In Busan beginnt unsere Rundreise durch den Süden des Landes über Gyeongju, Andong, Jeonju und Mokpo zurück nach Busan.

Es ist nicht mal 9 Uhr und wir sitzen im Bus nach Busan. Zum Glück ist der Busfahrer ein angenehmer Zeitgenosse, nicht so ein Stoffel, wie die in Sokcho.

Der zum Intercity Bus Terminal wollte uns erst gar nicht mitnehmen. Gut, er war recht voll und wir hatten Gepäck, aber laufen kam für uns nicht in Frage. Er zog den Kürzeren 😉 

6 Stunden dauert die Fahrt. Genug Zeit, um die letzten Tage Revue passieren zu lassen, insbesondere Seoul, aber auch die Wanderung durch den Seoraksan Nationalpark, die wunderschön war 🥰

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Wir halten 3x, so dass immer genug Zeit ist, auf Toilette zu gehen oder später auch zu frühstücken. Mark hat sich ein abgepacktes Würstchen gekauft. Ich genieße Gimbab, damit kann ich am wenigsten verkehrt machen 😃 

Auf dem Weg von der Nordostküste bis in den Südosten der Halbinsel ändert sich die Landschaft. Während am Morgen noch das Ostmeer glitzerte, säumen am Nachmittag Hafenkräne und moderne Hochhäuser den Horizont.

In Busan kommen wir mal wieder woanders an als gedacht oder besser gesagt, auf unserer Fahrkarte steht East Busan, Endstation ist aber Busan Central Bus Terminal 🚉 Egal, Hauptsache die Metro bringt uns in die City - das tut sie.

Gegen 16:30 Uhr checken wir im Notte La Mia Hotel ein und sind beide der Meinung: So ein richtiger Drink wäre mal wieder schön. Wir erkunden gleich mal das Rooftop. Eine Bar gibt es leider nicht, aber der 360 Grad Blick über Busan lohnt sich 😊

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Da wir nur in Busan sind, um unseren Mietwagen abzuholen, reichen vorerst ein paar kurze Worte. Die Stadt ist mit rund 3,4 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Südkoreas und überraschend vielseitig. 

In Busan trifft der traditionelle Fischmarkt auf hippe Cafés und buddhistische Felsgrotten auf Street Art. Während des Koreakriegs war Busan die provisorische Hauptstadt Südkoreas und Zufluchtsort für Millionen Binnenflüchtlinge 🧐 

Busan lebt vom Meer, vom Handel, von seinen Häfen, seiner Geschichte und von seiner Gegensätzlichkeit. All das werden wir in 2 Wochen genauer erkunden 🧭 Uns zieht es vorerst in das nur wenige Schritte entfernte Chinatown.

Das Viertel gibt es bereits seit 1884. Interessanterweise scheint es nicht nur von  Chinesen 🇨🇳, sondern auch von Russen 🇷🇺geprägt zu sein - zumindest den Schriftzeichen und Speisekarten nach.

Ein eigenartiger Mix: Bunte Eingangstore rahmen die Straßen, teils entdecken wir in den Läden Sesamöl und Glückskekse 🥠, teils Wodka und Pelmeni 🥟

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Wir überlegen kurz zur Mietwagenstation zu laufen, finden aber am Hauptbahnhof auf den ersten Blick keine Überführung über die Stadtautobahn. Wir nehmen morgen einfach ein Uber oder Taxi 🚖

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Laut Google gibt es in Chinatown ein sehr gutes Restaurant. Das probieren wir aus und sind wirklich positiv überrascht. Das Hühnchen süß-sauer ist viel leckerer als erwartet und die gebratenen Dumplings gehören zu den Besten, die wir bisher gegessen haben 😋 Der Besitzer erklärt uns, dass die Saucen aufgrund der traditionellen Rezeptur so gut sind.

Danach machen wir noch einen Abstecher ins Cherry Basement, eine kleine Bar mit guten Signature Cocktails 🍹 wie Sultry Fizz und Adult Kiss. Dazu gibt es salziges Popcorn, so haben wir uns das mit dem Drink vorgestellt.

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Den restlichen Abend lassen wir im Hotel ausklingen. Es ist echt schön, nichts weiter planen zu müssen. Die Route steht so gut wie. Mark wirft lediglich einen Blick aufs Wetter, um abzuschätzen, ob wir die Reihenfolge ändern oder besser irgendwas weglassen 🙃🙂 

Für mich ist das gleichzeitig die Aufforderung, Wetterfrosch zu spielen. Und auch wenn Ihr es vielleicht nicht glaubt, oft war das Wetter bisher wirklich besser als gedacht 🤭

Lasst die Landpartie beginnen. Dafür brauchen wir aber erstmal unseren Mietwagen. Mit dem Taxi fahren wir zur angegebenen Adresse: ein Hochhaus. Mark begibt sich auf die Suche 🔍 

Ich bin kurz davor, ihn als vermisst zu melden, als er wieder auftaucht. Jetzt mal ehrlich, wo würdet Ihr eine Mietwagenfirma wie Enterprise oder Alamo vermuten - im Erdgeschoss oder in der 3. Etage?

Sie sitzen tatsächlich in der 3. Etage und von hier aus sehen wir auch die Überführung vom Hauptbahnhof. Gut zu wissen, schließlich kommen wir ja noch einmal zurück 😇 

Wir bekommen einen Hyundai Tucson, das Auto, was wir bei EconomyCar Rental inklusive Versicherungen, ohne Selbstbeteiligung und Zusatzfahrer gebucht haben. War gar nicht so einfach, einen Anbieter für Südkorea zu finden. 

Etwas später als geplant, geht’s dann endlich los. Ihr müsst wissen, aufgrund ihrer Gewissenhaftigkeit sind die Südkoreaner nicht immer die Schnellsten. Das Auto ist schön, sehr geräumig. Es passt nur leider nicht in unsere Tiefgarage zu Hause 😕

Schon an der ersten Ampel bemerken wir, das läuft in Südkorea etwas anders. Links abbiegen dürfen wir nur, wenn der grüne  Pfeil rechts neben dem roten Signal auch nach links zeigt. Rechts abbiegen ist generell erlaubt, nur Fußgänger haben Vorrang. Überall gibt es Speed Cameras. Wer zu schnell fährt, zahlt 😎 

Zum Glück haben wir ein Navi im Auto, was es uns extrem erleichtert, nicht nur die richtige Strecke zu finden. Nein, es spricht quasi die ganze Zeit mit uns. Dazu später mehr 😃 

Unser erstes Ziel ist Gyeongju. Die ehemalige Hauptstadt des Silla Königreichs von 57 vor bis 935 nach Christus vereinte im 7. Jahrhundert fast die gesamte koreanische Halbinsel und entwickelte sich zu einem Zentrum für Religion, Wissenschaft und Kunst.

Die Silla Dynastie war und ist berühmt für ihre Goldschmiedekunst, buddhistische Tempel, kunstvolle Grabhügel und die Entwicklung eines eigenen Schriftsystems, weshalb die Stadt oft als „Museum ohne Mauern“ bezeichnet wird 😲

Auf dem Weg dorthin haben wir zwei Stopps eingeplant. In Ulsan spazieren wir eine halbe Stunde durch den Taehwagang National Garden. Den Bambuswald hatten wir uns etwas anders vorgestellt. Er ist eingebettet in einen wunderschönen Garten, aber bei weitem nicht so beeindruckend wie der in Japan 🇯🇵

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Da das Wetter nicht so mitspielt, streichen wir die mit 300 Metern längste Hängebrücke Südkoreas und nutzen den Regen, um etwas zu essen. Nach einer gefühlten Ewigkeit gibt es mal wieder was anderes als Koreanisch. Im Cozy House gönnen wir uns ein Steak 🥩 und ein Risotto mit Jakobsmuscheln. Im Café nebenan, im Frame, kann ich dem Matcha Latte 🍵 und Mark dem Caramel Cookie 🍪 nicht widerstehen.

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Das war mal richtig gut. Gestärkt starten wir unsere Entdeckungsreise rund um Gyeongju und besuchen zwei religiöse Stätten aus dem 8. Jahrhundert, die sinnbildlich für Gyeongjus kulturelles Erbe stehen und auch zum UNESCO Weltkulturerbe gehören 🌍

Der Bulguksa Tempel, einst Symbol der buddhistischen Utopie auf Erden, beeindruckt mit steinernen Brücken, kunstvollen Pagoden und einer ruhigen, meditativen Atmosphäre. Er wurde unter König Gyeongdeok vollendet und gilt als Höhepunkt buddhistischer Architektur der Silla Zeit.

Die 33 Stufen der Treppenanlage symbolisieren die 33 Stufen zur Erleuchtung, und die gesamte Anlage beherbergt sieben koreanische Nationalschätze, darunter vergoldete Buddha Statuen und einen Behälter mit Reliquien, die wir nicht fotografieren dürfen 😢

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Wie auch schon in Seoul hängen auf dem Gelände und in den Tempeln unzählige bunte Laternen, das Licht der Weisheit, das die Dunkelheit der Ignoranz vertreibt. Auf den Zetteln stehen Wünsche oder Gebete von Gläubigen, wo sie meist um Glück und Segen bitten🏮

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Es ist die Kombination aus kunstvoller Holzarchitektur und präziser Steinmetzarbeit, die uns auch im Bulguksa Tempel beeindruckt. Die Brücken Cheongungyo und Baegungyo gliedern den Tempelbereich und tragen so unauffällig zur meditativen Bedeutung bei 🙏 

Besonders bemerkenswert sind die zwei berühmten Steinpagoden Dabotap und Seokgatap. Die Dabotap ist sogar auf der aktuellen 10 Won-Münze Koreas abgebildet. Ein kleiner Regenschauer sorgt dafür, dass wir freie Sicht haben 🤣

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Während des Imjin Krieges im 16. Jahrhundert wurde der Tempel stark beschädigt, doch seine meisterhafte Steinarchitektur blieb zum Glück erhalten, so dass er restauriert werden konnte.

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Wenige Kilometer oberhalb liegt die Seokguram Grotte, in der eine sitzende Buddha Statue, im Halbkreis von 38 Wächtern umgeben, auf das Ostmeer blickt. Die Grotte wurde aus Granit errichtet, exakt zur aufgehenden Sonne ausgerichtet ☀️

Sie gilt als Meisterwerk buddhistischer Bildhauerkunst. Leider ist Fotografieren auch hier verboten 🚫 Zum Glück finden sich dennoch Bilder im Internet.

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Wir fahren weiter Richtung Gyeongju. Je näher wir der Stadt kommen, desto skurriler wird’s, Reisfelder und Gewächshauser säumen die Straßen und dahinter türmen sich die Hochhäuser 🙄 

Gegen 17 Uhr checken wir in der Pension Tiamo ein. Sie ist etwas außerhalb, ruhig gelegen, aber gut angebunden. Kim, der Besitzer, empfängt uns beziehungsweise Mark mit offenen Armen - ich bin nur Beiwerk, seine Ehefrau halt - und gibt uns noch wertvolle Tipps.

Da wir ja jetzt ein Auto haben und nicht mehr alles von A nach B tragen müssen, stürmen wir erstmal einen Supermarkt. Wie immer eskalieren wir ein wenig. Wir kaufen frische Feigen und Kiwis, Sushi und Jakobsmuscheln, Bibim Naengmyeon als Fertiggericht und Getränke, denn nur Wasser ist auf Dauer anstrengend 😅

Anschließend gehen wir in Gyeongju im Kisoya, einem japanisch angehauchten Restaurant, Abendessen. Die Spezialität sind handgezogene Nudeln 🍜 Wir bestellen Udon Nudeln mit Cheese Donkatsu und Soba Nudeln mit Sushi 🍣 Das Essen ist ausgezeichnet, wir lieben es.

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Unser Auto haben wir auf einen der kleinen Parkplätze mit Schranke gestellt. Bei der Einfahrt wird unser Kennzeichen gescannt. An der Ausfahrt bezahlen wir einfach mit Kreditkarte 💳 Vorausgesetzt wir finden im Dunkeln den richtigen Schlitz …

Okay, das war der Falsche und nun? Uns bleibt nur, zurückzusetzen und es nochmal zu versuchen. Mit Hilfe eines Koreaners schaffen wir es. Licht ist so eine Sache. Einige Straßen sind gar nicht, andere nur spärlich beleuchtet. Dennoch fühlen wir uns nie unwohl ☺️ 

Kim hatte uns den Tipp gegeben, die Woljeonggyo Brücke am Abend zu besichtigen und das war Gold wert. Die Brücke, ursprünglich im 8. Jahrhundert gebaut und 2018 rekonstruiert, verbindet die beiden Ufer des Namcheon Fluss und spiegelt sich mit all ihren Farben wunderschön im Fluss 🥰

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Wir überqueren diesen an einer kleinen Stromschnelle. Nur so lässt sich die Brücke im Ganzen bestaunen und fotografieren und drehen noch eine kurze Runde durchs angrenzende Hanok Viertel bis zur ehemaligen Festung der Silla Dynastie.

Was aussieht wie bewaldete Hügel 🌳 zählt zum UNESCO Weltkulturerbe und ist Teil einer eindrucksvollen Reise durch die Geschichte und Kultur Koreas. Dazu die nächsten Tage mehr.

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Wir machen uns auf den Rückweg. Kurz nachdem wir die Woljeonggyo Brücke aus rot lackierten Holz  und den blaugrünen Dächern überquert haben, fängt der Himmel an zu leuchten. Just in dem Moment findet eine Drohnenshow statt - was für ein toller Abschluss 😊

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