Der Seoraksan Nationalpark, ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat mit alten Tempeln und spektakulären Granitformationen

Wer das Beste aus dem Tag herausholen möchte, startet früh. Wir sitzen gegen 7:30 Uhr im ersten Bus der Linie 7, der zum Seoraksan Nationalpark fährt. Vielleicht wäre ein Taxi schneller, aber definitiv teurer. Die Busfahrt kostet uns um die 1.500 WON, das entspricht knapp 1 Euro 💶

Wir haben uns einiges vorgenommen, ob wir alles schaffen, werden wir sehen. 40 Minuten später gibt es noch einen Matcha Latte zur Stärkung. Vor uns liegen 800 Stufen und ein legendärer Felsen. Es geht hinauf zum Ulsanbawi ⛰️

Schon nach wenigen Schritten ist uns klar, warum der Seoraksan Nationalpark als zweitgrößter des Landes 1982 zum ersten UNESCO Biosphärenreservat in Südkorea erklärt wurde 🇰🇷

Geprägt von einer beeindruckenden Natur, einer vielfältige Flora und Fauna sowie malerischen Felsformationen und klaren Flüssen und Wasserfällen steht er auf der Grünen Liste der International Union for Conservation of Nature, kurz IUCN. Kein Wunder, dass es ein sehr beliebtes Naturschutzgebiet, insbesondere für Wanderfreunde in Südkorea, ist 🥾

Zu den bekanntesten Routen zählt der 3,8 Kilometer lange Wanderweg zum Ulsanbawi. Genau dorthin brechen wir gegen 8:30 Uhr auf.

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Doch zuerst bestaunen wir noch „Tongil Daebul“, die große Buddha Statue, die vor dem Tempel Sinheungsa thront. Mit einer Höhe von fast 19 Metern inklusive der Lotusblume, auf der sie sitzt, ist sie die größte ihrer Art in Korea.

Der sogenannte „Great Unification Buddha“ wurde 1997 mit Spenden von über 300.000 Menschen als Symbol für die Wiedervereinigung Koreas errichtet ☺️

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Wir überqueren den Fluss und sammeln noch ein bisschen Kraft im Sinheungsa Tempel, einem der ältesten Zen Tempel des Landes. Er wurde bereits im Jahr 652 gegründet und mehrfach zerstört. Umgeben von uralten Bäumen und mit Blick auf die Berge strahlt er eine gewisse Würde und Stille aus. Irgendwo spricht jemand ein Gebet 🙏

Wie schon der Naksansa Tempel wäre es auch hier möglich, an einem sogenannten Templestay teilzunehmen. Wir hatten im Vorfeld wirklich überlegt, einen Tag einzubauen, um buddhistische Zeremonien und Meditation erleben zu können. Keine Ahnung, warum wir es eigentlich verworfen haben. Vermutlich aufgrund der Zeit 😌

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Der Weg führt am Fluss entlang und die Natur tut einfach gut. Wir merken richtig, wie die Gedanken aufhören, um die vielen Eindrücken in Seoul und auch in den Sokcho zu kreisen 😊 

Irgendwann auf Höhe des Naewonam Tempels biegen wir in den Wald ab. Der kleine, etwas unscheinbare Tempel wird von vielen oft links liegen gelassen. Gerade weil nichts los ist, fasziniert er uns.

Im Gegensatz zum Tempel Sinheungsa, der zum Jogye Orden gehört, ist der Naewonam Tempel mit dem Taego Orden verbunden. Beide folgen dem Seon Buddhismus, einer Form des Zen Buddhismus, die tief in Korea verwurzelt ist und die Meditation und Weisheit als Kernpraktiken betont 🧐 

Der Taego Orden erlaubt dabei im Gegensatz zum Jogye Orden auch verheirateten Mönchen das Ordensleben, was eine Besonderheit im koreanischen Buddhismus widerspiegelt.

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Der Wald ist bezaubernd. Alte Laubbäume wie Mongolische Eiche, Koreanischer Ahorn, Korana Eiche und Hainbuche 🌳 mischen sich zwischen Nadelbäume wie Kiefern, Pinien und Khingan Tannen 🌲 Sie sind nur ein Bruchteil der über 1.000 Pflanzen, die im Seoraksan Nationalpark wachsen.

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Dieser ist wiederum nur ein kleiner Teil des Naturschutzgebiet Seoraksans mit seinen insgesamt rund 174 Quadratkilometern, das im nördlichen Teil des Taebaek Gebirges liegt. Der Hauptgebirgszug der koreanischen Halbinsel beginnt im Hochland an der Grenze zu Nordkorea und erstreckt sich entlang der Ostküste bis in den Süden 🙃🙂

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Das Gebiet rund um die Regionen Inje, Yangyang und Sokcho in der Provinz Gangwon-do beherbergt zudem über 1.500 Tierarten, von denen viele als sogenannte „Naturdenkmäler“ gelten, also staatlich geschützte Arten mit besonderem wissenschaftlichem und kulturellem Wert.

Dazu zählen in Südkorea zum Beispiel der Asiatische Schwarzbär, das Moschustier, ein kleines, hirschartiges Paarhuftier, und der Eurasische Fischotter. Die alle sehen wir nicht, dafür kleine, süße Streifenhörnchen 🐿️ 

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Bis zum Gyejoam Tempel, einem ruhigen Ort mit Felsenaltären und kleinen Nischen für Gebete, ist der Weg ein Kinderspiel. Wir bestaunen noch Heundeulbawi, den berühmten schaukelnden Felsen, der darauf wartet, dass jemand versucht, ihn zum Wanken zu bringen. Das soll Glück bringen 🍀 Er ist ein beliebtes Fotomotiv und zugleich ein Symbol für Standhaftigkeit.

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Danach wird es ernst: Rund 800 steile Stufen führen hinauf zum Ulsanbawi, einer markanten Felsformation mit sechs gezackten Granitzinnen, die sich schroff gegen den Himmel abzeichnen.

Der Sage nach wanderte dieser Felsen ursprünglich aus Ulsan an der Südküste nach Norden, in der Hoffnung, Teil des Geumgangsan Gebirges zu werden, blieb jedoch in Seorak zurück. Ob wir diesen letzten Kilometer in einer Stunde schaffen? 🤔 

Auf jeden Fall ist er nichts für Flipflops, feste Schuhe und Trittsicherheit sind ein Muss. Wir nehmen uns die Zeit, halten unterwegs immer wieder inne, sei es um Fotos zu machen, zu verschnaufen oder einfach nur, um den Moment zu genießen.

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Zum Glück ist es nicht ganz so heiß. Die Kombination aus Sonne und Wind sorgt für strahlend blauen Himmel und angenehme Temperaturen, auch wenn wir trotzdem schwitzen 🥵 

Es gibt schon Momente, wo wir denken, so langsam sind wir zu alt für den Sch…, insbesondere wenn uns kleine Kinder entgegenkommen, die mit Spaß und Freude die Stufen hoch oder runter hüpfen. Auf der anderen Seite motiviert das mindestens genauso so sehr, wie wenn ältere Menschen einen überholen 🫣

Das Wichtigste, sich davon nicht beirren zu lassen und einfach sein eigenes Tempo zu laufen. Liebe Erika, ich muss bei solchen Herausforderungen immer an Dich denken, denn diesen Tipp hast Du mir damals auf unserer ersten gemeinsamen Wanderung in Brasilien gegeben, genau wie das Diasperol, hochdosiertes Magnesium, hinter 🤭 

Oben angekommen, wissen wir, wofür wir solche Anstrengungen immer wieder auf uns nehmen. Der Blick vom Gipfel ist atemberaubend: Wir stehen auf Augenhöhe mit den imposanten Felsen 🪨 

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Tief unten ragen die Wolkenkratzer von Sokcho in den Himmel. Das Ostmeer glänzt in der Ferne und die umliegenden Wälder zeigen sich in leuchtenden grünen Farben - wunderschön 🥰

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Wir stärken uns nach dem kräftezehrenden Aufstieg mit einem Müsliriegel, denn Frühstück gab es noch nicht, und machen uns auf dem Weg hinunter - knapp 600 Höhenmeter retour, etwas über die Hälfte in rund 900 Metern 🤪

Der Abstieg dauert nicht ganz so lange. Wir brauchen weniger Pausen zum Verschnaufen 😉 Wir werfen noch einen Blick in den Gyejoam Tempel. Er wurde im Jahr 652 während der Silla Dynastie von dem berühmten Mönch Jajang als kleine Hermitage zum benachbarten Sinheungsa Tempel in den Fels gebaut.

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Aber auch der Sinheungsa Tempel beeindruckt beim 2. Blick noch einmal. Die Altäre sind super aufwendig gestaltet. Dazu die bunten Laternen mit den Wünschen vieler Menschen, einfach wunderschön 😌

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Unten angekommen, gibt es ein ordentliches Frühstück mit Bibimbap aus Pilzen und wilden Farnen sowie ein Donkatsu, ein knusprig paniertes Schnitzel mit Reis und Krautsalat. Natürlich dürfen auch die fermentierten Beilagen nicht fehlen. Dazu trinken wir gefühlt 2 Liter Wasser 💦

Nach den etwa 4,5 Stunden haben unsere Füße und wir eine Pause zum Regenerieren verdient, weswegen wir noch einen Moment länger an diesem schattigen Plätzchen verweilen. Das Restaurant hat übrigens ganz zu Recht eine sehr gute Bewertung auf Google. Das Essen war wirklich sehr lecker und reichlich 👌

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Danach geht es entspannter weiter: Die Fahrt mit der Seilbahn zum Bonghwadae bietet eine willkommene Verschnaufpause nach dem anstrengenden Aufstieg 👍

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Von der Bergstation aus sind es nur etwa zehn Minuten zu Fuß bis zum Aussichtspunkt, der auch auf über 700 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Bei klarem Wetter bietet sich von dort ein spektakulärer Panoramablick auf das Oeseorak Gebiet im Süden und das Meer im Nordosten.

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Vor vielen Jahrtausenden stand hier die Gwongeumseong Festung, die militärisch genutzt wurde. Viel ist davon nicht mehr zu sehen. Die Natur hat sich das Gebiet mehr oder minder komplett zurückerobert. Kiefern trotzen zusammen mit Pinien dem Wind - was haben wir nur wieder ein Glück mit dem Wetter ☀️ Gestern hätten wir das Meer nicht mal ansatzweise gesehen.

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Theoretisch lohnt sich noch ein Spaziergang zu den Yukdam und Biryong Wasserfällen. Die Wanderung soll deutlich einfacher sein, da sie über gut befestigte Wege entlang eines rauschenden Bachs führt. Doch unsere Beine sind einfach zu müde 😴

 

Wir fahren zurück nach Sokcho. Ein Kaltgetränk oder Eis wären jetzt genau das Richtige nach einem Tag voller Höhenmeter. Wir drehen ein Runde durch den Hafen und landen schließlich im A Twosome Place.

Nach so frischer Luft mit Sauerstoff und so, steht uns der Sinn nach einem ruhigem Abendessen in unserem Hotel. Dafür holen wir uns eine Sashimi Platte und Nigiri mit Aal - natürlich mit Rabatt, wie sich das gehört 😅 Spaß beiseite, tatsächlich bieten einige Händler ab 19 Uhr insbesondere Sushi und Motchis günstiger an.

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Wie immer gibt es hinterher einen Whiskey 🥃 Drückt uns die Daumen, die nächsten 2 Wochen reisen wir mit dem Mietwagen durchs Land. Dafür geht’s morgen um 8:50 Uhr mit dem Bus nach Busan.