorgen für einen außergewöhnlich klaren Nachthimmel 🌙 

Vom Observatorium aus lassen sich in klaren Nächten die Milchstraße, das Südliche Kreuz und tausende Sterne mit bloßem Auge erkennen. Schön wäre es sicherlich gewesen, doch die Nächte sind im Moment nicht wolkenfrei 🔭 

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Das Café hat wie immer schon seit 15 Uhr geschlossen, sodass wir ohne Cappuccino und süßes Teilchen über den Tekapo Trail absteigen. Dieser führt erst über offene Grasflächen, die in Schotterwege übergehen. Auf den sechs Kilometern haben wir fast durchgehend Blick auf den See, die umliegenden Hügel und die Weite des Hochlands ⛰️

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Da die tiefer stehende Sonne nochmals ein ganz anderes Licht erzeugt, besuchen wir noch einmal die kleine Kirche und natürlich auch das Seeufer mit den Lupinen.

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Diese wurden ursprünglich von europäischen Siedlern eingeschleppt, vermutlich zur Bodenverbesserung und als Zierpflanze. So schön sie sind, sind sie ökologisch sehr umstritten, weil sie heimische Pflanzen verdrängen und die natürliche Vegetation verändern. Geduldet werden sie trotzdem vielerorts, weil sie das Landschaftsbild in der Region stark geprägt haben 😳

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Ich muss Mark regelrecht loseisen, denn ein paar Kilometer sind es noch bis zum Glentanner Park am Lake Pukaki, unserem nächsten Campingplatz. Auf dem Weg liegt nicht nur die weltweit höchstgelegene Lachsfarm, die leider schon geschlossen hat, sondern wir haben auch des Öfteren freien Blick auf die schneebedeckten Berge rund um den Mount Cook - was für ein faszinierender Anblick 🏔️

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Gegen 19:30 Uhr erreichen wir den Campingplatz, und uns rutscht das Herz in die Hose. In der Late Check-In Box ist keine Information für uns. Wir prüfen unsere Mails und tatsächlich hat Mark sich im Datum vertan 🫣

Was machen wir nun? Ganz einfach: anrufen und dumm stellen 🤫 Die Dame am Telefon sagt, wir sollen uns einfach irgendwo hinstellen. Okay, dann machen wir das, sicherheitshalber aber auf einem Unpowered-Platz, also ohne Strom. Das ist zwar der zweite Tag in Folge, aber wir sind ja sparsam.

Wir suchen uns ein nettes Plätzchen mit Blick auf den Mount Cook und schauen anschließend in der Küche vorbei. Wow, ist das voll hier. Das kennen wir so gar nicht. Wir ergattern noch ein freies BBQ für unseren Lachs und gesellen uns zu einem Pärchen aus Schottland an den Tisch 🍽️ 

Da es doch recht frisch ist, verziehen wir uns bald in den Camper, nicht ohne zuvor einen Blick auf den grandiosen Sonnenuntergang zu werfen 😲

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Wir kuscheln uns unter die Decke und gehen früh schlafen - schließlich klingelt um kurz vor 7 der Wecker 😴