Sonne statt Schnee, Larnach Castle statt Glühwein, Dunedin statt Winterwald und als krönender Abschluss das viktorianische Städtchen Oamaru.

Es ist Weihnachten und wir schlafen aus. Beim Blick aus dem Fenster lacht uns die Sonne ins Gesicht ☀️ Dann nutzen wir mal das schöne Wetter und starten in den Tag.

Erst Schloss Larnach und dann Sandfly Bay oder andersrum? Wir entscheiden uns für Larnach Castle, dem einzigen Schloss Neuseelands. Doch vorher heißt es Sonnenschutz statt Glühwein, schon irgendwie skurril 🤭

Schon die Fahrt ist super schön. In engen Kurven geht’s erst entlang der Küste und dann durch die sanften Hügel der Halbinsel Otago Peninsula. Auf den Wiesen grasen Schafe. Darunter ist eine ganz lustige Rasse mit langen zotteligen Haaren 🐑

Dunedin Oamaru 15Dunedin Oamaru 72Dunedin Oamaru 71Dunedin Oamaru 13Dunedin Oamaru 14

Oben angekommen wirkt Larnach Castle ein bisschen fehl am Platz. Es wurde 1871 im neugotischen Stil erbaut und thront hoch über der gesamten Halbinsel Otago Peninsula. Das Herzstück sind eindeutig die Gärten. Doch bevor wir diese erkunden, hole ich mir erstmal einen Matcha Latte 🍵

Dunedin Oamaru 50Dunedin Oamaru 51Dunedin Oamaru 01Dunedin Oamaru 08Dunedin Oamaru 57Dunedin Oamaru 60

Die ursprünglichen Gartenanlagen entstanden zeitgleich mit dem Schloss im späten 19. Jahrhundert und waren als klassischer viktorianischer Statusgarten gedacht. Nach dem Tod von William Larnach verfiel das Anwesen allerdings 🥺

Dunedin Oamaru 54Dunedin Oamaru 55Dunedin Oamaru 58Dunedin Oamaru 59

Das, was wir sehen, ist das Ergebnis einer umfassenden Restaurierung ab 1967. Seitdem wurden die Gärten Stück für Stück als lebendiges Gesamtkonzept angelegt. Überall tauchen Skulpturen auf. Sie stammen nicht aus der ursprünglichen Schlosszeit, sondern wurden im Zuge der Neugestaltung bewusst integriert 🙂🙃

Engel, Tiere und abstrakte Figuren stehen entlang der Wege, markieren Übergänge oder lenken den Blick. Sie wirken weniger wie Museumsobjekte, sondern eher wie stille Begleiter, die dem Garten Struktur geben und immer wieder kleine Pausen erzwingen ⛲️ 

Dunedin Oamaru 52Dunedin Oamaru 53Dunedin Oamaru 56Dunedin Oamaru 64

Nahe dem Schloss liegen formale Terrassen mit klaren Linien, weiter unten wird es wilder. Farnreiche Schattenbereiche, der sogenannte Lost Rock Garden, ruhige Spazierwege und offene Flächen mit Blickachsen hinaus über die Halbinsel Otago Peninsula bis zum Meer 😇

Dunedin Oamaru 06Dunedin Oamaru 07Dunedin Oamaru 61Dunedin Oamaru 62Dunedin Oamaru 04

Der geplante High Tea fällt leider aus. Das Ballroom Café bleibt am 25. Dezember geschlossen. Schade, aber kein Drama. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich eine Mitarbeiterin auf und lässt uns quasi durch die Hintertür ins Schloss. Keine Ahnung, ob ihr nicht bewusst war, dass wir keine Eintrittskarten haben oder ob es ihr Weihnachtsgeschenk war, aber wenn wir schon mal drin sind, schauen wir es uns auch an 😃

Dunedin Oamaru 09Dunedin Oamaru 65Dunedin Oamaru 66

Die Innenräume wirken stellenweise überraschend opulent. Es gibt reich verzierte Holzdecken, geschnitzte Wandvertäfelungen, Buntglasfenster, Kamine aus italienischem Marmor und schwere Möbel aus dunklem Holz. Dazu sind viele Räume mit historischen Fotografien, Porzellan, Tapeten und Textilien ausgestattet, die zeigen, wie wohlhabend die Familie Larnach war💰

Besonders auffällig sind der Ballsaal mit seiner hohen Decke, das Speisezimmer mit Blick in die Gärten und mehrere Schlafzimmer, die unterschiedlich gestaltet sind. Alles wirkt weniger wie ein Museum sondern mehr wie der Versuch, den europäischen Adel nach Neuseeland zu holen 🇪🇺

Dunedin Oamaru 10Dunedin Oamaru 11Dunedin Oamaru 67Dunedin Oamaru 68Dunedin Oamaru 69Dunedin Oamaru 70

Wir klettern natürlich auch noch auf den Turm hoch und werfen noch einen letzten Rundumblick über die Hügel und Buchten der Otago Peninsula.

Dunedin Oamaru 12Dunedin Oamaru 05

So langsam knurrt der Magen. Da die Wolken mittlerweile super tief hängen, muss Sandfly Bay leider ausfallen. Wir kehren zum Campingplatz zurück und frühstücken erstmal. Das war genau die richtige Entscheidung, denn der Regen lässt nicht lange auf sich warten 🌧️

Den Nachmittag verbringen wir wie so oft mit Blog schreiben und Fotos favorisieren und aussortieren. Insbesondere das Fotografieren von Tieren wie Pinguinen sprengt oft den Rahmen 🫣

Eigentlich wären wir auch gerne nochmals essen gegangen. Aber viele Restaurants sind Weihnachten geschlossen oder bleiben gleich bis Anfang Januar dicht 😕

Deswegen koche ich uns ein Weihnachtsmenü im Camper. Zur Vorspeise gibt es Seafood Chowder mit Salat 🥬 Dem folgt ein medium-rare gebratenes Thunfischsteak 🐟 mit gegrillten Kürbisspalten und Champignons als Hauptgang und ein Magnum Passionfruit mit weißer Schokolade zum Dessert 🍨

Dunedin Oamaru 73Dunedin Oamaru 74Dunedin Oamaru 75Dunedin Oamaru 76

Wir fangen schon mal an, ein wenig die Lebensmittel zusammenzupacken, die wir nicht mehr brauchen und schauen danach noch einen Film. Ja, so langsam neigt sich das Abenteuer Camper dem Ende zu 😢

Die letzten rund 385 Kilometer liegen vor uns. Da auf der Strecke noch ein paar interessante Stopps liegen, fahren wir erstmal zurück nach Dunedin und dann über Oamaru bis Timaru. 

Zuerst besuchen wir das Clocktower Building der University of Otago. Es wurde 1879 fertiggestellt. Die älteste Universität Neuseelands wirkt eher wie ein College irgendwo in Schottland als wie ein Campus am anderen Ende der Welt 🌍

Dunedin Oamaru 77Dunedin Oamaru 80Dunedin Oamaru 81Dunedin Oamaru 82Dunedin Oamaru 17Dunedin Oamaru 16

Ein paar Minuten später stehen wir in der Baldwin Street. Sie ist 350 Meter lang, hat bis zu 35 Prozent Steigung und ist offiziell die steilste Straße der Welt. Auf Fotos wirkt sie fast harmlos, in echt ist es brutal nach oben zu laufen. Wir machen es dennoch. 

Nach ein paar Schritten merken wir sehr schnell, warum hier jedes Jahr Tausende von Jaffas, kleine orangene Schokokugeln, bei einem Charity Event den Berg runterrollen, aber kaum jemand freiwillig hochjoggt 😅

Dunedin Oamaru 23Dunedin Oamaru 21Dunedin Oamaru 22Dunedin Oamaru 20

Eigentlich steht danach ein Abstecher zu den Moeraki Boulders auf dem Plan. Die riesigen, kugelrunden Felsen liegen am Koekohe Beach und sehen aus, als hätte jemand Murmeln in Übergröße verloren. Das Wetter macht uns allerdings einen Strich durch die Rechnung. Schade, aber so ist auf Reisen. Manche Orte bleiben für ein anderes Mal 😉

Nach gut 2 Stunden frühstücken wir in Hampden. Vanessa's Cottage liegt direkt am State Highway 1. Ihr seht, Highway bedeutet in Neuseeland nicht 4- oder 6-spurige Autobahn. Meistens handelt es sich um eine 2-spurige Landstraße mit sogenannten Passlanes, Abschnitten zum Überholen 🚗

Kurz danach erreichen wir Oamaru. Die Stadt fühlt sich sofort anders an als viele Orte, die wir unterwegs gesehen haben. Sie ist kleiner und ruhiger, aber hat erstaunlich viel Charakter.

Zuerst geht’s runter zur Friendly Bay. Am Hafen steht dieser große Bilderrahmen, das offizielle Ende des Alps to Ocean Cycle Trails. Vom Mount Cook bis hierher, einmal quer über die Südinsel. Wir machen natürlich kein Foto, schließlich sind wir nur mit dem Camper unterwegs 🚐

Dunedin Oamaru 24Dunedin Oamaru 83Dunedin Oamaru 92

Wir laufen durch die Tyne und die Thames Street. Sofort ist klar, warum Oamaru als eines der am besten erhaltenen viktorianischen Ensembles in Neuseeland gilt. Helle Kalksteingebäude aus dem 19. Jahrhundert mit breiten Fassaden und hohen Fenstern.

Dunedin Oamaru 34Dunedin Oamaru 35Dunedin Oamaru 36Dunedin Oamaru 90Dunedin Oamaru 89

Spätestens in der Harbour Street merken wir, wie sehr die Stadt dieses Erbe feiert: Zwischen den Fassaden tauchen immer wieder kleine Steampunk-Details auf, skurrile Metallskulpturen, alte Fahrräder, verspielte Deko. Schöne Cafés, interessante Galerien und kleine Läden laden zum Stöbern ein 😎

Dunedin Oamaru 26Dunedin Oamaru 27Dunedin Oamaru 85Dunedin Oamaru 86Dunedin Oamaru 87Dunedin Oamaru 88

Ein kompletter Kontrast dazu ist das Steampunk HQ. Die interaktive Kunstinstallation ist in einem ehemaligen Güterschuppen von 1883 untergebracht, in der viktorianische Technikfantasien mit Science Fiction, Metallskulpturen, Licht, Geräuschen und bewusstem Übermaß zu einer ziemlich einzigartigen Parallelwelt verschmelzen 😲

Dunedin Oamaru 29Dunedin Oamaru 30Dunedin Oamaru 31Dunedin Oamaru 32

Anschließend fahren wir weiter nach Timaru. Wir haben beschlossen, unsere letzte Nacht auf einem Freedom Camping  an der Caroline Bay zu verbringen. Wozu 70 oder 100 NZD für einen Stellplatz ausgeben, wenn wir keinen Strom brauchen.

Wir stoßen auf unsere letzte Übernachtung im Camper an - endlich keine Besucherritzen mehr. Wahnsinn, wie schnell diese 4 Wochen auf der Südinsel vergangen sind. Es kommt uns vor, als wären wir erst vor Kurzem gestartet 🤔

Mark nutzt die Gelegenheit und springt nochmals ins Meer. Ich begleite ihn kurz, fange dann aber schon mal an zu packen. Das geht nämlich am besten allein, um sich nicht auf den Füßen zu stehen. Es gibt nur wenige Klamotten, die noch sauber sind, darunter das neue Kleid 👗 und die neue Jacke von Mountain Warehouse.

Dunedin Oamaru 38Dunedin Oamaru 39Dunedin Oamaru 40Dunedin Oamaru 41

Und natürlich müssen auch der Spiced Chai Sirup, der Gin, die Chutneys sowie die Dessertsaucen von Barker‘s sicher verstaut werden, schließlich müssen diese 3 Flüge überstehen. Aber darin haben wir ja Übung 🤭

Später gehen wir im Pier 64 essen und nehmen nebenbei ein Tribute Konzert für Fleetwood Mac mit, das von der DnD Showband gegeben wird. Es findet im Rahmen des Caroline Bay Carnival direkt gegenüber vom Restaurant statt 🍽️ 

Dunedin Oamaru 93Dunedin Oamaru 94Dunedin Oamaru 95

Auf dem Rückweg schlendern wir noch eine Runde durch Trevor Griffiths Rose Garden. Unter den Rosen sind nicht so ausgefallene Sorten wie in Wellington oder Auckland, dennoch genießen wir den lauen Abend. In Neuseeland geht die Sonne nämlich erst nach 21 Uhr unter ☀️ Und das tut sie auf außergewöhnliche Art und Weise.

Dunedin Oamaru 42Dunedin Oamaru 44

Unsere letzte Nacht im Camper steht an - gute Nacht 😴