Zwischen Gletschern, spektakulären Rundflügen, anspruchsvollen Tracks und dem Hooker Valley erleben wir den Aoraki Nationalpark hautnah.

Die Nacht war super unruhig. Zum einen, weil wir nicht verschlafen dürfen, zum anderen, weil wir uns irgendwie doch ein klein wenig unwohl fühlen, so ohne offizielle Buchung. Hoffentlich bemerkt das keiner 🫣 

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Pünktlich um 7:15 Uhr ist Abfahrt. Puh … alles ist gut gegangen. Jetzt steht dem neuen Abenteuer nichts mehr im Weg, außer ein paar Aussichtspunkten, die den Mount Cook mit seinen 3.724 Metern immer näher kommen lassen. Was für ein toller Anblick.

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Eine gute halbe Stunde später checken wir am Mount Cook Airport ein. Unser Tag startet nämlich mit einem absoluten Highlight. Wir haben kurzerhand beschlossen, uns den Rundflug über den Mount Cook, Neuseelands höchsten Berg, und seine umliegenden Gletscher im Aoraki Nationalpark zu gönnen. Und das Beste: Das Wetter spielt mit, die Sonne scheint, wir haben strahlend blauen Himmel ☀️

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In der Annahme, dass es in den Southern Alps kalt werden würde, haben wir gefühlt alles an, was wir an langen Klamotten die letzten 5,5 Monate mitgeschleppt haben. Doch noch am Boden beschließen wir, die Regenjacken dazulassen, denn die Sonne hat ganz schön Kraft 💪

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Nach ein paar kurzen Sicherheitshinweisen geht’s los. Wir fliegen mit einer Pilatus Porter über den Tasman Glacier, den mit rund 23 Kilometern längsten Gletscher Neuseelands. Geformt wurde er über Jahrtausende vom Eis, das sich aus den Schneefeldern der Hochalpen langsam talwärts schob.

Aus der Luft erkennen wir die Moränen, das Gesteinsmehl und die schmutzig-grauen Eisflächen, ein beeindruckender, aber auch nachdenklicher Anblick. Früher reichte der Tasman Gletscher weit ins Tal hinab. Seit den 1990er Jahren zieht er sich Jahr für Jahr weiter zurück. Aktuelle Schätzungen zufolge sind es je nach Wetterlage 477 bis 822 Metern pro Jahr 😱

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Wir überqueren den Main Divide, die Wetterscheide der neuseeländischen Alpen, und fliegen bis zum Franz Josef Glacier an der Westseite der Berge. Der Gletscher liegt auf rund 300 Metern Höhe über dem Meer, während sein Nährgebiet über 3.000 Meter hoch in die Alpen reicht. Es ist einer der steilsten Gletscher der Welt 🗻

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Vielleicht ahnt Ihr schon, was jetzt kommt! Genau, wir landen mit der Pilatus Porter. Ja, Ihr lest richtig. Dieses robuste Hochgebirgsflugzeug wurde mit seinen Skis extra für kurze Start- und Landestrecken gebaut und gehört zu den wenigen Maschinen, die auf einer so schmalen Fläche im Eis sicher aufsetzen können. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl 🥰 

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Mitten im Eis, um uns herum steile schneebedeckte Berge, die in der Sonne glitzern und wir hinterlassen die ersten Fußspuren des Tages. Ich kann nicht anders, ich muss einen Schneeengel machen ❄️

Theoretisch hätten wir an den Flug auch eine 2-stündige Wanderung anschließen können. Doch ohne Mütze, Schal und Handschuhe dachten wir, sind wir nicht richtig ausgestattet und die Tour hätte glatt das Doppelte gekostet … Jetzt, wo wir oben sind, stellen wir fest, es wäre kein Problem gewesen, unsere 3-4 Schichten sind schon ohne viel Bewegung fast zu warm 🥵

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Gute 20 Minuten genießen wir die Einsamkeit und Stille um uns herum, auch wenn wir natürlich nicht allein sind. Dann steigen wir in den Helikopter um. Das ist wirklich eine coole Kombination, zumal ich auch noch vorne sitzen darf und offiziell als Co-Pilot mitfliege 🚁

Unter uns glitzern das Eis, markant ragen die Gipfel in den Himmel. Der Mount Cook oder Aoraki, wie ihn die Māori nennen, zeigt sich aus jeder Perspektive anders, aber immer dominant. Kein Wunder, dass er ein zentrales Symbol der Māori Kultur ist.

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In der Sprache der Māori bedeutet Aoraki „der Himmelsdurchbohrer“ und natürlich gibt es auch wieder eine Legende: Aoraki war der Sohn von Rakinui, dem Himmelsvater. Als er mit seinen Brüdern auf dem Meer unterwegs war, kenterte ihr Kanu und sie erstarrten zu Stein. Aus Aoraki wurde der höchste Gipfel der Südlichen Alpen, aus seinen Brüdern die benachbarten Berge.

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Zurück am Boden sind wir ganz beseelt. Eigentlich genug Eindrücke für den Tag, oder was meint Ihr? Natürlich nicht! Es ist gerade mal 10 Uhr. Wir fahren Richtung Mount Cook Village, wo wir einen der letzten Parkplätze für Camper finden und erstmal frühstücken 😃

Danach schnüren wir die Wanderschuhe und laufen zu den Red Tarns. Der Track beginnt genau am Parkplatz. Achtung, nehmt nicht aus Versehen den Governors Bush Track, der verlängert die Strecke um gut 1 Kilometer und 100 Höhenmeter. Spart Eure Kräfte, die könnt Ihr gut gebrauchen 🥾

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Bis zur Hängebrücke ist der Weg fein, fast für Flipflops geeignet. Aber dann beginnt das Dilemma: Am Black Birch Stream hat jemand ergänzt, dass es 1.277 Stufen bis hinauf zu den kleinen Bergseen am Fuße des Sebastopol sind. 

Vielleicht hätte ich weniger geflucht, wenn ich die Stufen gezählt hätte. Andererseits, wer hoch hinaus will, muss auch mal 300 Höhenmeter auf knapp 1 Kilometer Strecke in Kauf nehmen. Der Weg ist ganz schön steil und die Stufen dementsprechend ungleichmäßig, was mich doppelt anstrengt.

Aber mit Geduld und Spucke geht alles, zumal die Aussicht auf das breite Tal entlang des Mount Wakefields bis zum Mount Cook wirklich beeindruckend ist und mit jedem Meter fasziniert sie uns mehr.

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Nach gut 2 Stunden erreichen wir den höchsten Punkt, gerade mal 400 Meter wären es noch zum Gipfel des Sebastopol - nicht in der Länge, sondern in der Höhe 🤭 Ich lasse mich erstmal auf die Bank fallen, um zu sterben. Aber nur kurz …

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Wir laufen natürlich noch die kleine Runde um die Red Tarns. Der Name stammt von den rötlichen Algen, die den kleinen Bergseen ihre Farbe geben. In den Wasserflächen spiegeln sich je nach Richtung der Mount Cook oder der Mount Wakefield sowie der blaue Himmel 🏔️

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Zurück im Ort machen wir noch einen Abstecher zum Sir Edmund Hillary Alpine Centre. Bei Cappuccino und Fernblick auf den Mount Cook erfahren wir mehr über die Geschichte des neuseeländischen Bergsteigers, der hier viele Jahre trainierte, bevor er 1953 gemeinsam mit Tenzing Norgay als Erster den Mount Everest bestieg. Was muss das für ein Abenteuer gewesen sein 🤔

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Danach wechseln wir zum Tasman Lakes Track. Da es mittlerweile 15 Uhr ist, ist der Parkplatz nicht mehr ganz so überfüllt. Von den Red Tarns aus konnten wir das Geschehen gut beobachten. So bald die Straße geöffnet wurde, reihten sich PKWs an Camper und umgekehrt 😬

Der Weg ist rund 1 Kilometer lang, sehr abwechslungsreich und flach. Er führt direkt zu den Blue Lakes, die allerdings längst nicht mehr blau sind, sondern grün. Früher wurden sie vom klaren Schmelzwasser des Tasman Glacier gespeist. Da sich dieser zurückgezogen hat, konnten sich Algen im nun mineralischen Grundwasser vermehren, was den Seen ihren grünlichen Schimmer verleiht. Ein Phänomen, das sich mehr und mehr im Aoraki Nationalpark verbreitet 😳

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Weiter geht’s hinauf zum Aussichtspunkt über die Celmisia Flat. Was für ein Ausblick: Vor uns liegt der Tasman Lake, links der Tasman Glacier und gegenüber die Berge The Nun’s Veil und Monastery Peak. Wieder einmal wird uns bewusst, welche Kräfte Eis und Zeit über Jahrtausende bewirkt haben.

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Was für ein schöner Tag. Darauf stoßen wir ganz gemütlich mit einem Glas Wein und leckerem Käse aus Geraldine an. Wir stehen wieder im Glentanner Park am Lake Pukaki, diesmal auf einem gebuchten Stellplatz mit Strom. Mark beschließt noch in den See zu hüpfen, während ich Blog schreibe und meine Gedanken schweifen lassen 😊

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In etwas über 2 Wochen verlassen wir Neuseeland. Warum werben die nicht in Deutschland für Einwanderer sondern in China und Indien? Wir würden auch auf einer Farm oder so arbeiten 🇳🇿

Zum Glück ist die Küche heute nicht ganz so überfüllt, so dass wir ganz in Ruhe grillen und anschließend essen können. Das Lamm in Neuseeland ist ausgezeichnet, genauso wie das Rindfleisch. Das Fleisch ist nach dem Braten genauso groß wie vorher, ein gutes Zeichen dafür, dass die Tiere ausreichend Auslauf haben und fast ausschließlich frisches Gras fressen 👌

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Übrigens liegt der Glentanner Park im Aoraki Mackenzie International Dark Sky Reserve. Das heißt, nachts wird es still, fast unheimlich still. Es gibt kaum Streulicht und wäre das Wetter klar, hätten wir einen Himmel voller Sterne über den Bergen. Doch wie so oft im Leben, können auch wir nicht alles haben. Egal, wir erfreuen uns einfach an diesem grandiosen Tag, den keiner so schnell toppen wird.

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Wieder klingelt der Wecker, denn wer in der Nähe des White Horse Hill Campsite einen der begehrten Parkplätze haben will, muss entweder dort übernachten oder früh aufstehen. Der Campingplatz liegt direkt im Aoraki Nationalpark am Fuß der Berge und ist der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen.

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Morgens um 8 Uhr befinden wir uns schon auf dem Kea Point Track, da schlafen sogar noch die Enten. Der Weg führt sanft ansteigend durch subalpines Buschland und endet nach etwa einer Stunde auf einer Plattform über dem Tal 🙃🙂 

Vor uns öffnet sich die ganze Szenerie mit dem Mueller Glacier und dem gleichnamigen blassblauen See davor. Darüber thront die gewaltige Eiswand des Mount Sefton und ganz weit in der Ferne ragt der Mount Cook in den Himmel, dessen Spitze jedoch von Wolken verdeckt ist.

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Es ist beeindruckend. Minute um Minute ändert sich die Sicht, die Wolken wabern weiter und geben nach und nach den Blick auf die Berge und Eisflächen frei. Wir hätten ein Stativ mitnehmen und das Ganze als Zeitraffer aufnehmen sollen. So behalten wir es als einen weiteren magischen Moment in Erinnerung ☺️

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Als Nächstes steht der Hooker Valley Track auf dem Plan, einer der bekanntesten Wege Neuseelands. Gleich zu Beginn biegen wir kurz zum Alpine Memorial ab. Die Statue erinnert an Bergsteigerinnen und Bergsteiger, die in den neuseeländischen Alpen ihr Leben verloren haben. Ein stiller Ort mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel und ein guter Moment, um innezuhalten 🪦

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Weiter geht’s über Holzstege und erste kleinere Brücken zwischen Tussockgras und Felsblöcken bis zur Lower Hooker Suspension Bridge. Der Blick reicht bis zu den Moränen des Mueller Lake und tief ins Hooker Valley.

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Nach gut 2 Kilometern ist dann Schluss: Die Hooker Bluff Suspension Bridge ist nach Erdrutschen gesperrt. Ein Neubau soll bis 2026 fertig sein. Wir wundern uns, dass einige das nicht zu wissen scheinen. Sie sind ganz überrascht, als sie plötzlich vor einem Zaun stehen 🧐

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Schade ist es dennoch, denn der Blick von der Hooker Bluff Suspension Bridge auf den Mount Cook soll atemberaubend sein. Wieder ein Grund, nochmals wiederzukommen - schon notiert. 

Wer noch höher hinaus möchte als wir, der sollte die Sealy Tarns in Angriff nehmen. Der Track ist mit seinen über 2.200 Stufen und 550 Höhenmetern auf knapp 2 Kilometern auch als „Stairway to Heaven“ bekannt. Wir finden, wir haben genug spektakuläre Ausblicke und machen uns auf den Weg nach Wanaka.