An Weihnachten erkunden wir Dunedin und erleben auf der Otago Peninsula die kleinsten Pinguine der Welt am Pilots Beach hautnah.
Uns weckt doch tatsächlich der Regen, und das an Weihnachten. Es ist zum Glück nur ein kurzer Schauer, und schon wenige Minuten später erfreuen wir uns an einem wunderschönen Regenbogen mitten über dem Lake Te Anau 🌈


Bevor wir uns auf den Weg nach Dunedin machen, telefoniere ich noch kurz mit meinen Eltern. Sie sind ganz verwundert, als wir ihnen schon „Frohe Weihnachten“ wünschen. Wir sind halt 12 Stunden früher dran 🎄
Auch Euch wünschen wir schöne und besinnliche Feiertage. Genießt die Zeit mit Euren Liebsten. Wir genießen die Tage zu zweit in Dunedin, unserem vorletzten Stopp 🥰
Nach rund 4 Stunden Fahrt erreichen wir den Tunnel Beach. Irgendwo auf der Strecke gab es Müsli mit Joghurt zur Stärkung. Ein schnelles Frühstück, um nicht zu viel Zeit zu verlieren.
Der Weg vom Parkplatz zum Strand ist trotz der rund 150 Höhenmetern gut zu laufen. Es ist ein sogenannter FlipFlop Walk. Je näher wir der Steilküste kommen, desto beeindruckender ist der Blick.




Das Highlight ist der schmale Tunnel, der direkt durch den Sandstein zum Strand führt. Unglaublich, dass John Cargill diesen rund 72 Meter langen Tunnel im 19. Jahrhundert von Hand graben ließ, nur damit seine Familie einen privaten Zugang zum Meer hatte 🤭




Unten angekommen stehen wir zwischen hohen Felsen, die über Jahrtausende von Wind und Wasser geformt wurden. Das Meer ist rau, die Szenerie dramatisch und definitiv einen Umweg wert.




Hinter einem der Felsen hat es sich eine Fellrobbe gemütlich gemacht. Es ist immer wieder faszinierend, wo sie sich niederlassen, um zu chillen. Wirklich ruhig ist die Bucht schließlich nicht, bei all den Touris, die sie besuchen 🤔




Kurze Zeit später erreichen wir Dunedin. Die Stadt liegt an der Südostküste der Südinsel und zählt zu den ältesten europäischen Siedlungen von Neuseeland. Der Einfluss der schottischen Siedler zeigt sich bis heute im Namen, im Stadtgrundriss und in den vielen Kirchen und Bildungsbauten.
Anders als in vielen anderen Orten der Südinsel ist Geschichte hier nicht nur Kulisse, sondern Teil des Alltags: gut erhaltene Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wie die Polizeistation, Bank of New Zealand und die Brauerei. Dazu kommt ein Bahnhof, der eher an Europa als an Neuseeland erinnert 🇪🇺
Wie immer ist es nicht so einfach den Camper loszuwerden. Die meisten Parkplätze sind auf 30 Minuten beschränkt. Zum Glück gibt es einen Woolworths. Wir kaufen noch schnell was fürs Weihnachtsmenü ein, damit wir wenigstens 90 Minuten Zeit haben, die Stadt zu erkunden 🤫
Wir laufen los und stolpern sogleich über die First Church of Otago. Die Kirche wurde 1873 fertiggestellt und war eines der ersten großen Bauwerke der presbyterianischen Siedler. Aufgrund des dunklen Basalts und des klaren Turms wirkt sie ein wenig streng und symbolisiert, wie stark Dunedin von schottischen Einwanderern geprägt wurde.





Ein paar Minuten weiter landen wir in Queens Gardens. Die kleine, ruhige grüne Schneise mitten in der Stadt wurde 1866 auf ehemaligem Sumpfland angelegt. Heute erinnern die Statue of Queen Victoria und das Denkmal „Victoria Cross Recipients“ an die koloniale Vergangenheit und an Neuseeländer, die diese höchste Tapferkeitsauszeichnung erhalten haben 😲



Direkt um die Ecke fällt uns die Bank of New Zealand ins Auge. Sie wurde 1883 erbaut: schwer, massiv und viktorianisch. Solche Gebäude erzählen viel über die Zeit des Goldrauschs, als Dunedin zeitweise die reichste Stadt Neuseelands war. Gegründet wurde die Stadt übrigens von Kapitän William Cargill 🙂🙃



Ein Stück weiter kommen wir an der Speights Brewery vorbei. Gegründet 1876 und bis heute eine der bekanntesten Brauereien des Landes. Bier ist bekanntlich nicht so unseres, so dass uns der Blick von außen genügt und wir weiter schlendern🍺




Die St. Joseph’s Cathedral wirkt mit ihren neugotischen Formen fast europäisch. Fertiggestellt wurde sie 1886. Etwas zurückgesetzt gelegen und ruhig ist sie fast ein wenig unscheinbar im Vergleich zur anglikanischen St. Paul’s Cathedral direkt am Octagon.




Das Octagon ist seit 1846 der Mittelpunkt Dunedins, das Herz der Stadt. Es dient als Treffpunkt, Verkehrsknoten und Veranstaltungsort zugleich. Normalerweise steppt hier der Bär, doch es ist der 24. Dezember, viele sind Zuhause und bereiten sich auf Heiligabend vor.





Viele Cafés und Restaurants schließen an Heiligabend früher, was uns vor die Herausforderung stellt, für „unseren“ Heiligabend etwas Nettes zu finden, um nicht an 2 Abenden im Camper ein Weihnachtsmenü zaubern zu müssen 🤔
Unser letzter Stopp ist die Dunedins Railway Station. Sie wurde 1906 eröffnet und im sogenannten Edwardian Baroque gebaut. Schwarzer Basalt, helle Verzierungen, riesig und erstaunlich verspielt. Kein Wunder, dass sie als meistfotografierter Bahnhof in Neuseeland gilt. Gleich daneben steht die ehemalige Dunedin Police Station von 1895, ebenfalls viktorianisch, etwas strenger, aber perfekt passend zum Ensemble 📷





Zum Essen geht es ins Palace Restaurant. Das Weihnachtsmenü mit entsprechender Deko gibt es leider nur für Hotelgäste. Dennoch spricht die Karte für sich und wir stoßen erstmal mit einem Gin Tonic auf Weihnachten an 🍸 Und so sieht unser Menü aus:
Portobello mit Blauschimmelkäse überbacken, getoppt mit gerösteten Walnüssen, Birne und Blattsalat und abgerundet mit Crema di Balsamico als Vorspeise 🍄🟫
Der Hauptgang setzt sich zusammen aus „Surf & Turf“ bestehend aus 200 g gegrilltem Sirloin Steak & Garnelen an Kartoffelrösti mit Chimichurri Rojo, einer Jus vom Rotwein und Blattsalat sowie einem 200 g gegrilltem Rinderfilet auf getrüffeltem Kartoffelpüree, sautiertem Blattgemüse sowie einer geschmorten Brisket-Pilz-Krokette, ebenfalls mit einer Jus vom Rotwein und einem Zwiebel-Chutney 🥩
Natürlich darf auch ein Dessert nicht fehlen. Es nennt sich Chocolate Lovers. Dahinter verbirgt sich ein Brownie mit Haselnuss-Karamell-Mascarpone, einer warmen Schokoladen-Whiskey-Sauce und Schokoladeneis 🍪




Wer jetzt denkt, unser Tag ist vorbei und wir fallen gleich ins Bett, irrt sich gewaltig. Denn das Highlight des Tages wartet noch auf uns. Aber zuerst checken wir auf halbem Weg im Portobello Village Tourist Park ein. Warum auch immer mussten wir bis 21 Uhr wenigstens „Hallo“ sagen.
Gesagt, getan und weiter geht’s an den äußersten Zipfel der Halbinsel Otago Peninsula nach Pukekura. Mark hat eine Tour zu den Zwergpinguinen, den sogenannten Little Blue Penguins, gebucht.
Bevor wir starten, erfreuen wir uns erstmal an den Albatrossen, die über uns kreisen, und entdecken flauschige Küken der Rotschnabelmöwe. Sie kommt an der Küste Neuseelands am häufigsten vor und wird auf Māori auch Tarāpunga oder Akiaki genannt. Es scheint eine ganze Kolonie zu sein, die direkt am Royal Albatross Centre brütet 🐣



Die Tour beginnt um 21 Uhr mit einem Vortrag über das private Schutzgebiet Pukekura und die kleinsten Pinguine der Welt. Tatsächlich sind sie nämlich maximal 30 Zentimetern groß und wiegen etwa 1 Kilo. Und das Beste, mit unseren Eintrittsgeldern tragen wir direkt zum Schutz dieser Art bei - ein wirklich gutes Gefühl 😊
Natürlich können wir es kaum abwarten, endlich zur Besucherplattform am Pilots Beach zu gehen und zu beobachten, wie die Zwergpinguine mit Beginn der Dämmerung aus dem Meer zurückkehren. Wie wir sehen, sammeln sie sich oft draußen im Wasser, bevor sie an Land gehen. Denn ein einzelner Pinguin wäre leichte Beute für Raubtiere wie Frettchen, Ratten oder verwilderte Katzen. In der Gruppe fühlen sie sich sicherer.
Was für ein lustiger Anblick, wie sie sich nur ein paar Minuten später gemeinsam in Bewegung setzen und erst über den Strand und dann über den sogenannten Penguin Highway watscheln. Und wer hätte das gedacht, sie sind verdammt schnell. Das Ganze gleicht einem chaotischen Durcheinander, das dennoch synchron wirkt 😂




Ihr Gefieder wirkt blaugrau, fast schieferfarben. Das Blau entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch die spezielle Struktur der Federn, die das Licht bricht. Diese Färbung hilft den Pinguinen, sich vor Feinden wie Haien und Orcas, aber auch anderen größeren Fischen zu schützen. Von oben sind sie kaum vom dunklen Wasser zu unterscheiden, von unten passt sich die helle Bauchseite dem Licht der Oberfläche an, eine perfekte Tarnung 👌
Gefressen wird, was die Küste hergibt: kleine Fische, Tintenfische und Krill. Dafür legen sie weite Strecken zurück und tauchen bis zu 20 Meter tief.




In der Kolonie kommunizieren sie durch eine Mischung aus Kreischen, Quaken und Knurren - ein ziemlich lautes Spektakel. Unglaublich, doch jeder Pinguin hat seine eigene Stimme, so dass sie ihren Partner oder ihre Partnerin zwischen den vielen Artgenossen wiederfinden. Es ist fast, als würden sie rufen: „Ich bin zurück.“
Zwergpinguine leben monogam und bekommen meist 2x im Jahr Nachwuchs. Beim Ausbrüten der Eier wechseln sich beide Elternteile ab. Das gilt auch fürs Füttern nach dem Schlüpfen. Denn bis die Küken stark genug sind, um das Meer zu erkunden, vergehen einige Wochen.


Die abendliche Rückkehr am Pilots Beach gleicht irgendwie einem Theaterstück, bei dem jeder genau weiß, was er zu tun und zu lassen hat. Manche der Pinguine watscheln schnurstracks in ihr Nest, vermutlich, weil die Küken Hunger haben. Andere genießen die abendliche Atmosphäre und lassen sich vom Wind trocken oder putzen sich gegenseitig. Auf jeden Fall ist es total süß anzusehen und die gut 1,5 Stunden vergehen wie im Flug.
Um 22:30 Uhr ist Schicht an der Plattform und auch wir machen uns auf den Weg zum Campingplatz. Wir fahren zum ersten Mal im Dunkeln. Zum Glück ist Gegenverkehr relativ ausgeschlossen, denn die Straße entlang der Küste ist kurvig und eng.
Letztes Jahr waren wir Weihnachten in Costa Rica und haben die Aras besucht. Dieses Jahr nun die Little Blue Penguins. Schauen wir mal, was wir nächstes Jahr entdecken 😉